12. November 2010
von Juraj Gubi
Gezielter trainieren mit moderner Leistungsdiagnostik
Mein Name ist Juraj Gubi und ich bin als Sportwissenschaftler, Leistungsdiagnostiker, Ernährungsberater und Personal Trainer tätig. Künftig findet Ihr hier auf dem Blog von mir Beiträge und Tipps rund um das Thema Training und Gesundheit. Für Fragen stehe ich Euch gerne zur Verfügung. Da ich mich auf den Bereich Leistungsdiagnostik spezialisiert habe, soll es in meinem ersten Beitrag auch gleich um dieses Thema gehen. Genauer: Mit welchen Mitteln der modernen Leistungsdiagnostik können Freizeitsportler und Profis ihren aktuellen Trainingszustand bestimmen, um damit die optimalen Trainingseffekte zu erzielen?
Zur Bestimmung des Trainingzustands stehen verschiedene Methoden der Leistungsdiagnostik zur Verfügung. Wichtig ist es, die Werte an sportartspezifischen Ergometern zu ermitteln, da Leistung und Trainingsbereiche nur sinnvoll bestimmt werden können, wenn die trainierten Muskelgruppen auch im Test eingesetzt werden. Läufer müssen den Test somit auf einem Laufband absolvieren, Radfahrer auf einem Fahrradergometer usw. Daneben umfasst die Leistungsdiagnostik immer auch die Bestimmung der gesundheitsrelevanten Daten, wie zum Beispiel Belastungs-EKG, Blutdruckverhalten und Lungenfunktionsdiagnostik.
Laktatdiagnostik
Der Fokus der Laktatdiagnostik liegt auf den Salzen der Milchsäure, dem Laktat, das als leistungslimitierender Parameter gilt. Im Ruhezustand werden sowohl Fette als auch Glykogen, d.h. Kohlenhydrate, verstoffwechselt. Bei zunehmender Belastung nimmt der Glykogenverbrauch zu, wobei als Zwischenprodukt Milchsäure entsteht. Ziel des Testes ist es über die Milchsäurekonzentration im Blut die individuelle anaerobe Schwelle zu bestimmen und darüber den Fitnessgrad abzuleiten. Im Rahmen eines Stufentests, d.h. einer stufenförmigen Belastung bis hin zur Ausbelastung, wird dem Sportler in regelmäßigen Abständen Blut aus dem Ohrläppchen oder dem Finger entnommen. Die jeweilige Laktatkonzentration gibt Aufschluss über die individuelle anaerobe Schwelle. Hieraus leitet sich schließlich die Leistungsfähigkeit des Sportlers ab. Wichtig zu beachten: Um aus den Messungen seriöse Testergebnisse abzuleiten, ist auf der Seite des Diagnostikers ein hohes Maß an Fachwissen erforderlich. Drüber hinaus ist es wichtig, dass während des Tests eine Ausbelastung des Sportlers erreicht wird.
Die Spiroergometrie
Die klinische Spiroergometrie, die Atemgasanalyse, wird erst seit vergleichsweise kurzer Zeit als Methode der Leistungsdiagnostik eingesetzt. Der Fokus dieser Methode liegt auf der maximalen Sauerstoffaufnahmekapazität, der so genannten VO2max. Während eines Stufen- oder Rampentests mit schnell ansteigender Belastung bis hin zur Ausbelastung atmet der Proband durch eine Gesichtsmaske. An dieser wird über einen Sensor die Sauerstoff- und Kohlendioxidkonzentration der Atemluft gemessen. Ausgehend von der VO2max werden anschließend die unterschiedlichen Trainingsbereiche dargestellt.
Dabei wird über den individuell ermittelten Wert eine Prozentmatrix gelegt, welche die Trainingsbereiche bestimmt.
Die Bestimmung des Respiratorischer Quotient (RQ)
Der respiratorische Quotient (RQ) – der Quotient aus Kohlendioxidabgabe (VCO2) und Sauerstoffaufnahme (VO2) – ist ein weiterer Parameter der klassischen Spiroergometrie zur Bestimmung der Ausdauerleistung. Die reine Verstoffwechselung von Kohlenhydraten würde einen Wert von 1,0 ergeben, die erstrebenswerte ausschließliche Energiebereitstellung über Fettsäuren einen Wert von 0,7. Mit Hilfe dieses Wertes lassen sich somit valide Aussagen über die Stoffwechselsituation in der arbeitenden Muskulatur, sowie den Grad der Ausbelastung treffen. Ein überproportionales Ansteigen der VCO2 oder der Ventilation während des Leistungstests kann zudem als Hilfsparameter zur Bestimmung der aeroben Schwelle genutzt werden.
Auch bei dieser Meßmethode muss eine Ausbelastung erreicht werden, was unter Umständen eine Hürde für untrainierte, ältere oder adipöse Menschen darstellen kann.
aeroscan
Der aeroscan ist eine Messmethodik aus dem Bereich der Spiroergometrie, die auch dem untrainierten Sportler eine individuelle Trainingsplanung ermöglicht. Bei dieser Methode wird der Energiestoffwechsel des Sportlers über die Ein- und Ausatemluft gemessen. Der Proband wird in zehn bis fünfzehn Minuten auf einem Ergometer oder einem Laufband stufenweise belastet und atmet dabei am Ende jeder Belastungsstufe durch ein Mundstück, das Herzfrequenz, Gesamtenergieumsatz, Anteil an Fetten und Kohlenhydraten, sowie die relative Fett- und Kohlenhydratverbrennung bestimmt. Eine Auswertesoftware stellt im Anschluss an den Test dar, bei welcher Belastung der Körper optimal Fett zur Energiegewinnung nutzt oder bereits auf die nur begrenzt zur Verfügung stehenden Kohlenhydrate zurückgreift. (Zum Hintergrund: Gerade für Ausdauer- und Gesundheitssportler ist es erstrebenswert, so lange wie möglich Fettsäuren zur Energiebereitstellung zu nutzen. Fett ist in großen Mengen im menschlichen Körper verfügbar und ermöglicht bei entsprechendem Training lang andauernde Leistungen auf hohem Niveau).
Trainingsbereiche der Sportler können mithilfe dieser Messmethode individuell definiert werden, ohne dabei auf prozentuale Berechnungen und theoretische Schwellenmodelle zurückzugreifen. Bei dieser Methode ist eine Ausbelastung der Testperson nicht zwingend erforderlich, da die notwendigen Parameter im submaximalen Belastungsbereich erfasst werden.
Egal für welche Methode Ihr Euch entscheidet, auch für Freizeitsportler ist es sinnvoll gelegentlich den individuellen Trainingszustand zu bestimmen. Das hilft Euch optimale Trainingseffekte zu erzielen und so noch mehr Spaß am Training zu haben.
Euer Juraj Gubi
[...] und Trainingsplanung für Sportler Leistungsdiagnostik und Trainingsplanung für Sportler frubiase SPORT® Blog – Gezielter trainieren mit moderner LeistungsdiagnostikBabbel bittet die Spieler zum LaktattestLeistungsdiagnostik und Trainingsplanung für [...]