Der frubiase® SPORT blog

4. September 2009
von Thomas Ehmke

The North Face Ultra-Trail du Mont Blanc oder ein langer und harter aber schöner Traum!

Ein Freund hat mich noch letzte Woche daran erinnert, dass ich schon vor Jahren mal vor hatte den UTMB zu laufen. Das war lange bevor ich wusste, was es bedeutet mehr als einen Marathon zu laufen oder erst recht länger als 24 Stunden durchzulaufen. Mit genau diesem Gedanken stehe ich nun in Chamonix du Mont-Blanc mit ca. 2300 anderen Läufern am Start und werde beschallt von Partymusik und Anfeuerungen der Schaulustigen …. Noch 9 Minuten bis zum Start.

montblanc1Aber nun mal von Anfang an: Am Mittwoch mache ich mich ziemlich kurzfristig mit einem Freund und dessen Wohnmobil auf zum Mont-Blanc. Mein eigentlicher Fahr- und Laufpartner ist leider krank geworden, was wirklich sehr schade ist, denn es ist auch sein großer Traum gewesen. So geht es fast in einem Rutsch an den Genfer See, an dem wir die Nacht verbringen. Am nächsten Tag geht es weiter nach Frankreich und mit ein bisschen Sightseeing verbringen wir den Vormittag. Wir erklettern noch den letzten Berg, um uns einen ersten Eindruck zu verschaffen. Über meinen Kopf ist ganz leicht der Weg zu erkennen, der sich nach oben zum Gipfelkamm schlängelt. montblanc2Der Aufstiegsweg sieht fast auf der ganzen Strecke so aus, steinig von kleinen Flüsschen durchzogen und an besonders steilen Stellen mit Leitern gesichert.

Nachdem ich mein Zimmer im Hotel dann bezogen habe, gehen wir uns anmelden, lassen die Rucksäcke registrieren und zeigen unsere Pflichtausrüstung vorzuzeigen vor. Das ganze wird bei uns Deutschen gegenüber den Franzosen sehr einfach gehandhabt. Wir müssen nur unterschreiben, dass wir es dabei haben und fertig. Danach geht es los noch was zu essen besorgen und dann heißt es den Abend rumbringen. Man merkt wie klein die Welt doch ist: Unter den 94 deutschen Teilnehmern sind viele, die ich schon von anderen Wettkämpfen kenne. montblanc3So auch Florian Bechtel und Andreas Petruck mit denen ich kurz entschlossen noch viele Stunden verbringen sollte. Nach einer eher kurzen Nacht durch die Aufregung bedingt, ziehe ich aus meinem Hotel aus und bei Florian und Andreas auf dem Campingplatz ein. Wir fahren zusammen zu 14 Uhr zur Pasta-Party nach Chamonix. Es ist schönster Sonnenschein, obwohl der Mont-Blanc sich in Wolken hüllt. Um 18 Uhr geht es dann fertig ausgerüstet an den Start mit 2300 anderen Teilnehmern. Wir werden wie oben schon erwähnt mit Conquest of paradice beschallt. Das ist die eigentliche Hymne des UTMB was sehr passend ist, denn hier wird jeder Läufer gefeiert wie ein Held.

montblanc4Am Start: Ich starte, weil es in ca. 2 Stunden dunkel wird gleich in einem Energie Accumlator Shirt mit langen Armen, Spykern und einer dreiviertel langen Running Pant. Das sollte mich gegen die Kälte der ersten Nacht gut rüsten. Für die eventuell noch anliegende zweite Nacht gibt es ja noch die Regenjacke, das Buff und die Handschuhe aus der Pflichtausrüstung. An den Füßen trage ich die Terroc 330 für mehr Grip und stylische Gaiter in Geparden Farben. An Wasser kann ich wenn es drauf ankommen sollte maximal 4,5l mit mir rumtragen, was aber besser nicht der Fall werden sollte. Denn dann wird es schwer werden mich noch schnell fortzubewegen.

montblanc5Und …. dann kommen die letzten 10 Sekunden, die zählen alle Läufer zusammen mit. Es sind Läufer aus fast allen Länder der Welt am Start. Und schon geht es los. Wir drängen uns alle zur Startlinie, an Laufen ist nicht zu denken. Das bleibt auch für die nächsten 500m durch den Ort Chamonix so. Wir werden gefeiert wie die beim Auszig der 300 Spartaner aus Sparta im Kampf gegen die Persier. Aber irgendwann ist dann Platz und alle laufen los als wäre es ein Stadtmarathon und kein 100 Meilen Berg-Ultra. Naja, ich trabe also mit, mal schauen wie lange das geht.

