29. Juli 2009
von Dr. C. Lukas
Rehabilitation – nicht nur für Profis
Von den Bundesliga-Fußballprofis und anderen Profi-Sportlern ist man es ja gewohnt: Nach jeder größeren Verletzung wird in den Medien ausführlich über die intensive Rehabilitation, die meist mehrere Stunden täglich in Anspruch nimmt, berichtet. Der Freizeitsportler tut sich da eher schwer. Meist muss um jedes Krankengymnastikrezept gekämpft werden, mehr als zwei maximal drei Krankengymnastik-Einheiten pro Woche sind unrealistisch.
Was oft nicht bekannt ist: Auch „normalsterblichen“ Sportlern steht eine medizinische Rehabilitation zu. Kostenträger bei Berufstätigen ist normalerweise die Rentenversicherung. Sicherlich wird nicht für jeden verstauchten Knöchel oder Muskelfaserriss eine Reha genehmigt. Aber bei größeren Verletzungen, vor allem nach operativen Eingriffen wie zum Beispiel Kreuzbandplastik oder Schulterstabilisierung, sind die Chancen jedoch nicht schlecht. Bei Verletzungen dieser Größenordnung ist es ratsam, den behandelnden Arzt direkt auf das Thema Reha anzusprechen. Ob dann eine Anschluss-Heilbehandlung (AHB, innerhalb von zwei Wochen nach Entlassung aus der Klinik) oder mit etwas größerem Zeitintervall eine allgemeine Rehabilitation sinnvoller ist, hängt unter anderem von dem jeweiligen Nachbehandlungsschema ab. Für die optimale Rehabilitation sollte zum Beispiel die volle Belastung freigegeben sein, um optimal den Kraftaufbau betreiben zu können. Die Reha-Maßnahme erstreckt sich dann ganztägig über drei bis vier Wochen. Neben der Krankengymnastik und dem medizinischen Training wird je nach Bedarf auch Ergotherapie, Wassergymnastik, Massage, physikalische Maßnahmen, Bewegungsschiene, etc. verordnet. Auch Gruppengymnastik, Alltagschulung und Vorträge gehören zum Programm. Auf diese Weise kommt man, ganz wie die Sport-Profis, problemlos auf vier bis sechs Stunden Behandlung pro Tag.
Standard ist heute die ambulante Rehabilitation, das heißt man schläft im eigenen Bett, die stationäre Rehabilitation ist aus Kostengründen auf dem absteigenden Ast.
Eine solche Rehabilitation finde ich äußerst sinnvoll, gerade bei eben solche schwerwiegenderen Verletzungen. Da bei meinen Knieschmerzen aber nicht einmal die konsultierten Ärzte wirklich weiter helfen konnten (und das 6x-Krankengymnastik-Rezept gab es auch nur nach ausdrücklicher Bitte), muss ich mir dadrüber wohl keine Gedanken machen, obwohl ich glaube, dass auch in diesem Fall eine ausführlichere “Reha” sinnvoll gewesen wäre. Für Amateur-/Hobbysportler bleibt das aber wohl Wunschdenken …
Natürlich braucht es für die Kniechmerzen erstmal eine vernünftige Diagnose, man muss erstmal wissen, was therapiert werden soll.
Dann ist aber eine Reha für jeden mögl. Der Anspruch ist im Sozialgesetzbuch festgeschrieben (bei entsprechend schwerwiegender Verletzung). Für den Arzt geht es nicht auf das Budget (im Gegensatz zum KG Rezept). Auch Amateursportler sind Arbeitnehmer und ein längerer Arbeitsausfall kostet die Rentenversicherung mehr Geld als eine Rehamassnahme!