25. November 2009
von Hauke König
Le Kill 50
Wie auch schon vor einem Jahr nahm ich auch 2009 am Kill 50 teil. Ein lauschig-fluffiger 50 Meilen (80km) Nachtlauf durch das Mittelgebirgsland im Hildesheimer Wald. Auf feinen und teils morastigen Trails. Es sind im Prinzip drei verschiedene Runden zu laufen. Die ersten beiden sind 25km lang, die dritte Runde 30km lang. Die Läuferinnen und Läufer passieren zweimal die Versorgungsstelle in Sibbesee
Veranstalter Michael Neumann hatte es sich wieder einmal nicht nehmen lassen das Ganze mit viel Herzblut und Sinn für Details zu organisieren. Und wahrscheinlich hat er damit auch sein komplettes Umfeld in den Wahnsinn getrieben ![]()
Aber von Vorne.
Ich habe es endlich einmal geschafft bei einer Laufveranstaltung so anzureisen, dass ich tatsächlich genug Zeit zum Umziehen hatte und die Lage peilen konnte. Viele der Teilnehmer kenne ich, andere machen mich darauf aufmerksam, dass wir im kommenden Jahr noch andere Läufe gemeinsam bestreiten werden. Auch die Helfer sind allesamt alte Bekannte und mit Leuten wie Hansi Köhler, Michael Eilers und Jochen Kruse, die selbst routinierte Ultraläufer sind, hat man Leute dabei, die wissen, worauf es ankommt.
Um etwa 16.00 Uhr gibt es ein Briefing, in dessen Verlauf wir noch einmal vor den unwirtlichen Umständen des Laufen, den Wildschweinen, der teilweise mutwillig zerstörten Kennzeichnung der Strecke und vielem mehr gewarnt werden. Also: Obacht! Jeder der Teilnehmer bekommt eine topografische Geländekarte und muss die Pflichtausrüstung vorzeigen. Kompass, Ersatzbatterien, ausreichend Flüssigkeit, Rettungsdecke, Telefon, Fax, Waschmaschine.
Um 17.00 Uhr stapft dann ein etwa 2,30m großer Sensenmann zur Startlinie, lässt ein heiseres „Auf dass der Bessere gewinne!“ von sich und schwingt die Sense. War das jetzt schon das Ende? Ich warte ein bisschen darauf, dass alle jetzt umfallen und nur so durchscheinende Geister loslaufen, aber nix da. Start!
Ich halte es wie sonst auch. Ich laufe mit Thomas Ehmke. Nach 17 Kilometern verstehe ich Thomas so, als wolle er die beiden Läufer vor uns überholen. Ok. Ich ziehe vorbei und gebe mal ein paar hundert Meter Gas. Aber hinter mit kommt kein Thomas. Dann taucht etwa 60-80 Meter vor mir eine Stirnlampe auf. Hä? Wie hat er das jetzt gemacht. Oder habe ich mich verlaufen? Egal. Hinterher. Und als ich endlich bei dem Läufer bin, den ich für Thomas halte, stelle ich fest: Ich habe mich vertan. Das ist Jan Ziegler aus Kiel. Und er ist schnell. Zu schnell für mich in diesem Rennabschnitt. Ich lasse ihn ziehen und drossele mein Tempo. Eigentlich in der Erwartung, dass Thomas wieder zu mir aufschließt, aber irgendwie ist er nicht zu sehen. Bei der ersten Verpflegungsstation bei Kilometer 25 stelle ich dann fest, dass nur zwei Leute vor mir sind. Huch, was ist mit mir denn los? Ich halte mich nicht lange auf, trinke eine Gemüsebrühe und schwirre ab. Jetzt werden die Berge härter, die Anstiege fieser und die Trails matschiger. Im Nachhinein fällt mir auf, dass ich keine Sekunde daran gedacht habe, dass ich gerade mutterseelenallein nachts durch einen fremden Wald laufe. Ich war, glaube ich, einfach zu konzentriert darauf die Markierungen nicht zu verfehlen und gleichzeitig auf Löcher oder Äste auf dem Boden zu achten und nicht zu stürzen. Gut so. Irgendwann stelle ich fest, dass meine Trinkblase leer ist. Shit, ich hatte sie in Sibbesee nicht richtig voll gemacht. Und wie aus dem Nichts tauchen in genau diesem Moment mitten im Wald zwei Autos auf. Hansi und Jochen. Und sie haben Getränke dabei. Manchmal ist es wirklich schon beinahe unheimlich wie gut Dinge funktionieren können. Die weiteren 16 Kilometer nach Sibbesee vergehen wie im Flug. Ich genieße die Nacht und den Lauf. Drei Läufer überholen mich noch und dann kommt auch schon wieder die Verpflegungsstation in Sibbesee auf mich zugeflogen. Ich betrete das Zelt und Thomas steht vor mir und schaut äußerst erstaunt. Ich glaube ich auch. „Was machst du denn hier?“ entfährt es uns gleichzeitig. Ich hätte doch vor Thomas sein müssen, oder ihn wenigstens beim Überholen sehen müssen. „Also ich kenne mich hier aus. Ich verlaufe mich hier nicht!