Der frubiase® SPORT blog

23. September 2009
von TanjaP

Mut zur Faulheit!

tanjapNeulich habe ich im Radio vom erstaunlichen Ergebnis einer Studie gehört. Dabei wurden Leute gefragt, wie häufig sie sich ein paar Stunden gönnen, in denen sie absolut faul sind, also neudeutsch „chillen“. Einige wenige gaben an, sich gleich mehrmals in der Woche dem süßen Nichtstun hinzugeben. 23 Prozent nannten einen Tag in der Woche, den Sonntag, als ihre Lizenz zum Faulsein. Aber, und jetzt kommt das Überraschende, immerhin 12 Prozent der Befragten schaffen es nach eigener Aussage NIE, mal sinnlos abzuhängen. Pflastern sich den Feierabend voll mit Badminton, Sprachkurs und Origami, überfrachten das Wochenende mit Kinomatinee, Gartenarbeit, Hausputz und Spieleabend.
Freizeitstress – ein Problem, das mir absolut fremd ist. Denn sonntags morgens läuten bei mir die Kirchenglocken alle zwei Wochen einen wunderbaren Gammel-Marathon ein. Nachdem mein Freund für den Hundefütter- und Gassigeh-Dienst verpflichtet wurde, kann ich ohne schlechtes Gewissen bis mittags dösen. Oder stundenlang Löcher in die Luft starren, Milchkaffee schlürfen und sinnloses Zeug denken. Zwei meiner Lieblings-Sonntagsüberlegungen: 1. Wen sollte ich als Telefonjoker angeben, wenn ich jemals bei Günther Jauch auf dem Stuhl landen sollte? 2. Was würde ich als Kandidatin beim „Perfekten Dinner“ kredenzen? Versprochen, wenn man sich zu diesen Fragestellungen ernsthaft Gedanken macht, sind ruckzuck zwei Stunden um!

Aber jetzt mal im Ernst: Warum haben so viele Leute verlernt, die Zeit einfach verstreichen zu lassen? Wieso müssen selbst am Wochenende To-Do-Listen abgehakt werden? Schließlich ist es längst wissenschaftlich erwiesen, dass Körper und Seele Auszeiten brauchen. Und zwar nicht nur im Schlaf, sondern auch beim Tagträumen. Neurobiologen stellten fest: Nur wenn wir unserem Gehirn ab und zu bewusst einen Leerlauf gönnen, verfestigen sich gelernte Informationen und entsteht wieder Raum für neuen Wissenshunger. Ein Fakt, den man chronisch rastlosen Mitmenschen dringend unterbreiten sollte. Wer eine weitere Erlaubnis zum gelegentlichen Faulsein braucht, bitteschön: US-Forscher attestierten bequemen Menschen kürzlich einen Mangel des Neurohormons Orexin A. Dadurch liege der Aktivitätsdrang genetisch bedingt einfach niedriger. Falls mich jemand nächsten Sonntag also zu Prosecco-Brunch, Museumsbesuch oder Bergwanderung überreden will – keine Chance! Mein Orexin A-Pegel macht da einfach nicht mit…

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2 Reaktionen zu „Mut zur Faulheit!“

  1. Hannes

    To-Do-Listen gehören für mich dazu – immer. Aber ohne zeitlichen Bezug. Wenn ich auch am Wochenende etwas schaffe, ist das schön. Trotzdem muss auch immer Zeit zum Faulsein sein – egal an welchem Tag. Wenn ich die Pause brauche, nehme ich sie mir für eine Stunde.

  2. Farmin Gorerunner

    Du sprichst mir aus der Seele!
    Ich sage immer: mein Optimalzustand wäre, wenn ich mal nicht wüsste, was ich tun sollte… aber das Wörtchen “wäre” ist das Problem, es kam in den letzten Jahren so gut wie nie vor…
    Wenn Papa unter der Woche seine Auszeiten fürs Laufen nimmt, dann darf man ihn ja auch am Wochenende fordern, da ist dann nichts mit “dösen”, aber ok, das ist ja dann auch schön.

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