Der frubiase® SPORT blog

24. August 2010
von Tobias Sauter

Enttäuschung in Barcelona

Es ist kurz vor 12 Uhr am 1. August 2010. Ich hatte mir so viel vorgenommen für den heutigen Tag. Jetzt ist alles vorbei, es geht nichts mehr. Teamarzt Dr. Nieß kann es nicht mehr verantworten, mich weiterlaufen zu lassen, bleich und dem Kollaps nahe. Ich kann meine Tränen kaum zurückhalten.
Die EM in Barcelona war mein zweiter großer Traum nach der WM in Berlin, wo ich mich mit abgerissener Sehne und Bandscheibenvorfall ins Ziel schleppte. Diesmal sollte alles besser laufen. Das Training lief gut, ich fühlte mich bereit. Am Donnerstag flogen wir Marathonis von Berlin über München nach Barcelona, elf Stunden waren wir unterwegs. Aber es blieben ja noch zwei Tage zur Akklimatisierung an die Hitze und Schwüle, die wir leider die Tage zuvor in Berlin nicht hatten. Ich würde jetzt gerne etwas dazu sagen, in Sachen Anreise usw., aber ich möchte nicht, dass es so rüberkommt, dass ich jetzt nur nach Ausreden suchen würde. Die Enttäuschung von mir selbst ist dafür zu groß. Anspannung, Freude und Hoffnung auf ein gutes Rennen kamen am Samstag auf. Teilweise mit Freudentränen. Dieses Event ist einfach genial, vor allem wenn ich überlege, dass ich vor ein paar Jahren davon nicht einmal geträumt hätte, als Hobbyläufer, der mit 3:16 eingestiegen ist und nie irgendwie in einem Verein war. Es war ein Traum und ich freute mich unglaublich, für mein Land starten zu dürfen, das zweite Mal. Und diesmal würde es besser laufen. Schließlich hat ja in der Vorbereitung alles gut geklappt. Der Startschuss fiel und es ging los. Bereits nach zwei Kilometern merkte ich, wie die Hitze und die schwüle Luft mich gar nicht so locker laufen ließen, wie ich es mir erhofft hatte. Es war unglaublich. Ich beschloss bei einer kleineren Gruppe mitzulaufen. Leider zerschlug sich diese recht schnell. Die Kilometerzeiten waren unterirdisch. Ich versuchte mir einzureden, ruhig zu bleiben und mich darauf zu konzentrieren, langsam das Tempo zu steigern. Bei Kilometer 15 bemerkte ich, dass ich nahezu nichts von meinen Getränken hinunter bekam, zwei oder drei Schlucke und das Seitenstechen setzte ein. Der Halbmarathon war geschafft, es ging mir kurzzeitig besser und ich bekam Hoffnung. Bei Kilometer 25 war plötzlich wieder alles anders, mein Körper wollte nicht mehr, ich musste mich konzentrieren, um nicht gehen zu müssen. Ich wollte kämpfen, noch 17 Kilometer. Bei Kilometer 30 blieb ich stehen, um zu trinken. Der Mannschaftsarzt sah wie meine Situation aussah. Ich wollte weiterlaufen, er versuchte mich davon abzuhalten. Ich weiß nicht ob ich in diesem Augenblick noch 100%-ig bei Sinnen war. Aber ich wollte unbedingt weiterlaufen. Es war das Ende, aus, vorbei bei Kilometer 30. Ich wollte nur noch aus diesem Alptraum aufwachen, es war leider keiner. Die Enttäuschung war und ist riesengroß. Ich werde wohl noch ein paar Tage brauchen, um neue Kraft zu sammeln und das Ganze zu verkraften. Ich werde jetzt versuchen, mich darauf zu besinnen, warum ich das Alles mache. Und es ist einfach, weil ich das Laufen liebe, ich mache den Sport für mich, ich konnte Träume realisieren, die mir nie jemand zugetraut hatte. Genauso wie es jetzt auch ist. Was interessieren mich die sogenannten „Expertenmeinungen“, die mich nicht kennen oder jemals unterstützt haben? Meine Träume begrabe ich, wann ICH das will, und soweit ist es noch lange nicht. Never give up your dreams! Es sind doch meine Träume, oder nicht?

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20. August 2010
von Thomas Ehmke

Es geht wieder los… The North Face Ultra-Trail du Mont-Blanc

Letztes Jahr war ich auch schon beim Ultra-Trail du Mont-Blanc. Damals hatte ich mir geschworen: „Das mache ich nicht noch mal.“ Aber irgendwie hab ich das nicht durchgehalten. Also geht’s nächste Woche am 27.08.2010 um 18 Uhr in Chamonix / Frankreich auf die Strecke.
Letztes Jahr war es mir nicht möglich unter der 40-Stunden-Marke zu bleiben. Es waren am Ende sagenhafte 42 Stunden und 48 Minuten Non-Stop, ohne eine Minute Schlaf oder Ruhe. Mal schauen wie es dieses Jahr wird… ich bin gespannt!
Ich denke aber nicht, dass es weit unter 40 Stunden bleiben wird… Ihr dürft also auf den Bericht gespannt sein!