Les Houches (8,0km., 1012Hm) Alles geht mit Stöcken auf den Berg an Laufen ist aufgrund der Steigung gar nicht zu denken. Ich denke nur: Das ist erst der erste von insgesamt elf Bergen. Das kann ja heiter werden. Die Herzfrequenz liegt bei einer Auslastung von 90%. Ich muss das Tempo rausnehmen.

montblanc6Ich überquere La Charme (14,9km, 1799Hm) und die Sonne geht sehr schnell unter, sodass ich im Dunkeln in Saint Gervais (21,0 km, 807 Hm) ankomme. Mein langarmiges Oberteil wärmt mich so gut, dass ich mich nicht wie die anderen Teilnehmer umziehen muss, sondern mich in aller Ruhe verpflegen kann. Dann geht es weiter über Les Contamines (30,9 km, 1160 Hm) und La Balme (38,9 km, 1706Hm) auf den Col du Bonhomme (42,5 km, 2329Hm) montblanc7.Der Aufstieg ist nicht nur durch die Unwegsamkeit und Dunkelheit erschwert, sondern auch durch dichten Nebel mit leichtem Nieselregen. Aber es ist immer noch nicht so kalt, dass ich eine Regenjacke brauche. Später berichten mir Mitläufer, dass wir nur noch 5 Grad Celsius hatten. Ich hab es nicht gemerkt. Wobei mir die Anstrengung anzusehen ist!

montblanc8Refuge de la Croix du Bonhomme (44,4 km, 2433Hm) Der Weg war durch den Nebel nur noch durch die Rufe und Leuchten der Helfer zu finden. Ohne Sie wären die Streckenmarkierungen nicht mehr zu erkennen gewesen. Ich möchte gar nicht wissen, wie oft ich vor einem Abgrund gestanden bin. Dann geht es wieder abwärts. Ich werde immer wieder von Italienern und Franzosen überholt, die den Berg hinablaufen als wäre unten schon das Ziel.

Les Chapieux (49,8 km, 1549Hm) Dort im Zelt sehe ich Andreas das letzte Mal. Er erzählt mir, dass es ihm vom Kreislauf nicht gut geht und er langsamer machen muss. Er meint, es wäre nicht sein Tag. Nun ja ich sag er soll warten der morgige wird bestimmt besser :-) Etwas Humor schadet ja nie. Wir verabschieden uns mit wir sehen uns … naja leider erst im Ziel wieder!

Col de la Seigne (60,1 km, 2516Hm) Der nächste Gipfel ist im Nebel erklommen. Bei diesem Aufstieg hatte ich das Gefühl er würde nie enden und es könnte auch der Everest sein. Bin mir nicht mehr sicher, ob Bergauf mehr Spaß macht mit Sicht auf den Berg oder ohne. Es wird bergab langsam wieder hell und sehr windig. Kurz vor der nächsten Verpflegungsstelle ist das Massiv des Mont-Blanc schon von hinten zu sehen. Was für ein Anblick! Nun geht es schnell weiter über noch ein paar kleinere Berge bis zu einem echt steilen Trail, der wohl eigentlich ein Wanderweg ist, nur wer wandert denn so etwas? Naja, die Franzosen sprinten mal wieder ins Tal es geht auf Courmayeur zu.

montblanc9Courmayeur (77,5 km, 1190Hm) Dort angekommen habe ich das erste Mal richtig dicke Beine und sie versagen mir das erste Mal den Dienst beim Laufen. Ich habe einen 4 Stunden Abstand auf den Cut-Off herausgearbeitet. Ich verpflastere meine Blasen, esse Nudeln und ziehen mein kurzärmeliges Shirt an. Danach geht’s weiter, meine Pause ist damit ca. 20 Minuten lang gewesen.

