Der frubiase® SPORT blog

5. Oktober 2011
von Hauke König

running Transgermany Teil 2

 Ich laufe tatsächlich am nächsten Tag von Esslingen nach Heilbronn. Das heißt, beinahe. Die angekündigte Erstverschlimmerung meines Shin-Splints stellt sich als äußerst schmerzhaft heraus. Ich bin vor Jahren mal nachts zwischen zwei parkenden Autos durchgerannt. Ich hatte leider bei dem einen Wagen aber die Anhängerkupplung nicht gesehen und bin im vollen Lauf mit meinem Schienbein dagegen geknallt.  Das tat weh. Und genau so fühlt sich gerade jeder Schritt an. Und das ist nicht übertrieben. Mir wird teilweise übel vor Schmerz. Aber das Laufen schmerzt zeitweise weniger, als das Gehen. Da bin ich eigentlich ganz froh drüber, denn das bedeutet, dass ich irgendwie laufend vorankommen muss. Oder gar nicht. Also Zähne zusammen beißen und durch. Es hört ja in zwei bis drei Tagen wieder auf und dann ist alles gut. Als ich Susanne kurz hinter einer Neckarbrücke und bereits weit hinter Stuttgart treffe, kommt uns ein Radfahrer entgegen. Es ist Birger Jüchter. Er ist den Allgäu Panorama Ultra Trail gelaufen und dann mit dem Fahrrad zu uns gefahren, um mich ein paar Tage lang zu begleiten. Unglaublich. Unglaublich gut! Es stellt sich schnell heraus, dass Birger ein echt super dufter Typ ist. Und obwohl er in Düsseldorf wohnt und Susanne in Kölle verstehen sich die beiden auch sehr gut. Alles andere wäre ja wohl auch völlig albern. Birger bleibt die ganze Zeit mit dem Fahrrad neben mir. Wir unterhalten uns, pflücken Trauben von Rebstöcken, ernten zwischendurch Äpfel und genießen die Gegend. Es tut mir gut Birger neben mir zu haben. Das lenkt auch von dem verletzten Bein ab. Aber je länger ich laufe, desto schlimmer wird mein Bein und so kann ich die letzten 20 Kilometer nur noch wandern. Und auch das zwiebelt wie Sau. Birger muss sich um ein Hotelzimmer kümmern und verlässt mich für heute, aber Torsten Riemer löst ihn ab. Der wohnt nicht allzu weit entfernt und hat mit mir im Januar Schleswig Holstein fast ganz umrundet. Er kann aber nicht sehr lange mitlaufen, weil er in Kürze den Ultra Trail du Mont Blanc mitläuft und sich schonen muss. Schade, denn es ist so gut ihn wieder zu sehen und von mir aus hätte er sehr gerne länger bleiben können. Aber als ich endlich bei Susanne und dem Wagen ankomme ist Torsten auch wieder da. Er hat Wanderkarten von der Gegend mit und wir suchen die besten Strecken für die nächsten zwei Tage raus. Außerdem nimmt er noch Wäsche von uns mit und will sie uns morgen gewaschen zurückbringen. Voll cool!

Wir stehen mit dem Wohnmobil hinter so einer Art Sportzentrum mit Tennisplätzen, mehreren Fußballfeldern, Restaurants und so. Ich bin sehr früh im Bett und wache nach nicht allzu langer Zeit wieder auf. Musik. Techno. Sehr, sehr lauter Techno. Was  n jetzt los??? Der Platz auf dem wir alleine standen, als ich mich hingelegt hatte, war jetzt voll mit Leuten, Autos und lauter Musik. Scheißmusik. Ich zweifele nicht an der Qualität dieser Musik, nur…sie ist nicht gerade mein Fall.  Da geht man an einem lauschigen Sommerabend allein auf weiter Flur ins Bett und wacht in der einer Disco wieder auf. Ok, ich bin mal in Portugal auf einem Markt aufgewacht. Aber der war nicht so laut. Susanne schläft übrigens heute draußen auf einer Liege und wird nicht von dem kirmesartigen Treiben um uns herum wach, sondern von dem Geräusch des Fensters, das ich, nicht einmal laut schließe, um den Lärm im Wagen erträglicher zu machen. Sie fährt sofort los als sie die Misere erkennt und wir schlafen auf dem Parkplatz eines Museums weiter. Beinahe hätte das aber nicht geklappt, weil mittlerweile so viele Autos um uns herum parken, dass Susanne unser Wohnmobil kaum von der Wiese herunter bekommt.

