Der frubiase® SPORT blog

18. September 2009
von Hauke König

Mal eben Schwarzwald

haukeDer Westweg von Pforzheim nach Basel sollte mit seinen 278 Kilometern und 8000 positiven Höhenmetern ein Höhepunkt der Saison werden. Die Vorbereitungen liefen allesamt sehr gut und bis ein paar Tage vor dem Lauf fühlte ich mich topfit. Dann kündigte sich jedoch eine Erkältung an und ich hoffte, sie bis zum Lauf auszukuriern. Sie erwies sich jedoch als hartnäckig und wollte nicht richtig zum Ausbruch kommen. So hoffte ich, dass mein Körper während des Laufes mit anderen Dingen beschäftigt sein würde, als sich mit einer blöden Erkältung herumzuschlagen und dass ich solange ich laufe, einigermaßen verschont bleiben würde.

Jedoch setzte schon auf dem Weg nach Pforzheim ein ziemlich heftiger Reizhusten ein und ich bekam kaum Luft und musste bei jedem tiefen Atemzug husten. Hallo? Geht’s noch?

Da trainiert man jeden Tag über so viele Wochen und dann so was? Egal, ich laufe.

In Pforzheim angekommen mache ich mich sehr schnell auf den Weg vom Kupferhammer aus den gelben Rauten folgend steil den Berg rauf. Aber irgendwie kommt mir das alles irgendwie nicht koscher vor und nach sechs Kilometern werde ich gewahr: Ich hätte den orangen Rautenzeichen folgen müssen. Also wieder zurück und noch mal neu anfangen.

Jetzt geht´s. Entlang des Flusses Nagold und dann eigentlich stetig in Richtung des schwarzen Himmels. Das Atmen fällt schwer und meine Gelenke tun weh. Ich fühle mich jetzt wirklich richtig krank. Aber ich bin ja unterwegs und es ist Nacht und ich bin im Wald und zurück komme ich jetzt sowieso nicht mehr. Wie auch. Die Entscheidung, die ich treffe ist folgende:

pforzheimWeiterlaufen bis es hell ist und dann schauen, wie es mir geht. Aber der  Virus in meinem Körper sieht das anders. Irgendwann kann ich nicht mehr laufen. Selbst das Gehen tut weh und ich muss mich hin und wieder setzen. Auf einem felsigen Trail komme ich dann endlich wieder ins Laufen. Allerdings übersehe ich eine herausragende Felskante, falle vom Gewicht meines Rucksackes gezogen, der der Erdanziehung gehorcht und überschlage mich mehrfach. O.k., erst mal liegen bleiben und spüren, ob noch alles dran ist. Jepp, scheint alles in Ordnung zu sein, bis auf mein rechtes Knie. Das zwiebelt, aber nach ein paar Schritten ist das auch nicht mehr der Rede wert. Allerdings bemerke ich nun, dass mein Rücken und meine Hose unangenehm nasskalt sind und als ich dem nachgehe stelle ich fest, dass beide 0,7l Trinkflaschen in meinem Hüftgurt am Rücken beim Sturz kaputtgegangen und ausgelaufen sind. Aber ich habe ja noch 2l Wasser in meiner Trinkblase im Rucksack. Verdursten werde ich also nicht. Und weiter geht es durch den nächtlichen Schwarzwald. Im Schein meiner Stirnlampe laufe ich unglaublich vielen Augenpaaren entgegen, die allesamt Reißaus nehmen, wenn ich ihnen zu nahe komme. Mächtig was los hier. Im Vorfeld hatte ich ja schon einige Male Bedenken, wie es wohl sein könnte nachts alleine durch den Schwarzwald zu juckeln. Jetzt, da ich genau das tue, stelle ich fest: Kein Problem. Und zack liege ich schon wieder auf der Nase. Naja, die Flaschen waren ja eh schon kaputt, also egal. Nur kalt wird es von dem ausgelaufenen Wasser an Rücken und Beinen. Das könnte ich aber vernachlässigen, wenn ich mich nicht so verdammt krank fühlen würde. Planänderung. Ich kann nicht mehr und nach 37Km und 1240 positiven Höhenmetern setze ich mich in die erste Bushaltstelle, die mir in den Weg kommt und warte frierend auf den Morgen. Der kommt dann auch irgendwann zeitgleich mit einem Bus, der nach Pforzheim fährt. Ich steig ein.

Tja, kombiniere, kombiniere: Da muss ich wohl 2010 noch mal.

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6 Reaktionen zu „Mal eben Schwarzwald“

  1. Carsten

    .. 2010. grübel… doch dann nicht alleine

  2. Bernhard W.

    Hallo Hauke,

    schade, schade, dass die Erkältung Dich das Vorhaben gekostet hat.

    Drücke Dir schon jetzt für die Revanche die Daumen!

    Greetz Bernhard

  3. Ruben

    Sicher das es die Nagold ist und nicht die Enz? Weil meines Wissens führt der Westweg über Birkenfeld und Neuenbürg, beide an der Enz gelegen…

    Jedenfalls schade, dass es nicht geklappt hat! Wünsche dir viel Erfolg beim nächsten Mal, und zum Glück ist nichts passiert.

  4. Hauke

    Nagold ist schon richtig. Birkenfeld, Neuenbürg und Enz stimmt aber auch.
    Check out:
    http://www.fernwege.de/d/westweg/001/index.html

  5. Ulrike

    Richtig entschieden, Hauke. Auch wenn’s ärgerlich ist. Der Schwarzwald läuft wirklich nicht weg. Auf eine Neues 2010.

    Grüße von Ulrike

  6. Roland

    Hallo Hauke,

    gute Besserung, wir sehen uns dann beim KiLL !!

    Gruß

    Roland

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