3. Februar 2012
von Robert Wimmer
Robert Wimmer – ein Ultraläufer im Interview
Wie wird man Ultralangstreckenläufer?
Als „Ultramarathon“ wird im Allgemeinen ein Wettlauf mit Distanzen über der Marathonlänge, also länger als 42.195 Kilometer bezeichnet. Ich habe das Laufen zum Abnehmen angefangen und meine Liebe für das lange Laufen entdeckt.
Die 3 ultimativen Tipps für Läufer, die einen Ultramarathon laufen wollen?
Die Anzahl der Trainingskilometer pro Woche sollten der geplanten Ultradistanz im Wettkampf mindestens entsprechen. Laufe und genieße! Lass’ das Minuten zählen sein und genieße den „Flow“ beim Laufen. Versuche beim Laufen zu trinken und zu essen, auch im Training.
Was war Dein schönster Langstreckenlauf bisher?
Der Transeuropalauf 2003 von Lissabon nach Moskau – 5036 KM in 64 Tagen.
Warum?
Es war einfach ein einzigartiges Abenteuer, durch Weißrussland und Russland zu laufen. Ja, ich habe den Lauf gewonnen!
Was motiviert Dich?
Mich motiviert beim Laufen, dass man sich erreichbare aber außergewöhnliche Ziele setzen kann, durch systematische Vorbereitung und mentale Stärke beim Laufen über sich und seine innere Landkarte hinauswachsen kann. Der Erfolg motiviert, wie überall.
Wie lautet Dein Motto?
„Ich will es, ich kann es, ich schaffe es!“ „Das Ziel muss im Kopf sein, denn der Horizont verheißt nur Unendlichkeit!“
Hast Du ein läuferisches oder sportliches Vorbild?
Na klar, mein Vorbild ist der ehemalige tschechische Weltklasseläufer Emil Zatopek, Olympiasieger, den ich persönlich kennen lernen durfte.
Wer war oder ist Dein Laufmentor? Gab es einen/eine?
Dr. Thomas Prochnow aus Halle, ehemaliger Marathon-Nationaltrainer von Katar; Buchautor und Vereinspräsident des USV Halle. Er war lange Zeit mein Trainer und Förderer.
Was machst Du, wenn Du bei einem Ultra durchhängst?
Wieso durchhängen, ist doch mein Hobby. Nein, im Ernst, ich male mir schöne Bilder im Kopf: z.B. wie ich meine Kinder im Ziel in die Arme nehme.
Oder ich sage mir Affirmationen vor: „Ich bin stark, ich bin stark, ich bin stark!“ Oder „Laufen ist schön, Laufen macht Spaß, ich laufe gerne!“
Wie wirst Du Dich auf den TEL 2012 vorbereiten?
Ich werde mehr trainieren als meine Mitläufer. Ich werde bessere Nahrung aufnehmen als meine Gegner. Ich werde es mehr wollen zu gewinnen als jeder andere Teilnehmer.
Wie wirst Du den TEL angehen?
Ich werde das abhängig von der Taktik der anderen flexibel gestalten. Nie, an keinem Tag überziehen. Das wäre fatal. Davon erholt man sich in den 64 Tagen und 4157 Kilometer kaum mehr.
Was sind Deine läuferischen Ziele für die Zukunft?
Ich möchte auch in Zukunft das Laufen lieben. Laufen ist mein Leben. Meine Vision ist „In 80 Tagen um die Welt“ zu laufen, angelehnt an das Buch von Jules Verne. Ca. 6500 KM in 80 Tagen. Die Route steht fest.
Wie sieht Dein Trainingsalltag aus?
MO: 2 x 12 KM + abends 10 KM
DI: 2 x 12 KM + abends 30 KM
MI: 2 x 12 KM
DO: 2 x 12 KM + abends 10 KM Tempo
FR: 30 KM
SA: 30 KM + abends 10 KM
SO: 40-60 KM
Wie schaffst Du den Dreiklang zwischen Familie, Beruf und Sport?
Laufen in die Arbeit, arbeiten 9-18 Uhr, laufen nach Hause, Emails checken, Familie checken, Abendlauf um Nürnberg rum…alles zeitlich sehr eng bis zum Transeuropalauf. Nach dem Transeuropalauf ist erst mal Familie, Erholung und Freizeit angesagt.
Was machst Du, wenn Du Dir eine Pause vom Laufen nimmst?
Ich unternehme etwas mit der Familie, lese viel und gehe in meine Sauna. Und ich esse gerne Süßes wie Gummibärchen und Schocki.
Was war Dein witzigstes Erlebnis beim Laufen?
Ich bin mal beim Transeuropalauf 2003 statt nach Paris, Richtung Versailles gelaufen. OK, war gar nicht so witzig, da ich an diesem Tag einer der letzten im Ziel war ![]()
Wie bist Du auf die Idee mit dem Abschneiden des Schuhschaftes vorne an der Zehenkappe für den Transeuropalauf gekommen?
Das habe ich mir beim Transeuropalauf 2003 von den Japanern abgeschaut, um meine Füße vor Blasen zu schonen; weniger Reibung an den Zehen.









Die wichtigste Frage für jeden verletzten Sportler: Wann komme ich wieder zurück in den Wettkampf?