30. November 2011
von Thomas Ehmke
Der Kein Idyllischer Landschaftlauf 50 (80 Kilometer)
Vorletzten Samstag war es wieder soweit: Es saßen 45 Teilnehmer eines Trail-Ultralaufes in einer kleinen Grillhütte oberhalb der Stadt Hildesheim und ließen sich von dem Veranstalter Michael Neumann und Susanne Holz, Angst vor Wildschweinen machen. Es war also mal wieder Zeit für den KILL 50, 50 Landmeilen also 80 Kilometer über die Trails des Hildesheimer Waldes, des Leineberglandes inklusive der Siebenberg und dem Tosmarkammweges. Ich bin schon das dritte Mal dabei und viele andere sind auch schon öfter auf der Strecke gewesen. Aber es gibt auch viele Frischlinge, die nervös an den Lippen von Michael Neumann hängen. Es ist ja auch außergewöhnlich Anfang November abends um 18 Uhr gestartet zu werden. Nur auf
Trails mit der Orientierung nach Karten, GPS oder Reflektoren, die nur noch vereinzelt in den Wäldern die Strecke markieren. Und als ob das alles nicht schon genug Schwierigkeiten ergeben würde, hat die Strecke auch noch 2200 Höhenmeter und Etappen von 25km, 25km und 30km. Es gibt nur zwei Verpflegungspunkte auf der Strecke und Streckenteile wo die Evakuierung eines Teilnehmers fast unmöglich ist. Nun, wer wenig Erfahrung mit einer solchen Herausforderung hat, den kann das nervös machen.
So auch ein guter Freund von mir, Michael Hartmann, dieser musste im Vorjahr nach einem Sturz bei Kilometer 50, verletztungsbedingt aussteigen. Dieses Mal ist der Plan, den KILL50 zu schaffen. Dafür hatte er sich vorgenommen mit mir zu laufen. Sicher für mich auch eine Herausforderung, weil Michael einen Marathon in nur etwas als 3 Stunden läuft. Also ist seine Grundgeschwindigkeit sehr viel höher als meine. Das wird mir ungewohnt viel Speed verleihen. So stehen wir am Start und machen noch lustig Späße bevor Michael Neumann sagt: „Auf meiner Uhr ist es 18 Uhr. Was steht ihr hier noch rum?“ Dann geht’s los in die Nacht!
Nach etwa einem Kilometer, genauer am ersten Anstieg, stellen wir alle fest, dass wir zu warm angezogen sind. Meine Winterbekleidung mit der zusätzlichen Warm & Wind Weste ist einfach zu war für 6`°C Außentemperatur. Also entscheide ich mich am Hildesheimer Aussichtsturm sie den Zuschauern zu geben, die sie mit zum Verpflegungspunkt nehmen.
Wir laufen in einem Pulk von ungefähr sechs Läufern. Nachdem sich ein paar Läufer vor uns schon verlaufen haben und ich ihnen gesagt habe wo es lang geht, läuft kaum noch jemand vor mir. Leider muss ich durch meinen Magen bedingt mehrfach in die Büsche schlagen. Das Intervall- Laufen, um die anderen danach wieder einzuholen, zehrt ein wenig an meinen Kräften. Aber die ersten 25km sind nach 2 Stunden und 35min geschafft und uns geht’s allen gut. Also ab auf die zweite Runde, 25 Kilometer mit 1000 Höhenmetern; meine schnellste Zeit auf diesem Stück im Wettkampf: drei Stunden zwanzig Minuten. Meinem Körper macht der schnelle Verlust der Nährstoffe und der Nahrung zu schaffen so dass ich mit Schwindel zu kämpfen habe. Ich sage Michael, dass er ohne mich weiterlaufen soll, er aber will nicht und bleibt bei mir. So kommen wir dann aber doch nach 3 Stunden und 10 Minuten von der Runde und mein Körper erholt sich langsam. Ich kann wieder flüssig laufen. Wir holen, jetzt in einer 4er-Gruppe, andere Läufer ein die sich verschätzt haben. Denn auf der letzten Runde bis zum Ziel sind die technisch schwierigsten Stücke gepaart mit ordentlich Höhenmetern. Michael und mir geht es aber gut.
Danach laufen wir wie gewohnt den Trail, wobei es bei mir richtig gut läuft aber bei Michael die Krise kommt. Jeder Läufer hat sie an einer anderen Stelle.
In Dickholzen angekommen, trinken wir noch was und dann geht es weiter nach Hildesheim auf den Steinberg. Der 4er-Trupp ist der KILL schon anzumerken, selbst auf leicht ansteigenden Stücken wird nur noch zögerlich angelaufen. Ich mache das auch nicht mehr, denn die Zeit in der wir unterwegs sind, ist okay und ich will ja nächstes Wochenende auch noch laufen können.So kommen wir nachher zu fünft ins Ziel mit einer Zeit von 10 Stunden und 7 Minuten. Alle auf Platz 6
Alle auch froh es geschafft zu haben und nach Essen, Bier und Dusche geht es endlich zum schlafen. Ach ja ich hab die ganze Zeit versucht, die anderen zu einem Run2KILL (zwei Runden) zu überreden aber so ganz sicher war sich keiner.
Im nächsten Bericht werde ich vom KOBOLT, Köln – Bonn, 140km Trail auf dem Rheinsteig, berichten.
Bis dann
Thomas