28. Dezember 2010
von Uwe S.
Hallo,
mein Name ist Uwe Stölzer und ich bin einer der (momentan noch) zahlreichen Projektteilnehmer des diesjährigen Knastmarathons. Derzeit sitze ich eine Haftstrafe wegen Vermögensdelikten hier in der JVA Darmstadt ab. Aufgrund der eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten innerhalb einer JVA ist für mich die Teilnahme an Sportangeboten jeglicher Art sehr wichtig, da mir derartige Aktivitäten helfen, ein wenig die Alltagsumstände der Haft für kurze Zeit zu vergessen. Schließlich ist der Sport (egal, ob Fitness, Ausdauer oder Kraftsport) an sich hier auch nicht viel anders als außerhalb der Gefängnismauern.
Da ich selbst kein großer Fan von Muskelbergen bin, sind Ausdaueraktivitäten wie Laufen, Radfahren besonders interessant für mich. Seit meiner Jugend, mittlerweile habe ich auch schon das stolze Alter von 33 erreicht, habe ich derartige Aktivitäten immer mal wieder sporadisch betrieben.
So habe ich jetzt auch wieder seit Ostern 2008 mit dem Laufen begonnen, situationsbedingt aber nur auf einem Laufband. Deshalb war nach meiner Verlegung in die JVA Darmstadt ein großes Ziel von mir hier in die Laufgruppe zu kommen und am Marathonprojekt teilzunehmen. Der Knastmarathon ist mein erster Marathon, was ein kleines Abenteuer darstellt. Denn ich weiß absolut nicht, wie ich mich selbst mit meinen bisherigen Leistungen aus der Zeit vor dem Projekt einschätzen soll.
Die ersten Trainingseinheiten unter Anleitung eines Profis waren wirklich sehr wertvoll für mich, da es doch einige Bereiche gibt (Laufhaltung, Schritttechnik, …), die ich unbedingt verändern oder anpassen muss, um dieses Abenteuer gut zu meistern. Schon allein das macht die Projektteilnahme für mich schon jetzt zum Erfolg. Zum anderen ist es ein wirklich erheblicher Unterschied, den es zwischen dem Laufen auf einem Laufband und dem Laufen im „freien Gelände“ gibt, da so ein Laufband doch einiges an Wahrnehmung verzehrt. Wenn man so wie ich bislang nur auf einem Band trainiert hat, macht das schon einen gravierenden Unterschied.
Interessant war es auch festzustellen, in welchem Bereich man selbst lauf- und laufzeittechnisch so liegt im Vergleich zu den anderen Teilnehmern beim ersten kurzen Testlauf am 12.12.2010. Schließlich läuft man auf einem Band nur gegen sich selbst und im Training hier als Gruppe gemeinsam und nicht gegeneinander. Bin ja doch nicht so schlecht, wie von mir selbst dachte.
Aber: es kann nur besser werden!
Bis zum nächsten Mal
Uwe Stölzer