“ meint Thomas zu mir. Ok, dann habe ich mich vielleicht aus Versehen mal kurz verlaufen und bin dann aber wieder auf die richtige Strecke zurück. Auch aus Versehen. Mmhh… Na dann hab ich ja echt noch mal Glück gehabt. Thomas läuft gleich weiter und ich bleibe noch im Versorgungszelt, um eine Gemüsebrühe zu trinken und meinen Tankrucksack zu befüllen. Die nächsten 30 Kilometer werden die härtesten in dieser Nacht und so werde ich von den umstehenden Versorgern nett, aber bestimmt wieder auf die Strecke heraus komplimentiert. Danke Jungs, echt nett! Für mich heißt es ab jetzt: Locker bleiben, mellow, ankommen, keine Ambitionen. Und so mache ich es auch. Es geht weitere teilweise wirklich harte 30 Kilometer über Stock und Stein, weitere drei Läufer überholen mich mit einem Tempo, dass ich mich wundere, weshalb sie nicht schon seit Stunden im Ziel sind. Ich mache mir mal gaaaaaar keinen Stress und dehne meine Gehpause aus. Auf einer Anhöhe steht sogar ein Gipfelkreuz mit einem Holzkasten daran, in dem ein Gipfelbuch steckt. Ich trage mich ein: „08.11. 2009, 01.50 Uhr Kill50, noch 16 Kilometer. Hauke“ Oder so ähnlich. Genau vor einem Jahr wehte hier übrigens ein ganz fieser, eiskalter, schneidender Wind. Diesmal ist es eher mild und windstill. Und weiter, locker, mellow, easy going. Bei Kilometer 70 kommen zwei weitere Läufer an mich heran. Kein Wunder, denn die laufen. Es sind Elmar Chriske und Andreas Poot. Sie ziehen mich noch bis etwa 2 Kilometer vor dem Ziel mit, über teilweise echt abenteuerliche Strecken. So, jetzt noch ein letztes kleines Hügelchen, dann rechts und nach etwa 150 Metern bin ich im Ziel. Aber da kommt nichts. Auch die Reflektoren an Bäumen fehlen. Bestimmt hat Michael Neumann sich gedacht, dass so kurz vor dem Ziel nichts mehr schief gehen kann und sich das Kennzeichnen der letzten Meter gespart. Oder er wollte allen noch mal schön einen Streich spielen…nach 80 Kilometern Trail… Danke. Ich bin dann nach etwa zehnminütigen „Imwohngebietrumeiern“ doch noch auf die glorreiche Idee gekommen, es doch einmal mit meiner Karte zu versuchen. Uns zack: Peinlich! Ich bin direkt vor dem Ziel noch mal eine …ähh… nennen wir es mal „Ehrenrunde“ gelaufen. Ich hätte hinter dem letzen Hügel ja auch links herum laufen können, wie es die anderen auch gemacht haben. Aber wisst ihr was? Das habe ich gar nicht nötig. Ankommen wird überbewertet. Der Weg ist das Ziel und ich schreib mich hier um Kopf und Kragen.
Ach ja, auf meinem Tacho standen übrigens am Ende 82,6 Kilometer. Dazu kommen allerdings noch mindestens geschätzte zwei Klometer, weil meine GPS Batterie leer war und es nach dem Wechsel eine Ewigkeit gedauert hat, bis ich wieder Satellitenempfang hatte. Könnte also sehr gut sein, dass ich mich kurz verlaufen habe und Thomas mich in dem Moment auf der korrekten Strecke überholt hat.
Fazit: Ankommen hilft, sehr harte, aber geile Strecke, super Organisation und den „RUN2KILL“ im Mai 2010 würde ich sofort mitlaufen, wenn ich nicht anderen Verpflichtungen nachkommen müsste. Sehr empfehlenswert! Vielen Dank an alle Helfer und an Michael und Susanne.
Und hier ist der Film….
Wechsel mal dein Bild. Ich schick dir heute ein schönes von dir, direkt im Ziel.
. Irgendwas muss ich aber noch ändern. Ich scheine noch nicht fies genug zu sein. Wollt ja alle wiederkommen, mich weiter belästigen und um den Schlaf bringen. Nächste Jahr lasse ich die Strecke fluten und es gibt keinen Ultrabuffer mehr. Ich glaubs ja nicht.
“Netter” Bericht
run2KiLL andere verpflichtungen???
Na warte die Hammelbeine werde ich dir langziehen wenn du nicht kommst.
Nachtrag.
Der run2KiLL ist der wahrscheinlich schwerste Lauf in der Sixpackserie. Da musst Du aber schon ne gute Ausrede und wirklich wichtige Verpflichtungen haben. Mir fallen da nur “spontanes erlöschen der Sonne” und “Anwesenheit bei der eigenen Beerdigung” ein.
TTdR230!
Darf ich dich daran erinnern das die TTdR und der run2KiLL nicht am gleichen Woende stattfinden? Ich weis das ich habe die Termine mitgeplant und die Abstimmung der einzelnen Läufe
plumper Versuch.
Jaaaaa. Naaa guuut. Ich komm ja…wenn`s unbedingt sein muß…
War doch eh verabredet. Aber ich lauf auf keinen Fall 160k, sondern supporte die anderen.
“Ankommen wird überbewertet” – Recht hast Du!! Der Weg und das “wie” zählen viel mehr!!
Schöner Bericht und schöner Film übrigens!!
schau mal auf das Foto des Monats DUV Homepage
Takel. Was nutzt der Weg und das Ziel wenn du nicht ankommst.
Die feine Ironie übersehen??
Paar Tage her – und dann finde ich durch Zufall deinen Bericht und dein Video. Schön, es aus deiner Sicht noch einmal gesehen zu habe. Danke!
[Propellerhead]