6. September 2010
von Thomas Ehmke
UTMB – abgebrochen!!!! (vom Veranstalter)
Ich bin mir noch nicht ganz sicher was schlimmer ist – selbst festzustellen, dass es nicht mehr weiter geht und es gesünder ist aufzuhören. Oder, ob es schlimmer ist, wenn der Veranstalter diese Entscheidung für einen übernimmt und nach 21km den mitunter schwersten Berg-Ultra-Marathon der Welt einfach offiziell abbricht. Genau das ist mir passiert. Nach 21km mit einer für mich super Laufzeit von 3 Stunden und 11 Minuten ist Schluss in St. Gervais, beim „The North Face Ultra-Trail du Mont Blanc“. Mit mir sind auch ca. 2500 andere Teilnehmer von dieser Entscheidung überrascht und geschockt.
Das Wetter ist schon am Freitag den Tag über nicht gut, viel Regen, Gewitter und Sturm. Und es wird schon gemunkelt, dass in Deutschland solch ein Lauf schon abgesagt worden wäre. Beim Start kommt die Sonne aber ein wenig raus und wir starten bei leichtem Regen. Nach circa einem Kilometer beginnt es dann stärker zu regnen, oder eher zu schütten wie aus Eimern.
So schnell, dass ich innerhalb von einer Minute durchnässt bin und sich das Herausholen der Regenjacke nicht lohnt. Ich komme mit reduziertem Anfangstempo in Les Houches an und mache mich mit den anderen daran, den ersten Berg zu besteigen. Es regnet weiterhin und auf den Wegen schießt uns das Wasser entgegen. Es ist sehr matschig. Das ist auch bergab der Fall: Es geht auf super glatten und matschigen Wegen sehr steil ins Tal. Bei Kilometer 17,5 reißt es mir die Beine weg und ich rutsche auf meinem Hintern ins Tal. Meine Mitläufer fragen auf Englisch, ob ich ein Snowboard möchte. Ich verneine, es ist alles heile geblieben – was für ein Glück. Leichtfüßig und mit guter Stimmung laufe ich in den Ort St. Gervais (21,5km) ein. Die Zuschauer stehen an den Straßen und jubeln mir zu. Ich laufe zum Verpflegungsposten und dann steht ein Franzose vor mir und sagt: Ce fini! Das Rennen ist vorbei! Ich verstehe erst nicht und lasse es mir dann auf Englisch erklären. Das Rennen ist offiziell vorbei und keiner darf weiter. Was bislang noch nie geschehen ist, ist passiert. Der UTMB wird abgebrochen. Eine Schlammlawine hat am Col de Seigne (der dritte Berg) die Strecke entfernt. Im Nachhinein erfahre ich, dass die Schneefallgrenze auf 1500Hm gefallen ist und der Sturm inzwischen eine Geschwindigkeit von 100km/h erreicht hat. Nun werden wir Läufer und Begleiter aus St. Gervais evakuiert mit Busen und Bahnen zurück nach Chamonix. Dort angekommen, erhalten wir unsere Drop-Bags, die eigentlich nach Courmangeur gebracht werden sollten, eine warme Mahlzeit und ein Feldbett.
Das Wetter gibt draußen richtig Gas, es regnet weiterhin sehr stark. Um 2:30 Uhr erreicht fast jeden Läufer die SMS des Veranstalters: Es geht auf einer verkürzten Strecke (99 Kilometer) weiter. Die Busabfahrt ist auf 6:30h geplant und die Plätze für Teilnehmer sind auf 1000 begrenzt. In der Halle sehe ich viele verständnislose Gesichter, aber nur etwa fünf Läufer, die die Sachen packen. Für mich ist die Entscheidung noch nicht ganz klar: Wieder in dieses Wetter raus, eine andere Strecke als den UTMB laufen, kaum Schlaf…. all das geht nun durch meinen Kopf. Um 6:30h entscheide ich mich schließlich gegen einen Neustart. Ein bisschen bereue ich es jetzt, aber egal, vorbei ist vorbei. Wer weiß wofür es gut war.
Als ich wieder zuhause war, habe ich gehört, dass auch dieser Lauf später abgebrochen werden musste. Aufgrund einer nicht mehr laufbaren Oberfläche. Also Matsch ohne Ende und bis zu knietief.
Das Ergebnis des UTMB 2010!
- Gute Organisation auch in diesem Extremfall
- drei abgesagte Läufe (TDS,UTMB 1+2, CCC)
Nun ich glaub ich muss da wohl noch mal hin… ![]()