Der frubiase® SPORT blog

19. Oktober 2010
von run4miles

Das war der Ironman – Teil I

Der Hinflug:
Der Hinflug nach Hawaii war schon ein Marathon an sich. Wir (mein Vater und ich) sind um 3:30 Uhr aufgestanden und zum Flughafen nach Frankfurt gefahren. Bereits beim Check-in Schalter standen ziemlich viele Triathleten mit Ihren Radkoffern. Wir reihten uns in die lange Schlange ein und warteten knapp eine Stunde bis wir endlich unser Gepäck abgeben konnten.
Um 8 Uhr flogen wir los in Richtung Chicago. Dort angekommen mussten wir unser Gepäck kurz entgegen nehmen, um durch den Zoll zu gehen. Der Anschlussflug nach L.A. startete auch pünktlich. Flugzeit: 4 Stunden und 22 Minuten.
In L.A. hatten wir 30 Minuten Aufenthalt bevor der letzte Flug nach Kona ging. Nur noch 5 Stunden und 35 Minuten. dann hatten wir unser Ziel endlich erreicht. Gesamtflugzeit: knapp 19,5 Stunden – puh!
In Kona wurden wir von unserem Reiseveranstalter (Hannes Hawaii Tours) begrüßt. Jeder bekam einen Blumenkranz umgehängt und durfte sich ein Stück frische Ananas nehmen –  mmmhhh :-)

Tag 1:
Nachdem wir einen Zeitunterschied von zwölf Stunden zu verkraften hatten, waren wir schon um 5 Uhr wach. Ich nutzte die Zeit, um mein Rad wieder aufzubauen. Der erste Blick in den Radkoffer brachte zum Glück kein Unheil. Alles ganz und noch am gleichen Platz.
Das Aufbauen ging echt schnell und die Gangschaltung war auch noch perfekt eingestellt.
Danach frühstückten wir ausgiebig auf unserem Balkon mit Palmen, Blick aufs Meer und ein paar Gekos.
Um 9 Uhr habe ich mir dann mein Rad geschnappt und bin zur Zentrale unseres Veranstalters gefahren. Dort war nämlich der Treffpunkt für eine kleine Ausfahrt mit dem Rad zum Captain Cook Denkmal. Das Denkmal lag ca. 50 km entfernt und führte durch hügeliges Gelände (Kona Coffee Road). Der Veranstalter beschrieb das Streckenprofil als ein bisschen bergig aber das war alles andere als ein bisschen bergig. Die Anstiege waren echt krass. Wir waren zirka 30 Triathleten, die über die Hügel jagten. Ich wollte ja nicht abreisen lassen und versuchte dran zu bleiben. Aber bei dem letzten Anstieg (15%) musste ich dann doch abreisen lassen. Es sind halt die besten Triathleten der Welt hier und die haben auch einiges drauf. Ich nicht wirklich :-) Insgesamt waren es auf 60 km  insgesamt 1600 Höhenmeter. Die Anstrengungen haben sich aber gelohnt, denn das Denkmal lag in einer Bucht mit glasklarem Wasser in dem viele tropische Fische schwammen. Wir blieben dort ca. 1,5 Stunden , dann sind wir wieder gemeinsam zurück gefahren – diesmal aber auf direktem Weg über den Highway. Die Ausfahrt hat echt Spaß gemacht. Alleine schon der Blick auf das Material der anderen Triathleten lässt jedes Herz höher schlagen. :-)
Den restlichen Tag nutzte ich, um mich ein bisschen auszuruhen, da mir der lange Flug doch noch ziemlich in den Knochen steckte. Hang Loose :-)

Tag 2:
Am zweiten Tag klingelte der Wecker um 6 Uhr morgens. Wir frühstückten und fuhren dann auch schon in Richtung Pier. Ich nutzte die Gelegenheit, um auf der Wettkampfstrecke zu schwimmen. Das Schwimmen im Meer und bei Strömung ist etwas völlig anderes als bei uns im Baggersee. :-)

Es ist wirklich krass wie viele Leute da an der Pier waren. Überall Triathleten :-) Mein Vater blieb an der Pier auf der Mauer sitzen und ich schnappte mir meine Brille und meine Bademütze und stürzte mich in das 27 Grad *kalte* Wasser :-) . Es ist echt genial dort zu schwimmen. Das Wasser ist total klar und überall begleiten dich tropische Fische.
Ich bin bis zur 1 km Marke geschwommen und wieder zurück. Es war wirklich ziemlich hart gegen die Strömung und bei Wellengang zu schwimmen :-) Aber es ist ja schließlich der Ironman und nicht irgendein Fußballspiel vom KSC,.. hehehe…

Am Nachmittag bin ich dann noch 30 Minuten über den Alii – Drive gelaufen. Es ist eine ziemliche Umstellung bei den hohen Temperaturen zu Laufen. Vor allem sind sooo viele Athleten auf dem Alii – Drive, dass man sich bloß nicht verleiten lassen sollte zu schnell zu laufen. Ich bin die 30 Minuten locker gelaufen und habe mir die wunderschöne Landschaft angeschaut. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit schwitzt man ziemlich heftig. Viel Trinken und Salztabletten sind hier wirklich ein Muss.

