Der frubiase® SPORT blog

20. Februar 2009
von Hauke König

Brocken Challenge


hauke_winterHeute ist es auf den Tag zwei Jahre her, dass ich an meinem allerersten Lauf teilgenommen habe. Damals war es die Brocken-Challenge, die ich mir als Debüt auserkoren hatte. 80 Kilometer und 1800 Höhenmeter von Göttingen auf den mit 1142m höchsten “Berg” Norddeutschlands – den Brocken.
Genau zwei Jahre später finde ich mich morgens um 5.30 Uhr wieder am Startpunkt in Göttingen. Mittlerweile um viele Erfahrungen in Ultradistanzen reicher und trotz der Uhrzeit einigermaßen gut aufgelegt. Dass diese Veranstaltungen immer zu so unchristliche Uhrzeiten stattfinden müssen, hat mich schon oft genervt. Aber ist man erst einmal aus den Federn, ist das alles auch wieder schnell vergessen.
Ich treffe viele Bekannte und schüttle die ersten zehn Minuten die Hände vieler Läuferkollegen. Ahh, Thomas Ehmke ist da. Der läuft mein angepeiltes Tempo und ist total nett. Also stelle ich mich beim Start in seine Nähe und alles passt. Tatsächlich laufen wir die ersten 50 Kilometer zusammen mit einer kleinen Gruppe netter Bekannter.
Die ersten 43 Kilometer geht es über vereiste Feld- und Wirtschaftswege. Erst dann gelangen wir in den Harz. Und wie. Der Schnee auf den Wegen wird höher und links und rechts müssen wir aufpassen nicht in die Loipen zu treten. Bei Kilometer 53 habe ich plötzlich Sterne vor den Augen und mir ist schwindelig und schlecht. Anscheinend habe ich viel zu viel Flüssigkeit getankt, die die Nährstoffe wieder aus mir heraus gespült hat. Meine Mitläufer kümmern sich rührend um mich. Sie verpflegen mich mit Müsliriegeln und Schokolade und warten geduldig, bis ich wieder mit ihnen Schritt halten kann. Die Jungs sind super. Danke noch mal an Thomas Fietz und Jochen Kruse.
Spätestens hier bewähren sich meine Schneeketten für die Laufschuhe (ja, sowas gibt`s) wunderbar. Kein Rutschen und Schlittern trotz Eis und Schnee. Letztlich ziehen mir als gebürtiges Nordlicht aber dann doch diese fiesen verschneiten Steigungen die Körner aus den Beinen und ich lasse meine beiden Mitläufer auf den letzten 17 Kilometern ziehen. Jetzt kann ich mich auf mein Tempo konzentrieren und durch diese winterlich verschneite Berglandschaft laufen. Wow! Der Schnee liegt stellenweise wirklich geschätzte 130cm hoch und von kleinen Tannen und Fichten schaut nur die Spitze aus dem Schnee. Warum gibt es so etwas in Hamburg nicht? Ist doch‚’ne Weltstadt. Sonst gibt’s da doch auch alles. Naja, dafür stehen hier keine leicht bekleideten Damen im Wald herum und Schiffe sucht man hier ebenfalls vergeblich.
Die letzte Versorgungsstation bei Kilometer 72 taucht unterhalb von mir auf und ich weiß nicht weshalb, aber ich kann wieder rennen.
Ich muss noch erwähnen, dass die Verpflegung bei dieser Veranstaltung außerordentlich gut und die Menschen an den Stationen außergewöhnlich freundlich sind. Das war vor zwei Jahren auch so und wie ich höre, ist das der Status Quo hier. Also, heiße Bockwurst in den Mund und noch schlappe 8 Kilometer bergauf. Ich kann die Brockenbahn schon tuten hören. Jetzt entlang der Gleise immer weiter bis zur Brocken Straße. Und da steht es, das Schild: “Brocken 1 KM”. Die Straße ist unangenehm steil und voller Schneematsch und mit Laufen is nicht mehr.
Ich frage mich, wer diesen letzten Kilometer vermessen hat. Derjenige war entweder betrunken, oder ein Scherzkeks. Aber auch der längste Kilometer der Welt ist einmal zu Ende und im Schneegestöber komme ich nach 11 Stunden und 28 Minuten da an, wo viele andere schon bei alkoholfreiem Weizenbier, Kaffe und Bohneneintopf gemütlich beisammen sitzen. Geil, geschafft! Her mit meinen trockenen Sachen, dem warmen Essen und dem Kaffee.
Ich fühle mich sehr gut und freue mich auf mein Bett. Ach ja, vielen Dank an die beiden Frauen der zweiten Verpflegungsstation, die mich von Schierke aus direkt mit nach Göttingen gebracht haben.
Gewonnen hat übrigens wieder einmal Frank Kleinsorg aus Göttingen, der die Strecke in der völlig außerirdischen Zeit von 7 Stunden und 55 Minuten geflogen zu sein scheint. So ein Freak! Also denn mal bis spätestens Februar 2010. Mein Schwager ist auch angefixt und läuft dann die ersten 42 Kilometer mit. Danke an alle Anwesenden. Super Veranstaltung!

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3 Reaktionen zu „Brocken Challenge“

  1. Hannes

    Das klingt einfach toll. Danke für den schönen Bericht. So etwas liest man gerne. Und der Vergleich mit Hamburg – herrlich ;)

    Gratuliere dir zum erneuten Bestehen der Challenge. Wahnsinn, was du da vollbringst.

  2. Ingo

    Genial geschrieben und Hut ab, vor Deiner Leistung. ich freu mich schon auf den Weserlauf 2.0! Frank Kleinsorg werd ich gleich mal googeln.

  3. Flug Bangkok

    Würd jetzt gerne stänkern, dass das doch alles mal wieder viel zu trndie ist… Aber irgendwie muss ich auch einfach mal sagen: Hut ab!
    Klasse Bericht… Ich bin echt neidisch, dass ich mich soetwas einfach noch nicht getraut habe.
    Two thumbs Up!!!

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