Der frubiase® SPORT blog

8. März 2010
von Carsten Alfred Mattejiet

100 Kilometer und 100 Meilen im Regen


Es ist Freitagabend und es regnet wie aus Eimern. Die Stimmung sinkt auf ein Minimum, die Hoffnung auf einen trockenen Lauf ist gleich Null. Bei jedem Trinkbehälter, den ich koche und in das Zelt bringe, werde ich bis auf die Haut nass, obwohl der Weg bis zum Zelt keine zehn Meter beträgt.
Immer mehr Läufer trudeln ein, fast alle verstehen, warum das Zelt dort steht – zum Umkleiden, als Depot und für die Verpflegung der Läufer. Hier liegen die verschiedensten Sorten an Frucht-,  Müsli-  und Schokoriegeln. Später wird meine Frau belegte Brötchen und Kuchen servieren, in den frühen Morgenstunden wird frisch gebrühter Kaffee hinzukommen.
Doch die Stimmung kurz vorm Start ist nicht euphorisch, was auch an der Tageszeit liegen mag :) Der Regen verdirbt uns irgendwie die gute Laune. Einige Aktive kennen sich und sind schon Dauergäste hier bei uns. Sie kennen das Prozedere und wissen auch: Mein Haus ist Tabu. Das sollte auch selbstverständlich sein zu dieser späten Stunde. Unsere kleinen Kinder gehen zwischen 19 und 20 Uhr zu Bett, danach soll einfach kein Fremder zu uns ins Haus kommen. Doch immer wieder gibt es Sportler, die meinen mit dem Startgeld alle Rechte erkauft zu haben. Ein Sportfreund musste sogar zweimal aufgefordert werden das Startgeld zu begleichen. Das  ist mir unverständlich und unangenehm,  denn auch ich muss ja Rechnungen begleichen.

Für diesen Lauf haben wir vier verschieden Sorten Getränke bereitgestellt und mit frubiase SPORT Ausdauer auch wieder ein hochwertiges Produkt für die Läufer im Angebot. Es sollte schließlich bei dem 100 Meilen Lauf und dem 100 Kilometer Lauf an nichts fehlen. Meine Tochter verabschiedet uns auf die Strecke, die ich Tage vorher mit Flatterband (mit reflektierendem Aufkleber versehen) und Meilenschilder deutlich markiert hatte, mit dem Lied der alten Moorhexe. Fast alle sind mit der Auszeichnung der Strecke zufrieden, nur ein Sportler empfindet die Markierung als unzureichend und spärlich. Aus meiner Sicht gibt es aber keiner Stelle an der man sich verlaufen könnte, da die Strecke zu überwiegenden Teilen aus langen Geraden besteht.  Wieder sind auch einige Novizen am Start. Klar, die Bedingungen sind ja auch gut  – alle 8,1 Kilometer eine Verpflegung. Doch wer hier Luxus erwartet, wer hier mit Unterhaltung mit Musik rechnet, der ist völlig fehl am Platz, denn hier geht es ausschließlich um die Strecke – back to the roots also.
Schon am Start haben sich fast alle mit dem Streckenplan vertraut gemacht. An den Depots liegen Blätter (wasserabweisend natürlich), um die genauen Durchgangszeiten zu notieren. So wie das bei vielen 100 Meilen Läufen üblich ist. Mit Schwung startet das Feld. Die erste Meile verläuft durch das Dorf Trupe. Auch hier hat der Winter seine deutlichen Spuren im Straßenbelag hinterlassen. Beim Sylvester-Lauf lag hier noch glatter Schnee auf der Fahrbahn, jetzt sind es große Pfützen. Da gilt: Augen auf im Straßenverkehr! Den ersten Kilometer laufe ich in 5:49 min/km, den zweiten in 6:04 min/km. Ab da pendel ich mich bei ca. 6:30 min/km Tempo ein. Zwei Aktive ziehen ihr Tempo unaufhaltsam an, einer von beiden wird das Ziel nicht erreichen, der andere, Christian Stolovitz aus Österreich wird der spätere Sieger sein.
Bei diesem Lauf gab es viele Ausfälle, viel mehr als ich erwartet hatte. Der Wind, mit 5 bis 6 Windstärken, macht allen zu schaffen. Er lässt auch 4°C anfühlen wie -9°C. Doch in den ersten Stunden der Nacht ist alles ruhig, sogar der Vollmond schaut auf uns herab.
Martin, der auf der anderen Seite der Pendelstrecke die Stellung hält, notiert von allen Aktiven die Zwischenzeit und hat für jeden ein offenes Ohr. Ein kleiner Smalltalk und schon geht’s  wieder hinaus in die dunkle Nacht. Ja,  so macht es allen Spaß. Das ist Laufen pur. Fernab von jedem „Schnick Schnack“, kein „Rumms-Tata“. Ein Sportler allerdings verabschiedet sich leider ohne ein jedes Wort von uns. Er ist einfach verschwunden. Nun denn, auf solche Teilnehmer möchte ich hier gerne verzichten, denn sie stören die Gemeinschaft. Zumindest ein kurzes Wort wäre anständig gewesen.

In den weiteren Stunden bilden sich Läuferpaare. Manche laufen die gesamte Zeit zusammen, andere halten konstant ihren Abstand. Der Sieger Michael Eilers und der Zweitplatzierte, Harald Ehlers, behalten während ihrer 100 km immer einen Abstand von 9-12 Minuten. Die Drittplatzierten, Jens Dorner und Nobert Ebbert, laufen die gesamten 100 km gemeinsam.
Der Sieger des 100 Meilen Laufs verbrachte viele einsame Stunden, doch ihn trieb eine unsichtbare Kraft an. Eigentlich wollte er in Lybien sein und  hier am Lybian Challenge –  einem 190 km Wüstenlauf durch das Akakus-Gebirge im Südwesten des Landes – teilnehmen. Dafür hatte er hart trainiert, auf dem Laufband mit zwei Winterjacken übereinander, um sich so an die Hitze zu gewöhnen. Gaddafi hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht: Allen EU-Bürgern wurde wegen eines Konfliktes mit der Schweiz plötzlich die Einreise untersagt. Der Lauf wurde abgesagt. Dies trieb ihn aber weiter an. „Ich muss, denn ohne ein erfolgreiches Finish will ich nicht nach Hause kommen. Ich werd wahnsinnig wenn ich nicht laufen kann, obwohl ich mich monatelang vorbereitet habe.“

Am nächsten Tag kämpfen auf der Strecke noch einmal 13 Aktive gegen den Wind, und das über 42,2 km! Alle erreichten das Ziel!
Da schaute zum Beginn sogar mal die Sonne durch die Wolken hindurch, bevor auch hier der Wind so richtig in Fahrt kam…

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