25. September 2009
von Carsten Alfred Mattejiet
100 Meilen Mors
Auf der Fahrt nach Mors stellte ich irgendwann fest, dass die Straße ständig welliger wurde. Als ich dann an der Straße Schilder mit Angaben zu Steigung und Gefälle las, wurde ich etwas unsicher.
War Nordjütland doch nicht so flach? Um es vorweg zu nehmen, nein Nordjütland ist sehr wellig. Also schon einmal die erste Fehleinschätzung. Hätte ich doch mehr in der Geestlandschaft um Bremen trainieren sollen? Ja, hätte ich wohl machen können. War es ein Fehler? Nein ich denke nicht. Die Wetterprognose versprach uns Sonne und Temperaturen um 22° C. Nach einer sternenklaren Nacht und Temperaturen um 5°C war ich froh auf dem Campingplatz eine Hütte bezogen zu haben. Der Morgen begrüßte mich mit einem wunderbaren Sonnenaufgang und schon nach kurzer Zeit war der Himmel wolkenlos. Im Laufe des Tages stiegen die Temperaturen auf die prognostizierten Temperaturen, doch gefühlt war es noch viel wärmer ![]()
Ich hatte am Abend vorher noch meine Drop Bags gepackt für km 60, 100 und 140. Dass ich dabei die Handschuhe für die Nacht vergaß, war nicht so schlimm, denn ich hatte auch noch Handwärmer eingepackt. Es gibt für mich nichts Schlimmeres als kalte Hände.
Morgens um halb neun ging ich zum Startgelände. Der Arzt begrüßte uns und fragte jeden Einzelnen nach Medikamenten oder anderen für ihn wichtigen Dingen. Kurz vor neun Uhr wurde ein jeder der 35 Aktiven namentlich vorgestellt. Und mit den drei ungarischen Läufern waren wirkliche Hochkaräter am Start. Dazu zwei richtig starke Dänen und viele Novizen auf der 100 Meilen Strecke.
Neun Uhr Samstagmorgen wurden wir dann auf die Reise geschickt die Insel Mors von Nykøbing aus zu umrunden. Die ersten Kilometer versuchte ich erstmal mein Tempo zu finden. Ich traf sehr schnell ein angenehmes Tempo und die leichten Wellen ließen sich sehr flüssig laufen. 25 Kilometer lief ich mit einem ungarischen Starter zusammen. Da ich mir in meine Trinkflaschen meine spezielle Getränke-Mischung gefüllt hatte, konnte ich die ersten vier Depots überlaufen. Bei 25 km gab ich eine der beiden Handflaschen ab. Bei der Überprüfung meiner Durchschnittsgeschwindigkeit stellte ich fest, dass die gefühlte Geschwindigkeit nicht optimal sein konnte.
Denn wenn ich bis km 100 so weiterlaufen sollte, würde ich meine 100 km Bestzeit deutlich verbessern. Das wäre ja nicht schlecht, doch im Rahmen eines 161 km langen Rennens nicht wirklich ratsam. Also Tempo raus nehmen und drosseln.
Bei km 40 bekam ich heftige Magenprobleme. „Nicht schon wieder“, dachte ich. Doch schon wieder! Also erst einmal gehen und nachdenken. Die Strategie neu überdenken. Gut, dass mir in diesem Moment Hauke eine Nachricht schickte und später bei einem kurzen Telefonat den entscheiden Ratschlag gab. Ich setzte seine Empfehlung um. Und hoffte auch auf die Kühle der Nacht. Die nächsten 20 km wurde ich vom 4. Rang erst einmal überholt und lag auf Platz 10. Bei dem Wendepunkt um die nördlichste Landzunge der Insel konnten wir uns noch Glück wünschen, HELD OG LYKKE.
Wie ich es erwartet hatte, erholte ich mich und mein Magen stabilisierte sich. 32 wirklich bestens eingerichtete Verpflegungspunkte ließen alle Möglichkeiten offen.