Den nächsten Tag laufe ich begleitet von Birger die gesamte Zeit am Neckar lang. Und ich sag euch: Das ist echt schön da! Auch und gerade bei 33°C. Aber auch heute ist es so, dass ich irgendwann nur noch gehen kann. Die letzten 14 Kilometer der Etappe. Lange 14 Kilometer. Aua. In Eberbach angekommen, steht Susanne auf einem Campingplatz direkt am Neckar und mit Blick auf die Altstadt und den direkt dahinter aufsteigenden Odenwald. Eigentlich freue ich mich auf eine Dusche, bin aber zu erschöpft mich da noch drunter zu stellen. Torsten Riemer kommt wie versprochen mit unseren gewaschenen Klamotten und erklärt mir anhand der Wanderkarten genau, wo ich hinter dem Gymnasium links hoch muss, um auf die richtigen Trails zu kommen in Richtung Darmstadt. An dieser Stelle noch mal einen ganz besonderen Dank an Torsten. Torte, vielen, vielen Dank für dein Engagement! Der Weg war super und die Wäsche roch gut! Du bist der Hammer!

Am nächsten Morgen also gut informiert und mit allen Wassern gewaschen (bildlich zumindest) über den Neckar und durch Eberbach. Dann hoch und 15 Kilometer durch den Wald. Bestes Wetter und sehr guter Pace. Laufen macht wieder Spaß. Es gelingt mir immer mehr den Schmerz, Schmerz sein zu lassen und mich um andere Sachen zu kümmern. Jedenfalls am Morgen. Birger holt mich dann auf der B 45  ein. Es geht über verschiedene Land- und Bundestrassen weiter. Aber ich komme zu meiner eigenen Verwunderung sehr gut durch und treffe gut gelaunt in Darmstadt auf Susanne. In dieser Nacht erleben wir ein Gewitter. Keines das so vorbeizieht, sondern eines, das irgendjemand die ganze Nacht direkt über uns festgetackert zu haben scheint. Birgers Hotelzimmer ist ganz in der Nähe und er schildert das auch so. Hier geht gefühlt nicht die Welt, sondern die Milchstraße unter. Ist aber nicht so schlimm, denn noch sind wir ja im Besitz unserer Wohnmobildachfensters  ;-)

Der nächste Tag startet damit, dass es keinerlei Anzeichen einer Wetterkatastrophe mehr gibt. Es ist zwar nicht mehr heiß, aber noch warm. Ich brauch zu meiner Verwunderung kein Kanu, um weiter zu kommen. Als ich durch eine Unterführung unter einer Kreuzung muss, laufe ich auf der anderen Seite erst einmal in die völlig falsche Richtung. Als ich die Richtung wieder habe, laufe ich auf einem Hochwasserschutzwall. Hui! Bei uns heißt das Deich. Gegend soweit das Auge reicht. Nur selten mal ein Haus und irgendwann kommt von rechts ebenfalls aus dem Nichts ein Radfahrer näher. Ich sehe ihn schon aus etwa 1 Kommawasweißich Kilometer Entfernung. Es ist Birger. Ich finde es völlig surreal, dass wir uns irgendwo im Nowhere treffen. Beziehungsweise, dass Birger mich hier findet. Aber klasse. Wir sind mittlerweile total gut auf einander eingespielt. Feine Antennen hat der Birger. Empathiefähigkeit und Ultradistanzen sind nicht unbedingt die ersten Attribute, die mir einfallen, wenn mir jemand erzählt er sei Versicherungsmathematiker. Da muss sich wohl bei mir noch was bewegen…

Es ist ein sehr heißer Tag und es gibt zwischendurch immer wieder rote Trauben direkt vom Baum. Ähh…Busch. Gebüsch. Die sind so süß und so heiß. Es ist, glaube ich, die beste Geschmackserfahrung der letzten 20 Jahre. Aber wir sind ja noch nicht in Ingelheim…

Wie auch immer, wir kommen in Ingelheim an.

Ingelheim ist zum einen der Stammsitz von frubiase SPORT, zum anderen der Stammsitz der Familie Kohler. Beide sind voneinander abhängig. Melanie und Steffen erwarten mich bereits auf der Straße kurz vor ihrem Haus.