Arnuva (94,2 km, 1769Hm) von dort aus steigt die Strecke nur noch an bis auf den höchsten Punkt des Trails. Meine Beine wollen eigentlich nur Ruhe statt ständig rauf und runter. Und rauf wollen sie jetzt gerade mal gar nicht mehr. Also quäle ich meine Körper nach oben.

Grand Col Ferret (98,8 km, 2537Hm) Oben angekommen herrscht ein eisiger Wind und schon wieder Nebel, sodass ich mich schnell von meinem Shirt trenne und in mein wärmendes langes Oberteil schlüpfe.

montblanc10La Fouly (108,1 km, 1593Hm) Endlich wieder im Tal! Es wird langsam schon wieder dunkel und nach einem kurzen Zeit in einem Verpflegungszelt stelle ich fest, dass ich ziemlich friere und meine Regenjacke muss jetzt als Kälteschutz herhalten, Handschuhe und Mütze ebenso. Leider muss ich auch feststellen, dass meine Beine nicht mehr so recht laufen wollen. Also ist schnelles Gehen mit Stöcken angesagt. Es geht auf einer angenehmen Strecken mit wenig Höhenmeter durch dunkle Orte in Richtung Champex. Das Schöne an diesen Orten ist, dass auch dort noch Bewohner auf der Straße sind, die die Läufer feiern als wären sie die größten Helden. Ein tolles Gefühl!

Champey-Lac (122,8 km, 1477Hm) Hier ist der UTMB zugleich auch ein großes Volksfest. Verpflegt werde ich in einem 500 Personen Zelt mit super Essen und reichlich Kaffee. Im nach hinein weiß ich warum, die Läufer gerade hier so gefeiert werden. Jetzt kommt nämlich der Berg Bovine, der heimlich König des UTMB.

Bovine (132,0 km, 1987Hm) Der Aufstieg war sehr schwer. Für die 3,5km brauche ich fast 5 Stunden. Es ist als wären auf 2,5m Breite wahllos Steine gestapelt worden. Keiner kleiner als 1m im Durchmesser. Das ganze fast gerade immer nach oben. Um andere Läufer sehen zu können, muss ich ständig den Kopf heben was dazu führt, dass mir letztendlich übel wird. Von der Anstrengung und Müdigkeit mal ganz abgesehen. Oben am Verpflegungspunkt schlafe ich dann im Stehen mit Kaffeetasse in der Hand ein. Wache aber rechtzeitig vor dem Aufschlag auf dem Boden wieder auf :-)

Runter vom Bovine nach Trient geht es dann wieder richtig gut. Die Beine haben sich erholt und trotz des schweren Abstiegs des Trails bin ich schnell in Trient. In Trient mache ich ca. 5 Minuten Pause und dann geht’s gleich weiter. Wenn unter den letzten zwei Bergen noch so einer kommt, hab ich ein Problem mit dem Zeitlimit. Also weiter! Der nächste Berg geht super ich überhole sehr viele andere Läufer. Oben holt mich leider die Müdigkeit wieder ein und ich trabe hinter den anderen wieder ins Tal nach Vallorcine. Dieser Abstieg macht mir sehr zu schaffen mein linkes Schienbein schmerzt und die Oberschenkel wollen nicht mehr bergab laufen.

Vallorcine (147,7 km, 1260Hm) Dort angekommen, heißt es für mich nur noch schnell verpflegen und bloß weiter nicht wieder kalt werden oder noch müder. Ein Berg noch, der Körper läuft auf Notstrom und der Kopf will nur noch fertig werden.

Ich schaffe die Strecke zum Fuß des Berges in 20 Minuten und beginne mit dem letzten Anstieg und quäle mich hinauf. Oben angekommen geht der Trail gleich wieder runter und ins Ziel sind es noch vier Kilometer– schwerster Trail mit Riesen Stufen. Mein Schienbein will nirgends mehr runter. Die Sonne brennt sehr heiß und ich habe das Gefühl, dass mein Kopf kocht. Auch Wasser drauf kippen hilft nicht so ganz. Dann endlich stehe ich in La Flegere (158,7 km, 1877Hm) Es geht nur noch 7 Kilometer hinab ins Tal. Aber auch hier heißt  es nicht locker auslaufen. Es geht noch mal richtig zur Sache. Wurzeln, Steine, Stufen, Kies alles was Spaß macht nur nicht wenn der Körper schon 42 Stunden unterwegs ist.

