22. Oktober 2010
von run4miles
Das war der Iroman – Teil II
Tag 8: Race Day
3.15 Uhr Aufstehen. Ich war schon ziemlich nervös und bekam kaum etwas herunter. Ich rief dann noch schnell in Deutschland bei meiner Familie an und verabschiedete mich. Dann ging’s auch schon ab zum Shuttle Bus. An der Pier angekommen, ging ich direkt zum Body Marking. Dort werden einem die Zahlen mit Stempeln auf die Armen gedruckt. Das war schon ein Erlebnis für sich! ![]()
Nach dem Body Marking ging ich zu meinem Rad, um noch einmal den Luftdruck zu checken. Zudem befüllte ich die Flaschen und platzierte die acht Gels und zwei Riegel an meinem Rad.
Bevor es zum Schwimmstart ging, traf ich mich noch einmal mit meinem Dad und stellte mich mental auf den verdammt harten Tag ein.
6.30 Uhr war dann der Start der Profis. Diesen verfolgte ich gemütlich von der Pier aus. Die Stimmung war echt der Wahnsinn! Wenn man in die Gesichter der anderen Triathleten blickte, dann sah man alles von Angst, Ehrfurcht, Gelassenheit bis zu Zufriedenheit.
Ich stieg um 6.45 Uhr ins Wasser und hielt mich die letzten 15 Minuten bis zum Start an einem Surfboard fest. Durch die Lautsprecher tönte das Lied: Somewehere over the Rainbow. Gänsehaut pur…..
3,86 km Schwimmen
Als die Nationalhymne erklang, erinnerte ich mich an die letzten fünf Monate Vorbereitung. Mit nur fünf Monaten den Ironman wirklich finishen? Wir werden sehen…
3…..2……1…… Bääääämmmmmm
Was sich jetzt beim Schwimmen zutrug, hatte ich bislang bei keinem Triathlonwettkampf erlebt. Schlägerei ist noch harmlos ausgedrückt – es herrschte Krieg. Ich musste die ersten 300 Meter Brustschwimmen, da es so voll war und ich ständig Schläge und Tritte abbekam.
Dann erst konnte ich endlich zum Kraulschwimmen übergehen. Ich schwamm ganz rechts vom Feld. Ständig gab es Schläge und Tritte von allen Seiten. Ich verzweifelte langsam und wurde selbst richtig aggressiv. Bei dem Wendepunkt kam ich dann doch so langsam in den Rhythmus und konnte einen Kilometer befreit schwimmen. Auf dem Rückweg, Richtung Pier, war der Wellengang recht hart und mir wurde langsam schlecht. Die Sicht war übrigens gleich null, da durch die vielen Schwimmer das Wasser kochte. Ich schluckte während den 3,86 km bestimmt einen halben Liter Salzwasser. Bäh….
Auf den letzten 200 Metern war das Gedränge wieder so heftig, dass ich teilweise zum Brustschwimmen übergehen musste.
Nach genau 1:06:11 Stunden stieg ich aus dem Wasser. Ich war ein bisschen überrascht, dass ich so schnell war. Wenn ich befreit schwimmen kann, dann ist ne Zeit unter einer Stunde möglich, aber unter diesen Voraussetzungen?!
In der Wechselzone musste ich meinen Radbeutel nehmen und ins Wechselzelt laufen. Dort habe ich mich erstmal in Ruhe abgetrocknet und alles angezogen, was ich für den kommenden Höllenritt brauchte. Die Helfer schmierten mich dann noch mit Sonnencreme ein und schon verließ ich das Wechselzelt. Ich schnappte mein Rad und ab ging die Post…

180 km Rad
Zuerst fuhr man eine kleine Schleife in Kona, bevor es dann hinaus auf den Highway nach Hawi ging. Die ersten 10 km auf dem Highway liefen super, stets 30+ auf dem Tacho. Es war kaum Wind zu dieser Zeit und ich kam sehr gut in meinen Rhythmus. Dennoch überholten mich ziemlich viele Leute. Ich wollte es aber nicht zu schnell angehen, da ich ja noch 165 km zu fahren hatte und einen Marathon laufen musste.
Nach dem Flughafen, etwa bei Kilometer 30, krachte mein Flaschenhalter ab. Sch********, ich hatte nun nur noch eine Flasche für die restlichen 150 km an Bord. Auch das Wetter war erbarmungslos, die Sonne knallte ohne Ende auf mich herab.
Der Wind wurde nun immer stärker und kam jetzt auch von vorne. Es ist ziemlich heftig, wenn man bergauf mit 6 Prozent Steigung fährt und der Wind so sehr knallt, dass man meint, man steht.