Mineralwasser, stilles Wasser, Cola, Energy, isotonische Getränke. Dazu Müsli-Riegel, Energy Gels, Chips, Erdnüsse, frisches Obst, Salzgebäck und Jodsalz, ließen wirklich keine Wünsche offen. In der Nacht waren die Depots zwar nicht mehr besetzt, doch es fehlte dennoch an nichts. Dazu fuhren in der Nacht einige Autos mit frischem heißem Kaffee auf der Strecke, ein mobiler Streckenposten patrouillierte auf den wirklichen stockdunklen Streckenabschnitten, um den Weg zu zeigen.
Ab km 85 traf ich mit dem Dänen Rene Koch Larsen zusammen, ich hatte vorher am Depot darum gebeten meine Stirnlampe 5 km weiter nach vorne zu bringen. Meine Berechnungen stimmten ja nicht mehr. Dass wir uns dann auf dem Weg zum Depot bei km 95 verliefen, war ärgerlich. 2,5 km ging die Straße ohne weitere Abzweigung geradeaus. So machten wir gleich 5 km mehr. Wir waren auf den 15. Platz zurückgefallen. Es waren jedoch noch 60 Kilometer zu laufen, das Rennen hatte ja noch nicht wirklich angefangen.
Wir harmonierten sehr gut zusammen und liefen 70 Kilometer gemeinsam. Im Laufe der Nacht überholten wir weiter Läufer, die Beine waren erstaunlich elastisch und die Stimmung stieg natürlich weiter. Bei km 145 überkam mich etwas Müdigkeit und ich wollte das Tempo reduzieren. Doch immer wieder setzte Rene an. Ein Finish unter 22 h könnte möglich sein. Das motivierte mich. Bei km 150 stellten wir fest, dass sogar eine Zeit von 21:30 Stunden möglich wäre. Also weiter laufen. Langsam aber sicher steigerten wir unser Tempo und machten bei der letzen Verpflegung erst gar keinen Stopp mehr. Durch Nykøbing hatten wir ein schönes Tempo. Gegen 6:30 Uhr sollte die Morgendämmerung einsetzen, der Sonnenaufgang war kurz vor 7. Das sollten wir schaffen, vor der Sonne im Ziel zu sein. 2 km vor dem Ziel kam Rene noch einmal von hinten, wir hatten uns vorher aus den Augen verloren. Ich war überrascht. Ich ließ ihn passieren und verlangsamte das Tempo, denn er hatte sich den Rang vor mir sauber erarbeitet. Als ich ins Ziel einlief, setzte das erste Morgenrot einen dünnen Strich an den Horizont.
Mit einem großen Freudensprung kam ich ins Ziel. Ich war so richtig zufrieden, das war eine ordentliche Leistung. Als krönender Abschluss sollte das Bad in dem Limfjord nicht fehlen. Das Wasser war kalt und ich bin so wie ich war in den Fjord gestiegen, habe eine kleine Runde gedreht und mich so richtig gefreut. 21:14 h war ordentlich, und wenn der extra Ausflug von über einer halben Stunde nicht gewesen wäre…. Egal!
Nach einer kurzen Pause kamen wir zur Siegerehrung, dabei verdrückte ich erste einmal 15 Brötchen…. Dem Magen ging es ja wieder gut
Dieser Lauf hat sich bei mir einen Ehrenplatz verdient, da ist es eine Selbstverständlichkeit 2010 wieder am Start zu stehen. Es war ein fünf Sterne Lauf, da fehlte es an fast gar nix.
Ein toller Bericht, was für eine Zeit! …… HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!
Danke Thomas,
nach diesem Rennen war ich so rundum zufrieden. Nur einmal bei einem Depot hingesetzt und ansonsten an keinem Depot länger als 40 Sekunden. Es hat so richtig Spass gemacht.
Auch von mir:
“Herzlichen Glückwunsch”
Tolle Leistung.
Weiter so