20. August 2009
von Hauke König
110.000m Hürden…
…aber das Wetter war super!
Es sollte ein langer und schneller Lauf für mich werden. 160 Kilometer entlang des Kölnpfades. Einmal rund um Köln. Also am Freitag nach Köln, Startunterlagen (eine Karte, eine Tageskarte für die Öffentlichen und die Startnummer) am Startpunkt abholen und dann früh ins Bett. Start ist pünktlich um 8.00 Uhr und ich will von Anfang an vorne laufen. Die ersten 25 Kilometer laufen sehr gut. Ich habe mich von Anfang an mit einer vierköpfigen Führungsgruppe um Michael Irrgang abgesetzt und alles scheint gut zu sein. Michael wird von einem Mountainbiker begleitet, der die Karte lesen und den Weg auskundschaften soll und außerdem die Verpflegung auf einem Fahrradkorb dabei hat. Ich darf meinen Hüftgürtel mit Handy, Essen und Trinken ebenfalls dort verstauen. Mit meinem Betreuer Ingo, der doch nicht mit einem Motorroller, sondern mit meinem Auto unterwegs ist habe ich besprochen zwischendurch zu telefonieren, um den ersten Treffpunkt abzusprechen. Nach der ersten von vier offiziellen Verpflegungsstationen des Laufes bleibt der Mountainbiker zurück, will aber gleich wieder zu uns aufschließen. Doch er bleibt auch noch bei Kilometer 40 verschollen. Anrufen können wir ihn nicht, da Michaels und mein Handy ja bei ihm im Fahrradkorb liegen. Save & warm. Die Temperaturen beginnen langsam den 20er Bereich zu verlassen, als wir an einem Freibad vorbeilaufen. Ich habe fast geweint, als ich die hellblau funkelnden Becken schräg rechts von mir sah. Ich habe Durst. Ein Holger Maiwald teilt sich mit mir die beiden in seinem Rucksack verstauten Trinkflaschen. Allerdings sind diese angesichts der immer höheren Temperatur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir lassen jetzt Michael Irrgang und Josef Willerich etwas vorlaufen und verlaufen uns sofort. Ich muss feststellen, dass dieser Lauf ohne ständigen Blick auf die Karte ein verlorener ist. Die Wege wechseln schnell und es fällt mir immer schwerer mich auf die Karte zu konzentrieren beim Laufen. Aber hilft ja nix. Da muss ich durch. Bei Kilometer 46 taucht von hinten endlich der Verpflegungsmountainbiker wieder auf. Er hatte erst eine Fahrradpanne und sich dann gehörig verfahren. Endlich trinken. Endlich mit Ingo telefonieren und unseren ersten Treffpunkt ausmachen. Wir treffen uns bei Kilometer 50 und ich trinke und nehme frisches Wasser mit. Die Temperatur hat jetzt die 30er Marke überschritten und ich komme ganz gut voran, treffe Ingo noch mal bei Km 65, bevor es in eine Gegend geht, in der es die nächsten 25 Km keinen Schatten mehr geben wird. Das ist mein Wetter! Die Sonne ballert und ich laufe in einem hochgeschlossenem, langärmeligen Shirt, das vor Sonne schützt und außerdem noch kühlt. Funktioniert. Danke fürs Stricken, Oma Asics. Aber die Konzentration lässt jetzt doch merklich nach und so fang ich an nicht mehr so oft auf die Karte zu schauen und verlaufe mich ständig, biege falsch ab oder bemerke Abzweige nicht mehr oder zu spät. Das nervt. Irgendwann schließt Jürgen Baumann zu mir auf. Ihn begleitet sein Sohn auf dem Bike. Wir laufen eine ganze Zeit zusammen bis zu meinem nächsten Treffpunkt mit Ingo. Jürgen zieht weiter und ich warte an der abgesprochen Stelle. Von Ingo keine Spur. Ich telefoniere und Ingo erklärt, dass er im Stadtverkehr steckt und nicht weiter kommt. Nach etwa 20 Minuten kommt er dann doch und ich hole nur schnell das Nötigste aus dem Wagen und laufe Jürgen hinterher. Nach cirka einer Stunde erwische ich ihn wieder am Rhein. Das Verlaufen und die Wartezeit machen mich psychisch mürbe. Körperlich bin ich topfit, aber das hilft jetzt gerade auch nicht. Nach zahlreichen neuen „Verläufern“ scheint mir die Zeit wegzufliegen. Und ich bin immer genervter. Ich treffe Ingo noch einmal und wir besprechen, ob ich meine Stirnlampe vorsichtshalber schon mal mitnehmen soll. Ingo meint ich bräuchte die noch nicht und so setze ich sie wieder ab und lasse sie im Auto. Tja, schön aufgepasst: So macht man Fehler!