Tag 3:
Heute stand die 90 km Radausfahrt von dem Radwendepunkt bei Hawi bis nach Kona auf dem Plan. Diese Möglichkeit wollte ich mir auf gar keinen Fall entgehen lassen, denn dadurch konnte ich mir schon mal ein Bild von der Strecke machen. (Wind, Höhenmeter, Temperatur).
Alle die Lust hatten trafen sich um 7 Uhr beim Veranstalter vor der Zentrale. Boah, ca. 50 Leute waren schon da. Der Veranstalter packte alle Räder in drei große Trucks. Wir selbst wurden dann mit einem Reisebus zum Wendepunkt nach Hawi gebracht. In Hawi angekommen überraschte uns ein ziemlich heftiger Regenschauer.  Als der Regen aufgehört hatte schnappte sich jeder sein Rad und fuhr die 90 km auf der Original Ironman-Strecke zurück nach Kona.

Zur Strecke:
Die ersten 10 km von Hawi zurück fährt man mit knapp 40 km/h, da der Wind nur von hinten bläst. Ich selbst war im höchsten Gang und hätte wohl noch vier weitere Gänge gut gebrauchen können, um richtig Gas zu geben. Die Landschaft ist hier noch recht ok, paar grüne Flecken und Lavasteine. Aber die Sonne knallte schon richtig herunter. Durch den Fahrtwind merkt man das aber nicht so. Nach ca. 10 km schwenkte der Wind um und es kamen ziemlich heftige Böen von der Seite. Der Wind war so heftig, dass man keine Sekunde mit einer Hand fahren kann. Ich krallte mich am Lenker fest und versuchte die Spur zu halten. Drei Fahrer von uns wurden richtig vom Highway geblasen und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Das ist schon ziemlich krass, denn wenn es einen hier weghaut, dann hat man bergab gute 50 Sachen auf dem Tacho. Wieder 30 km weiter schwenkte der Wind erneut um und blies nun mit voller Kraft von vorne. Bergab mit 30 geht in dieser Situation nur mit permanentem Treten. Zudem ist das Gebiet nicht flach, sondern ziemlich wellig. Hoffentlich ist es am Wochenende windstill! :-)
Kurz vor dem Flughafen erreichten wir die wohl abgefahrenste Landschaft, die ich je gesehen hatte. Erkaltete Lavaströme zieren dort die Landschaft. Man hat das Gefühl auf einem anderen Planeten zu sein. Nach dem Flughafen sind es noch ca. 20 km bis nach Kona. Bei Gegenwind raubt es den Fahren hier noch einmal die letzte Kraft aus den Beinen.

Fazit:
Ach Gott, wird das übel! Wenn ich die Strecke in einem 30er Schnitt fahren kann, dann bin ich soooo stolz auf mich. Aber der Marathon folgt ja dann auch noch. Wir werden sehen…

Tag 4:
6 Uhr wecken. Kurz gefrühstückt, dann mit dem Rad wieder an die Pier, zwei Kilometer Schwimmen. An der Pier wird es nun langsam richtig richtig voll. Je früher man da ist, umso besser ist es.Das Schwimmen lief richtig gut und ich gewöhnte mich so langsam ans Meer und die Strömung. Bei dieser Unterwasserlandschaft macht es richtig Spaß! Nach knapp 30 Minuten Schwimmen saßen wir wieder an der Pier und beobachteten noch ein wenig die Menge. :-)

Für den Nachmittag war die Registrierung und die Abholung der Startnummern angesetzt. Alles war sehr gut organisiert. Zu Beginn musste ich eine 1-Tageslizenz des US – Triathlonverbandes ausfüllen. Diese Lizenz kostet 10$ – also nicht wirklich viel – und berechtigt die Teilnahme am Ironman. Bei der Registrierung musste ich 20 Mal unterschreiben, dass ich über die Gefahren Bescheid weiß und die WTC nicht verklagen kann. Blablabla…Danach wurde ich noch gewogen und dann habe ich endlich meine Startnummer bekommen. Halejulia :-)

Direkt nach der Registrierung sind wir mit einem Boot ca. 45 Minuten in eine Schnorchelbucht gefahren. Während der Fahrt begleiteten uns sogar Delphine- echt Hammergeil. An der Bucht selbst schnorchelten wir über ein Riff, überall konnte man die Vielzahl der tropischen Fische sehen. Echt Wahnsinn! Zurück im Appartement zog ich meine Laufschuhe an und lief noch 45 Minuten locker den Alii-Drive entlang. Schließlich bin ich ja nicht zum Urlaub machen hier… :-) hehe.Danach fand noch die Ironman Parade of Nations statt. Hier laufen alle Nationen durch Kona, die beim Ironman vertreten sind.