Die letzten 20 km zum Wendepunkt ging es nur bergauf mit heftigem Gegenwind. An der 90 km Marke war ich schon ziemlich müde und meine Oberschenkel brannten. Auf dem Rückweg freute ich mich auf die Abfahrt von Hawi. Doch leider Pech gehabt: Der Wind versaute mir die erholsame Abfahrt. Ich bin bergab gerade mal 28 km/h gefahren. Stets musste ich treten um einigermaßen über 25 km/h zu bleiben. Der Wind dreht mittags hier sehr schnell und so hatte ich volle 180 km Gegenwind ![]()
Die letzten Kilometer wollten einfach nicht vorbeigehen. Ich hangelte mich von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation. Immer wieder schüttete ich mir Wasser über den Kopf, um meine Körpertemperatur ein bisschen zu senken. Ich fuhr nun bewusst langsam, da der Marathon ja noch auf mich wartete. Allein der Gedanke daran war schlimm. Ich war schon ziemlich erledigt nach 180 km Rad. Man bekommt einfach keinen Rhythmus hin. Ständig der Wind von vorne, von der Seite und von hinten. Zurück in der Wechselzone sah ich dann, wie Chris McCormack 100 Sekunden vor Andreas Rälert ins Ziel kam. Der hatte es gut, der war schon fertig.
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Ich musste nun auf die härtesten 42,195 km meines Lebens.
In der Wechselzone nahm mir eine freundliche Dame das Rad ab. Ich schnappte mir meinen Wechselbeutel, zog mich um und dann ging es auch schon wieder hinaus.

42,195 km Laufen:
Alleine die Vorstellung, dass ich jetzt noch 42,195 km laufen musste, brachte mich fast um den Verstand. Mein Magen rebellierte auf den ersten 5 km. Ich lief immer 1,6 km, dann ging ich wieder. Die ersten 12 km waren voll mit Zuschauern. Das änderte sich aber danach schlagartig. Nach den ersten 12 km durch Kona, läuft man hinaus auf den Highway zum Energy Lab (Wendepunkt). Das Energy Lab ist bekannt für extrem heißen Temperaturen, da sich die Hitze dort staut.
Der Weg zum Energy Lab war die Hölle.
Es geht permanent auf dem welligen Highway hoch und runter. Zum Glück geht in Hawaii die Sonne um 18 Uhr unter. Ab 18:30 Uhr ist es dann schon ziemlich dunkel. In diesem Energy Lab erlebte ich den schönsten Sonnenuntergang meines Lebens. Die Sonne war so feuerrot, wie mein Körper.
Nach dem Verlassen des Energy Labs ging es mir richtig schlecht. Die Hitze staut sich hier erbarmungslos an. Der Kopf fühlte sich an, als ob er platzen würde und die Füße brannten durch den heißen Asphalt. Meine Knie schwollen an, zudem hatte ich Blasen an den Füßen und mein Magen streikte immer noch. Ich konnte zu diesem Punkt kein Gel und kein Iso mehr aufnehmen. Ich schnappte mir immer Wasser und schüttete es mir über den Kopf. Zu diesem Zeitpunkt kamen mir immer noch Leute entgegen. Manchen sahen aus wie tot
und hatten noch über 20 km zu Laufen. Die Armen waren nicht zu beneiden!
Zum Glück ging so langsam die Sonne unter und es kühlte zumindest ein wenig ab.
Die letzten zwei Meilen führten wieder durch Kona zum berühmten Alii Drive. Auf den letzten 300 Metern genoss ich die Atmosphäre. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich bekam Tränen in die Augen und die Gänsehaut wurde mit jedem Schritt mehr und mehr. Als dann die Worte kamen „Benjamin Baur from Germany you are an Ironman“ war ich fix und fertig. Endlich nach 12:18:44 Stunden, 226 km und über 14.590 verbrannten Kalorien bin ich am Ziel angekommen. Boah, was für ein Höllenritt! Ich wollte eigentlich nach dem Radfahren schon gar nicht mehr Laufen. Aber zum Glück pushte mich mein Dad….
Ich habe es geschafft, mit nur fünf Monaten Vorbereitung habe ich beim legendären Ironman Hawaii gefinished. Diese Erfahrung wird mich mein ganzes Leben lang begleiten. Einfach der Wahnsinn…
Anything is possible sage ich da nur…
Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals in Hawaii an den Start gehen würde. Man sollte stets an seine Träume glauben und sie auch leben. Denn Träume sind da um sie zu leben.

