9. Oktober 2009
von Axel
Das Wunder vom Schwarzenstein – oder warum man nicht nur beim Marathon ein Zugpferd braucht…
Kommendes Wochenende ist München-Marathon und ich bin leider nicht dabei. Wobei von „leider“ ja eigentlich keine Rede sein kann. Schließlich hat es jeder selber in der Hand, ob er im Sommer trainiert oder nicht. Ich war auf jeden Fall mehr in den Bergen unterwegs und habe hier erstaunliche Parallelen zu einem Marathon festgestellt. Denn: Für eine ernsthafte Bergtour und für einen Marathon braucht man Ausdauer, Willensstärke und ein Zugpferd…
Vor wenigen Wochen bin ich mit ein paar Freunden ins Zillertal gefahren, um dort eine Gletschertour auf den Schwarzenstein zu machen. Der Aufstieg zur hotelähnlichen aber doch gemütlichen Berliner Hütte war problemlos und so sind wir am nächsten Morgen guten Mutes und bei gutem Wetter zum Gipfelaufstieg aufgebrochen. Leider, leider verschlechterte sich das Wetter und somit auch meine Stimmung zunehmend – wie von Teufelshand postiert, machte sich eine riesen Wolkenfront rund um den Schwarzenstein breit.
Nach ca. ¾ des Aufstiegs waren wir dann mitten in den Wolken und mit grade mal 50 m Sicht in der weißen Hölle angekommen. Mehr oder weniger orientierungslos sind wir einer Spur einer anderen Gruppe hinterher gestapft – von einem Gipfel war weit und breit nichts zu sehen. Nach einigem hin und her und angestrengten Versuchen den eigenen Standort zu bestimmen, kam uns wie aus dem Nichts ein einzelner Bergsteiger entgegen. Es war ein Italiener, der von einem anderen Tal aus Südtirol aufgestiegen war. Wenn sich ein Italiener und Deutsche auf einem Berg treffen und keiner die Sprache des anderen spricht, dann verständigt sich man mit Händen und Füßen, ein bisschen gebrochenem Spanisch und viel Schulterzucken. Trotzdem waren wir uns schnell einig, dass wir alle ein gemeinsames Ziel hatten – den Schwarzenstein. Glücklicherweise war dieser wohl so etwas wie der Hausberg des Italieners, denn er führte uns die nächsten 40 Minuten kreuz und quer aber doch zielsicher durch das Wolkendickicht, bis wir dann mehr oder weniger plötzlich auf dem Gipfel standen. Die Aussicht war zwar nicht überragend – alternativ hätte ich mich auch Zuhause vor eine weiße Wand stellen können – aber die Freude den Gipfel trotz allem erreicht zu haben, war umso größer.
Dem namenlosen Italiener aus dem Nichts sei Dank! Er kam als die Motivation am Boden war und war unser Zugpferd aus einer – im wahrsten Sinne des Wortes – aussichtslosen Situation.
Ich möchte sagen, so eine Tour ist doch um einiges mehr wert, als ein läppischer München Marathon
Schöne Geschichte.
Ich mag den Berg und seine Schönheit und Ruhe.
Wunderschöne Bilder hast Du geschossen, gefallen mir echt gut.
Lieben Gruß
@ Nina: Ja, die Tour ist richtig schön und fern ab von jedem Rummel. Wir waren an einem Samstag – bis auf unseren Italiener – komplett allein unterwegs und am Sonntag war auch nur eine Gruppe auf dem Berg. Ich hoffe ich zerstöre den Geheimtipp nicht durch diesen Blog-Beitrag
@ Hannes: Also einen Marathon will ich nicht jede Woche laufen, aber die Berge haben immer ihren Reiz…:-)