Tag 5:
Heute Morgen bin ich ausnahmsweise mal nicht Schwimmen gewesen, dafür stand die letzte Radeinheit auf dem Plan: Eine Stundeauf dem Highway radeln.
Gegen 8 Uhrt zog ich meine Radschuhe an und radelte los.
Auf dem Highway war so viel los, es waren sogar mehr Triathleten als Autos unterwegs. Auch der Wind war wieder recht stark. Ich fuhr 30 Minuten in eine Richtung, 30 Minuten wieder zurück.
Am Schluss hatte ich knapp einen 30er Schnitt auf dem Tacho. Ich bin also auf Kurs.

Am Nachmittag fand dann die Wettkampfbesprechung statt. Diese war direkt an der Pier. Deutschland stellte hinter den USA die zweit größte Nation. Demnach waren alle Plätze restlos ausgebucht. Die Wettkampfbesprechung hielt der europäische Chef der Ironman-Marke. Er gab allgemeine Infos zum Wettkampf bzgl. Strafen, Karten, Penalty-Box, usw. Nichts was man im Vorfeld nicht auch schon gewusst hätte. Das ganze dauerte 35 Minuten und war insgesamt ganz ok.

Tag 6:
6 Uhr Wecken, Schwimmen. Wieder runter an die Pier. Okay heute waren wohl alle 1.923 Athleten an der Pier um zu Schwimmen…Viele standen eine Ewigkeit am Wasser. Sehen und gesehen werden war hier das Motto. Ich versuchte so schnell wie möglich da raus zu kommen.
Diesmal war es echt richtig hart, da die Strömung und der Wellengang echt extrem waren. Nach ca. 200 Metern bemerkte ich, dass eine Frau sich an meine Beine geheftet hatte. Ich versuchte sie bis zur 1 km Wendemarke abzuhängen, aber es gelang mir nicht. :-) Nach einem Kilometer hörte ich auf und drehte wieder um. Sie bedankte sich bei mir für die schnellen Beine. :-) Ich sagte zu ihr, dass ich wieder zurück schwimme, sie kann gerne wieder mit. Gesagt getan, den Kilometer zurück blieb sie erneut direkt an meinen Füssen. An der Pier angekommen meinte sie zu mir, dass ich super gut schwimmen würde. Ich dachte nur: Was will die von mir? :-) Im Appartement angekommen surfte ich ein bisschen im Internet. Und siehe da, die Frau mit der ich geschwommen bin, war Sonja Tajsich. Sie hat den Ironman Regensburg gewonnen und wurde dieses Jahr beim Ironman Hawaii beste Deutsche. Wenn man von so einer Dame ein Kompliment bekommt, dann ist das natürlich echt super und läuft runter wie Öl. Ich war schon jetzt echt auf meine Schwimmzeit gespannt.

Mittags stand relaxen auf dem Plan. Um ca. 15 Uhr schnappte ich mir meine Laufschuhe und lief noch 30 Minuten am Alii Drive.One day to go…… Ahhh ich wurde immer nervöser. Schließlich sind es ja auch die Weltmeisterschaften und fünf Monate hartes Training bis zu diesem Punkt….

Tag 7:
Gemütlich Frühstücken und dann zum Rad Check-In. Zuvor schaute ich noch einmal alles durch. Die Nervosität stieg von Minute zu Minute. :-) An der Pier angekommen herrschte schon wahnsinniger Betrieb. Ich schob also meine Rad in Richtung Eingang, dort kam dann sofort ein Helfer und nahm mir das Rad ab. Es schaute nicht einmal einer in meinen Helm, bzw. ob der Helm richtig passt oder irgendwelche Sicherheitsvorschriften erfüllt. In Deutschland machen die da immer ein riesiges Thema daraus.
Der Helfer zeigte mir den Platz für das Rad und hängte mit mir die Wechselbeutel auf.
Danach checkte ich noch mal kurz die Wege und verließ dann auch schon wieder die Wechselzone. Das ganze dauerte vielleicht acht Minuten. Alles war sau gut organisiert. So sollte es ja bei einer Weltmeisterschaft auch sein.
Die Nervosität baute sich nach dem Check-In doch sehr ab und ich wurde sehr viel ruhiger als die Tage zuvor.

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