Finish
Im Ziel angekommen begleiteten mich sofort zwei Damen zum Ausgang. Ich sah wohl nicht mehr so frisch aus, denn sie hielten mich permanent fest. Meine Koordination war auch nicht mehr die Beste.
Ich bekam am Ausgang die Medaille umgehängt und ein Finishershirt (mit der Aufschrift: The Way of the Warrior
))) übergestreift.
Danach traf ich mich noch mit meinem Vater im Finisher – Bereich. Wir tranken Coke und quatschten noch 20 Minuten. Direkt danach holten wir mein Rad und schoben es zum Hotel. Im Hotel war ich sooo fertig, dass ich erstmal auf die Couch fiel und sofort schlief. ![]()
Tag 9: Autsch
Nach acht Stunden Schlaf bin ich schon wieder wach geworden. Das Aufstehen fiel mir allerdings verdammt schwer. Meine Füße und Hände waren sooo geschwollen. Meine Knie schmerzten immer noch und mein Nacken war steif. Egal, ich bin ein Ironman!
Mit diesem Gefühl lassen sich die Schmerzen hervorragend ertragen. Nie wieder! Ich werde nie wieder eine Langdistanz bestreiten. Das ist einfach zu krass. Vor allem hier auf Hawaii. Es sind etliche Höhenmeter, die man auf der Laufstrecke und der Radstrecke bestreiten muss. Zudem kommen die Temperaturen mit denen man sich herumschlägt. Die fünf Monate Vorbereitung waren gerade so ausreichend. Viele Leute, mit denen ich mich unterhalten habe, haben sich zwei Jahre darauf vorbereitet. Ich sag nur: nie wieder!
Ich werde zukünftig kein Rennen mehr länger als die Olympische Distanz bestreiten. Darauf freue ich mich schon. Ganz locker ohne Druck mit Daniel trainieren und gemeinsam die Wettkämpfe bestreiten. Das macht dann wieder Spaß. Ich freue mich schon jetzt auf 2011! ![]()
Tag 10:
Heimreise … Der Flug von Kona nach San Francisco dauerte fünf Stunden . In San Francisco hatten wir dann einen 9-stündigen Aufenthalt, bevor es dann direkt nach Frankfurt ging.
Total müde kamen wir in Frankfurt an.
Fazit Ironman Hawaii:
Das Projekt Ironman Hawaii ging für mich einfach perfekt aus. In den fünf Monaten hartem Training haben auch meine Familie und meine Freunden große Opfer gebracht. Beim Schreiben dieser Zeilen bekomme ich noch immer Tränen in die Augen. Die Erfahrung die ich auf Hawaii gemacht habe, ist ziemlich krass. Während der 226 km kam ein Punkt draußen in den Lavafeldern, an dem man ganz tief in sein Inneres blickte. Man musste gegen sich und seinen Kopf sehr stark ankämpfen, um aus diesem Tal der Schmerzen wieder heraus zu kommen. Die ganze Anspannung fiel dann schlagartig beim überqueren der Finishline ab und dieser Moment war einfach der Hammer. Man kann es nicht beschreiben. Das Überqueren der Finishline hat mich verändert. Ich bin sehr dankbar dies erlebt haben zu dürfen.
Klar wäre eine Zeit, bei einem für mich perfektem Rennverlauf von knapp elf Stunden möglich gewesen, aber das zählt nicht und ist mir auch ziemlich egal. Das Ziel war zu finishen und das habe ich mit erhobenem Kopf getan. Der Mythos Ironman Hawaii ist schon etwas ganz besonderes auf dieser Welt. Jeder, der die Chance bekommt, dort einmal teil zu nehmen, sollte dies auch unbedingt tun – egal ob über die Lottery oder über eine Qualifikation. Man kämpft bei diesem Wettkampf nicht gegeneinander, sondern miteinander gegen sich selbst und seine eigenen Grenzen.
Der Ironman Hawaii war ein Traum von mir, den ich leben durfte. Ich hätte nie gedacht, dass dieser Traum tatsächlich einmal Wirklichkeit wird. Mein Beispiel zeigt aber ganz klar, dass man nie „nie“ sagen soll, denn alles ist möglich. Ich will jedem Mut machen, seinen persönlichen Traum zu leben und nicht aufzugeben daran zu glauben.
Bei mir im Keller hängt ein Bild von der Finishline. Ich habe immer beim Rollentraining darauf geschaut und mir vorgestellt wie es ist einmal dort zu sein und zu finishen. So schnell kann es gehen…
Also lebt Eure Träume… und träumt sie nicht einfach nur!
Aloha,
Benjamin