Dann gebe ich noch mal 10Km richtig Gas bis zur Versorgungsstelle von Florian Bechtel. Ein Kölner Ultraläufer, den ich von einigen Veranstaltungen kenne. Schön ist es da. Aber es wird wirklich langsam dunkel und ich muss schnellstens weiter. Weit komme ich aber wieder nicht, denn genau an der Stelle, an der der Weg durch Reflektorpfeile gekennzeichnet sein soll, reicht das Tageslicht nicht mehr aus, diese zu erkennen. Und so stehe ich wieder doof in der Botanik herum und warte darauf, dass Ingo mit dem Wagen und meiner Stirnlampe kommt. Er versucht das auch. Nur leider ist gerade das Heimspiel des 1. FC Köln vorbei und da ich ganz in der Nähe des Stadions bin, dauert es etwa 30-40 Minuten, bis er es zu mir geschafft hat. Meine Stimmung war schon während des Wartens… sagen wir mal ein klitzekleines bisschen angespannt. Es gelingt mir dann aber wieder mich selbst zu motivieren und frisch, fromm, fröhlich und frei in den Wald zu laufen. Bis ich mich schon nach kürzester Zeit wieder verhaspel. Es fehlen die Reflektorzeichen an einigen Stellen und ich weiß nicht mehr wo ich bin und stehe im Wald. Und jetzt platzt mir aber echt der Kragen. Und das liegt nicht am Shirt. Ich bin niedergeschlagen und frustriert. Ich kann meine geplante Zeit vergessen und mittlerweile vielleicht auch eine Platzierung unter den ersten drei. Ich könnte aber sicher noch was rausholen, wenn ich jetzt einfach nur noch straight durchziehe. Dann fallen mir wieder die Wegmarkierungen ein und ich rufe Ingo an und lasse mich an der nächsten Möglichkeit nach etwa 110 Kilometern abholen.
So, auf zum nächsten Lauf! 22. August. Müritzlauf. Ich begleite dort einen alten Kumpel, der seinen allerersten Ultra läuft (76 Km). Und dann geht es am 01. September nonstop, alleine und selbstversorgt durch den Schwarzwald von Pforzheim nach Basel. 290 Km, 8000Hhm !!!
OLÈ!
Hallo Hauke,
es war in der Tat schon ein großer Vorteil, wenn man den Streckenverlauf halbwegs kannte. Als Kölner hatte ich den Vorteil die Strecke vorher mal Etappenweise ablaufen zu können und ich war auch in einem deutlich gemütlicheren Tempo unterwegs als du. Ohne Wanderkarte nur den Wanderzeichen folgend habe ich mich beim ersten mal auch mehrfach verlaufen – im Königsfost waren es einmal lockere 5 km Umweg. Die Karte war schon wichtig – aber wenn man sich eigentlich auf’s Laufen konzentrieren will, dann ist ständiges Kartelesen natürlich nervig. Vielleicht wäre für die Spitzenläufer jeweils ein eigener ortskundiger Fahrradscout dann doch das richtige gewesen. Schade dass dir dadurch der Spass an der an sich schönen Strecke versalzen wurde.
Viele Grüße aus Köln,
Manfred
Du hast Recht. Ich war einfach nicht darauf eingestellt mit Karte vor der Nase zu laufen.
Verlaufen, mein Lieber, haben wir uns wohl alle.
Gerade im ersten Viertel waren die Markierungen eher selten.
Dass da aber noch das Problem mit der Stirnlampe dazu kam, das ist wirklich bitter. Und schade, denn nach den 110.000 Metern Hürden kamen dann noch 61.000 Meter, die wirklich gut ausgeschildert und ziemlich eindeutig waren.
Viel Spaß beim Schwarzwald-Lauf, es ist das Wochenende, an dem viele von uns sich in Chamonix die Füße platt treten müssen. 8.000 HM im Schwarzwald sind ja auch etwas wirklich Besonderes.
KEEP ON RUNNING
TOM
Du hast Recht. Ich war einfach nicht darauf eingestellt mit Karte vor der Nase zu laufen
Der Satz war jetzt nicht ernst gemeint. Oder?
Dann würde ich die vorschlagen das möglichst schnell zu lernen. Denn bei allen 100Meilern. Mindestens in Deutschland und Europa wirst das können müssen. Wenn du nicht Kartelesen und laufen kannst wirst du beim http://www.German-Sixpack.de bei mindestens 5 von den 6 Läufen ein großes Problem haben durchzukommen.