30. April 2009
von Hauke König
Nicht schnell, aber schön
Tag 1.
Eigentlich fing der Hamburg Marathon ja schon am Samstag an. Ich also mit der U-Bahn los, um meine Startnummer in der Messe abzuholen. Dort angekommen wurde mir erklärt, dass noch 5 Euro von meinem Startgeld fehlen würden und ich deshalb jetzt keine Startnummer bekäme. Weil mir eine Diskussion zu blöd ist und ich auch noch andere Dinge zu tun habe, latsche ich also wieder durch das gesamte Messegelände raus und hole Geld. Dann wieder rein und noch mal anstellen. Zum Glück habe ich Musik dabei. Fünf Euro bezahlt, Startnummer und 37 Kilo Werbung bekommen und weg. Halt. An einem Stand sehe ich Hansi Köhler. Ausdenker vom Stunt100, einem echt heftigem 100 Meilen Trail Lauf. Er erklärt mir, dass es in diesem Jahr schlecht aussieht mit meiner Teilnahme. Ich stehe zwar auf Platz 6 der Warteliste, aber bisher hat noch kein Läufer seine Teilnahme abgesagt. Schade.
„Hallo, sag mal bist du nicht Hauke?“ Spricht mich ein junger Mann erwartungsvoll an. Ich erstmal „???“ Und dann sehe ich, dass er ein frubiase Poloshirt trägt und mich zum frubiase Messestand bittet. Aha, Bernhard Wiegratz, seines Zeichens Produktmanager bei frubiase, erklärt mir den genauen Aufbau und die Wirkung des neuen frubiase SPORT Ausdauer. Klingt sehr gut und er packt mit ein paar Dosen ein. Danke schön. Wir sehen uns im Knast wieder – also beim Knastmarathon im Mai
!
Dann treffe ich noch auf Schek ki Lo und Sylvia Rehn. Zwei Ultraläufer aus Hamburg. Sie erklären mir, dass sie den Lauf morgen eigentlich nur genießen und sich überhaupt gar keinen Stress machen wollen. „Wir haben ja sechs Stunden Zeit und das alles in Ruhe anzugucken“ meint Scheck ki. Geile Idee!
Tag 2.
Die Bahn ist nicht nur voll, sondern komprimiert. Ich habe das Gefühl, ganz Dresden und Stuttgart befinden sich heute in der U3. Reeperbahn raus, Kleiderbeutel abgeben und an den Start. Ich stelle mich mal zwischen die 4.15 und 4.30 Pacer und los. Erstmal durch Ottensen in Richtung Othmarschen. Ganz schön fix für die Uhrzeit, aber alles läuft gut. Dann die Elbchaussee runter durch Alt Altona und Sankt Pauli. Huhu, Pudelclub!
10- Kilometermarke – ich schaue auf die Uhr: 44 Minuten. Der Deichtortunnel. Für mich immer so eine Art Unterführung. Jetzt beim Durchlaufen sehe ich: Das Ding ist lang. Und am Ende stehen tausende von Menschen im Sonnenschein und jubeln. Wow!
Weiter Richtung Alster und rechts an der Außenalster vorbei. Hier wohnen Menschen, die früh am Morgen Tische in den Einfahrten ihrer Villen aufgebaut haben und sich ein gepflegtes Champagner-Frühstück einverleiben. Ich habe Mitleid. Und langsam merke ich, dass ich mein Tempo nicht mehr halten kann. Es wird zunehmend schwerer, zu laufen. Und wärmer wird es auch. Ich quäle mich noch einige Kilometer und denke darüber nach, wie ich jetzt weiterlaufen kann. So jedenfalls nicht. Plötzlich sehe ich die Alster unter mir. Ich laufe auf Glas und über den Fluss. Aber das kann doch gar nicht sein… Zack, wieder da. Was war das denn? Eine Art Traum? Beim Laufen??? So was hatte ich auch noch nie. Ich beschließe jetzt meine Pläne zu ändern und erinnere mich an gestern. „Wir haben ja sechs Stunden Zeit…“
Also weiter Richtung Barmbek, wo Menschen wohnen, die weder Villen, noch die dazugehörigen Einfahrten haben. Also sitzt man hier aus Ermangelung anderer Möglichkeiten morgendlich vor kleinen Kneipen mit komischen Namen und trinkt Bier. Das Wort gepflegt fällt in diesem Fall wohl nur den wenigsten ein. Denkt mal drüber nach! Ich jogge mehr, als das ich laufe und schaue und staune über alles. Irgendwie ja doch eine ganz schöne Freakshow hier. Find ich super! Bei Kilometer 30 steht meine Schwester mit zwei Arbeitskolleginnen und drei ihrer betreuten Menschen und schreien sich die Kehle aus dem Hals. So habe ich die noch nie gesehen. Ich halte kurz an und begrüße alle, um dann weiter zu joggen. Kilometer 32. Ich bin wieder fit. Und während viele andere Läufer ihre Kondition hier langsam ausgeschöpft haben, kann ich noch mal Gas geben. Fühlt sich auch gut an. Die letzten Kilometer vergehen wie im Flug und nach 3 Stunden und 43 Minuten bin ich viel zu fit im Ziel. Zuhause angekommen, habe ich dann das dringende Bedürfnis noch mal eine Runde laufen zu gehen, aber ich finde die Idee irgendwie albern und lass es.
Ich habe gehört, dass etwa 850.000 Zuschauer dabei waren. Und das Ganze war schon etwas sehr Besonderes für mich. Und ich meine nicht nur besonders teuer
!
Bei schönstem Wetter in solcher Atmosphäre durch meine Stadt zu laufen, war wirklich schön.
Hi Hauke,
hat mich gefreut Dich in HH kennen zu lernen. Schön, dass Du die Strecke größtenteils genießen konntest.
Bis bald im Knast!
Bernhard
Ein tolles Erlebnis, auch wenn man zu Beginn des Laufberichtes noch dachte, du hättest tatsächlich den Anfängerfehler des schnellen Starts begangen. Am Ende lief ja doch alles wie am Schnürchen. Gratuliere dir dazu! Ein Marathon in so großer Begeisterung ist schon etwas Besonderes!
Schönes Ding! Dein Input macht immer wieder Spaß.