Und jetzt wird es echt hart für mich die richtigen Worte zu finden für das, was Susanne, Birger und mir dort entgegenschlägt. Ok, Gott ist echt übertrieben, aber mit Gastfreundlichkeit hatte das irgendwie auch nichts mehr zu tun. Ich beschreibe einfach mal aus meiner Sicht. Ankommen, Schuhe aus. Auf der Terrasse ist schon eine Liege für mich bereitgestellt. Es gibt erst einmal einen frisch zubereiteten Obstsalat an die Liege. Lecker und genau richtig getimt. Steffen kocht. Als das Essen fertig ist, landen wir an einer festlich gedeckten Tafel und es gibt: Eine Platte voller  Hühnchenschenkel, Putengeschnetzeltes mit Käse und Tomate überbacken, einen ganzen (!) Wildlachs in Kräutern gebacken, Reis mit Linsen, Nudeln und gemischten Salat. Und das Ganze in soooo lecker, dass mir die Worte fehlen. Danach begab ich mich ins Bad um ein selbiges zu nehmen (könnte von Heinz Erhard sein :-( ). Und hier stoße ich auch auf die Kehrseite der Kohlerschen Medaille. Es ist halt nicht alles Gold was glänzt. Und so fehlen doch tatsächlich die Massagedüsen in der riesigen Badewanne. Tststs  ;-)

Steffen macht den schweren Fehler mit den fehlenden Massagedüsen in der Wanne aber wieder wett, durch einen anberaumten Physiotherapietermin. Mein Schienbein schmerzt nämlich immer noch und ich will, dass das aufhört. Der Therapeut ist sehr gut. Leider lässt es sich nicht vermeiden, dass die Behandlung trotz Sympathie echt weh tut. Aber ich habe das Gefühl, dass es besser wird. Ab morgen. Steffen, der mit im Behandlungsraum ist, tut es augenscheinlich genau so weh wie mir. Er leidet mit. Super, denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Zeitgleich wird im Kohlerhaus unsere Bettwäsche gewaschen. Ich werde ja täglich mit Öl von Susanne massiert und nach fast zwei Wochen fühlt sich meine Bettwäsche klamm, ölig, ranzig und kalt an. Aber auch das hat jetzt ein Ende.

Der nächste Tag bricht an und Steffen und Melanie haben da mal was vorbereitet. Etwa 150 Meter von Steffens Haus entfernt stehen etwas über zwanzig Läufer und wollen mich den Rhein hinauf nach Norden begleiten. Dabei übrigens auch mein Physiotherapeut von gestern Abend. Oder sind da doch Gelder geflossen? Ansprachen, Dankesrede, los! Was läuft hier? Ich unterhalte mich mit vielen der Begleiter (mit allen geht nicht) und sie sind nicht gezwungen worden. Im Gegenteil.  Einige laufen 6 Kilometer mit, andere 10, 16, oder 26 (hallo Nina!). Birger nimmt mittlerweile ohne, dass ich ihn frage, Sachen im Rucksack für mich mit, von denen er weiß, dass ich sie mag oder unterwegs brauchen kann. Andreas Kämper ist auch mit dabei. Ein Typ, den ich schon länger mal kennen lernen möchte. Jetzt kommt er zu mir und übertrifft meine Erwartungen in Sachen Coolness. Klasse.

Auch super war Susanne. Sie hat nämlich alle Läufer so oft es ging voll verpflegt. Das, was ich mir unter einer guten Verpflegung bei Wettkämpfen vorstelle hat Susanne alle paar Kilometer für alle teilnehmenden Läufer hingezaubert. Und natürlich für Birger. Von Ingelheim nach Boppard. Durch das Rheingau an der Lorelei vorbei, von der ich dachte, es wäre eine Messingfigur. War aber „nur“ ein  Felsen. Weinberge, Steffen und Melanie am Start. Außerdem haben Frank und Annette, die mich von Ingelheim aus begleitet haben, quasi aus Versehen ihren ersten Ultralauf mit 45,6 Kilometern mit uns gemacht. Angedacht war von ihnen eigentlich nur ein kurzes Stück. Wir essen mit den Kohlers zusammen noch im Ziel in Boppard und dann geht es auf einen Campingplatz. Zu dem kommen auch später noch Jens und Julia Vieler. Julia ist Sportmasseurin und wird sich meine Beine vornehmen und Jens wird mit mir laufen. Außerdem wird Thomas Strohmeier noch dazu stoßen. In Five-Fingers. Ich fühle mich von Tag zu Tag schlapper. Es hat sich von 32 auf 20 °C abgekühlt. Aber so langsam komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus, was da um mich und Susanne passiert. Tolle Leute, gute Themen. Geschenke, Geschenke, Geschenke. Aber für heute ist es genug. Lest doch nächste Woche weiter, wenn es wieder heißt:   Öhmm…sehen wir dann.

 

Hauke

Bilder: Susanne Alexi

3 Reaktionen zu „running Transgermany Teil 2“

  1. Susanne

    Genial- freu mich schon auf Teil 3!

  2. Jens Vieler

    …und ich erst! :)

  3. guido huwiler

    hallo hauke
    spannendes leben, geniale reise dieser lauf durch D. bin sehr über die dynamik beeindruckt. herzliche gratulation! guido

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