Der frubiase® SPORT blog

19. November 2009
von Jose Aguilar-Riedl

Klappe die dritte

joseAguilarRich grüße Euch, wie die Sonne den Morgen. Einige von Euch kennen mich vielleicht schon von den Läufen 2008 und 2009 in der JVA.
Ich bin seit 37 Monaten mit 5-monatiger Unterbrechung wegen Beschaffungskriminalität inhaftiert. Meine Inhaftierungen wurden zu 99 % durch die Begleitumstände – jahrzehntelange Opiatabhängigkeit – ausgelöst. Durch die lange Abhängigkeit ist mein Belohnungssystem, also die körpereigene Ausschüttung von Glückshormonen, gestört. Um das zu erhalten, was die Droge mir gab, brauche ich also ein externes Belohungssystem.
Der Drang mich zu bewegen, den brachte ich in einem großen Beutel mit auf die Welt – Fußball, Tischtennis, Krafttraining. Ein Marathonläufer hat auf mich eine magische Wirkung, die mich fasziniert. Er ist für mich eine Mischung aus Jerry Lewis und Sebastian Coe. Ich liebe es, verrückt zu sein, und trotzdem würde ich gerne mein Leben vernünftig gestalten können.
Bevor ich zum Laufen etwas erzähle, möchte ich gerne unsere Sportübungsleiter mit Lob überschütten. Sie haben es in Zusammenarbeit mit Dieter Bremer erst möglich gemacht, dass hier in der JVA 2010 zum 4. Mal ein Marathon durchgeführt werden kann. Ich ziehe meinen Hut – Respekt!
Der Marathon hier in der JVA ist für uns eine doppelte Herausforderung. Ich weiß nicht, ob Ihr Euch das vorstellen könnt, ein halbes Jahr lang, viermal die Woche eine Strecke von 630m zu laufen – angefangen mit 8 km bis hin zu 32 km. Für die Augen verändert sich während der ganzen Strecke dabei so gut wie gar nichts.
Das Laufen lässt mich, auch wenn es oft schwer fällt diszipliniert ins Training zu gehen, für ein paar Stunden vergessen, wo ich bin! Das Laufen befreit Geist und Seele. Die Monotonie des Haftalltags hat eine sehr beklemmende Wirkung. Wenn man sich diesem Gefühl nicht ausliefern will, ist man gezwungen, den Tag immer wieder individuell zu gestalten. Apathie und Verblödung ist hier Tagesgeschäft, falls man nicht selbst aktiv wird.
Mit freudiger Ungeduld arbeite (trainiere) ich nun meinem 3. Marathon entgegen. Der Wettkampf an sich ist für mich das Highlight des Jahres 2010, da es definitiv mein letzter in Haft sein wird (Hoffnung).

Ciao Jose

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2 Reaktionen zu „Klappe die dritte“

  1. Hannes

    Hallo Jose, besonders deine Vorgeschichte finde ich interessant, dass das Laufen für dich das neue Belohnungssystem darstellt. Für dich hat es nun schon zweimal geklappt und das wird es auch im kommenden Jahr – ein Highlight ist es aber selbstverständlich wieder.

    Alles Gute für dein Projekt!

  2. Klaus

    Hallo Jose, schön zu hören wie dir das Laufen hilft! Das Laufen ist auch draussen ein guter Lebenshelfer und macht einfach unglaublich viel Spaß. Deshalb: Unbedingt am “Ball” bleiben. Ich drücke dir die Daumen!
    Klaus

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