30. März 2010
von Franco Vitale
Hallo Leute,
wenn ihr diese Zeilen lest, dann sind wir hier im Training zum ersten Mal 03:20 Stunden am Stück gelaufen. Abgesehen von ein paar Jungs, die schon letztes Jahr am Marathon teilgenommen haben, ist diese lange Zeit mehr als nur eine Herausforderung.
Zwei, vielleicht drei von uns werden in der Lage sein beim Marathon so um die 3:20 bis 03:40 Stunden zu laufen, der Rest wird sich zwischen vier und fünf Stunden einpendeln. Aber der Zeitaspekt ist für uns, die das erste Mal einen Marathon laufen, sowieso zweitrangig. Die Motivation ins Ziel zu kommen ist jedoch genauso groß wie bei denjenigen, die sich eine bestimmte Zeit vorgenommen haben. Hinzu kommt, dass von fast 40 Insassen, die angefangen haben zu trainieren, gerade mal noch 16 übrig geblieben sind. Dies hat mehrere Gründe: Verletzung, keine Lust mehr, Verlegung in den offenen Vollzug oder gar die überraschende Entlassung. Aber die Jungs, die jetzt noch dabei sind, werden alles geben um ins Ziel zu kommen.
Jeder von uns hat genug Schweiß vergossen, hat auf Freizeit, aufs Kochen und auf andere Sachen verzichtet, um zu trainieren und jeden Tag etwas besser zu werden. Und für viele von uns ist es das erste Mal seit langer Zeit, dass man endlich etwas im Leben hat, auf das man stolz sein kann. Vielleicht kann das jemand, der draußen in Freiheit lebt nicht ganz verstehen, aber für uns hier drin bedeuten diese vier, fünf oder sechs Stunden, die wir benötigen werden, um ins Ziel zu kommen, einfach ein Stück Freiheit. Vor dem Marathon werde ich mich noch einmal melden.
Bis dahin bleibt alle gesund, die Ihr da draußen trainiert. Und wir hier drin freuen uns, dass Ihr als externe Teilnehmer beim Knastmarathon uns die Freiheit ein kleines Stück näher bringt.
In diesem Sinne, Ciao bis bald, euer Franco
Ich drücke Euch allen ganz fest die Daumen. Bleibt gesund und genießt diese Stunden der Freiheit. Und nicht nur auf das Ergebnis könnt ihr stolz sein, fast noch mehr auf den langen Weg dorthin. Denn ohne dran bleiben läuft man keinen Marathon. Dass ihr dran geblieben seid, das habt ihr alle bewiesen.
Ulrike