Chamonix (165,8 km, 1035Hm) Ich laufe in Chamonix ein überall Menschen, die klatschen. Doch die Strecke ist nicht mehr erkennbar, oder ich bin einfach zu müde. Ich werde durch die Straßen gelenkt bis ich das Ziel endlich sehe. Ich bin da!

Nach 42 Stunden und 42 Minuten komme ich als Platz 860 durch das Ziel. Am Telefon heule ich erstmal meiner Freundin und meinen Eltern was vor, die zu hause die Nächte am PC verbracht haben und mitgefiebert haben. Ich bekomme meine Finisher Weste und ein  Traum geht in Erfüllung. Ein harter aber schöner Traum war das.

montblanc11Ich stelle im ersten Moment für mich fest: Das mache ich nie wieder ….. naja erstmal nicht …. vielleicht ….

So und jetzt werde ich mich erstmal erholen und ordentlich auskurieren, es kann sich vermutlich keiner vorstellen wie sich mein Körper am nächsten Tag angefühlt hat.

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12 Reaktionen zu „The North Face Ultra-Trail du Mont Blanc oder ein langer und harter aber schöner Traum!“

  1. Ehmke, Hans- Joachim

    Hier schreibt Dein Vater.
    Ich bin sehr stolz auf Dich, mein Sohn, der sich einen Traum erfüllt hat.
    Die Strapazen und die Schmerzen werden schnell vorbei gehen, aber der Traum ist Realität und bleibt für ein Leben lang in Erinnerung.
    Liebe Grüße
    Dein Vater

  2. Hauke

    Ich kann erahnen, wie sich dein Körper angefühlt hat. Aua-aua! Danke für den echt superguten Bericht.

  3. Carsten A.

    well done!

  4. Claas

    Hut ab! Leider habe ich mir mein Jahr 2010 schon verbucht, aber die Geschichte macht Lust aufs Umbuchen.

    Claas

  5. Gudrun Mysch

    Viele liebe Grüße von Deiner Tante aus SH . Ich bewundere Dich und bin echt sehr, sehr stolz auf Dich. Hut ab !!! Hoffe immer noch das Du mal zu mir nach Hause läufst ……. lach

  6. Felix Much

    Thumbs up!
    Ich hab nichts anderes von dir erwarte und der Bericht ist klasse.

    Auf bald

  7. Ingo

    Genial. Respekt und Hut ab! Musste den Bericht zweimal lesen, um es zu glauben. Ingo

  8. Ingmar

    Daumen hoch, Thomas!
    Ich kann mir vorstellen, wie Dein Körper sich fühlt, habe mich Sa. den Brocken hochgequält ;-)
    *duckundwech*

  9. Carsten Pape

    Moin mein Lieber,
    meinen aller größten Respekt für diese Leistung!
    Ich kann mir nicht vorstellen wie dein Körper sich angefühlt hat, denn den einzigen Sport den ich betreibe ist Rennrad fahren und da fahre ich jedes Jahr so knapp 4000 Kilometer.
    Also kein Vergleich!
    Schön das dir unsere Musik geholfen hat, die Strecke durch zu stehen.
    So weiß man wenigstens warum man Musik macht!
    Mach weiter so!!
    Pape

  10. Michael

    Respekt Thomas.

    Einfach nur Respekt.

    Beim nächsten Langen erzählst du mehr.

  11. JoggerBlogger » Blog Archive » Links der Woche

    [...] The North Face Ultra-Trail du Mont Blanc oder ein langer und harter aber schöner Traum! [...]

  12. Eric Tuerlings

    Hallo Thomas,

    ein Gruss von einem Niederlaender. Wir haben uns mehrmals auf der Strecke getroffen. Herzlichen Glueckwunsch zu Deiner Superleistung. Da wirst Du noch oft an zurueckdenken. Der UTMB ist nun wirklich kein Pappenstiel. Danke fuer Dein Bericht. Das hat mich auch sehr gut gefallen.

    Wahrscheinlich bist Du jetzt auch “suechtig” :-)

    Gruss,
    Eric

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