Hier noch ein paar Infos vom Veranstalter zum UTMB:
„Schon vom ersten Lauf ab wurde er «Lauf der Superlative» genannt. Mit seinen 166 km und 9400 positiven Höhenmetern, die in maximal 46 h zurückgelegt werden müssen, ist der UTMB® der begehrteste Lauf, ein Lauf rund um das Mont-Blanc Massiv, den jeder Ultra-Trail Läufer einmal im Leben vollständig gemacht haben muss!“

Ich setze noch einen drauf, und mache den UTMB einfach zwei Mal :)
Mehr davon erfahrt Ihr im nächsten Beitrag.

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19. August 2010
von Hauke König

Kalte Herberge, Notschrei, Toter Mann

Es geht Schlag auf Schlag, ein Lauf folgt dem anderen. Und um alles schön nacheinander aufzuarbeiten, kommt jetzt erstmal mein angekündigter Bericht vom Schwarzwaldlauf. Ein ausführlicher Beitrag zum Elbelauf kommt dann nächste Woche – versprochen. Also:

Kalte Herberge, Notschrei, Toter Mann – das sind nicht etwa Eckpunkte eines Edgar Wallace Krimis, sondern Orte. Und die haben alle eines gemeinsam: Sie liegen auf dem Westweg. Das ist der Name eines Wanderweges von Pforzheim nach Basel, der von Nord nach Süd den Schwarzwald durchläuft.  Ich parke mein Wohnmobil in der Nähe von Müllheim, fahre mit dem Zug nach Pforzheim und beginne vom Kupferhammer, der goldenen Pforte zum Schwarzwald mein Vorhaben, den Schwarzwald in einem Rutsch zu durchqueren. Dort treffe ich auf drei Wanderer, die wie ich auch den Westweg wandern wollen. Sie haben sich allerdings 13 Tage Zeit eingeräumt. Ich drei. Plus zwei Nächte.

Die drei sind hoch motiviert und stecken mich mit ihrer guten Stimmung an. Wir tauschen die Handynummern aus und sie versprechen, mir die Fußball WM Ergebnisse per SMS mitzuteilen. Für mich ist es allerdings wichtiger zu wissen, dass da noch Leute mit mir auf dem Westweg sind, die ich in einer eventuellen Notsituation anrufen könnte. Das ist gut für den Kopf. Wir starten gleichzeitig um 11:00 Uhr am Dienstag. Sie wandern, ich laufe. Die ersten Meter beginnen steil. Es geht entlang der Enz auf einem komfortablen Wanderweg und ohne nennenswerte Steigungen. Dann durch Neuenbürg und auch mitten durch die Burganlage in Richtung Dobel. Dort laufe ich den Schildern folgend aus dem Dorf in Richtung Wald. Nach etwa einem Kilometer sagt mir dann ein weiteres Schild, dass die Westwegroute geändert wurde und ich wieder zurücklaufen solle. Was soll das denn?  Das Schild hätte man doch auch einen Kilometer vorher anbringen können. Egal.

Weiter in Richtung Forbach und langsam nähere ich mich auch den 1000m ü.n.N. Am Hohlohturm sind es 984m. Aber dann geht es auch schon wieder runter. In Forbach decke ich mich beim hiesigen Supermarkt mit Cola und Brezeln ein. Und wieder geht es bergauf. Lange und steil. Ich wandere immer schnell bergauf und laufe, wenn es gerade oder bergab geht. Am Seekopf bin ich das erste Mal auf dem Weg über 1000m hoch. Das Wetter hat bisher hervorragend mitgespielt – sonnig, 23-26°C. Aber jetzt kommt die Nacht und ich fülle noch einmal die Trinkblase am St. Johannes Brunnen auf, mitten im Wald. Auf der Badener Höhe angelangt wird es dunkel. Dort oben herrscht in der Dämmerung ein unwirkliches Licht und ich fühle mich an Süd Frankreich erinnert. Sandiger Boden, kniehohe Büsche und  Kiefern. Und es riecht nach Urlaub. Es folgt eine Passage durch ein Hochmoor. Hier soll es Auerhähne geben, aber um diese Zeit ist alles, was ich in den Lichtkegel meiner Stirnlampe bekomme, eine skurril anmutende Flora. Am Hochkopf verliert sich dann plötzlich die Wegmarkierung. Ich versuche jeden Weg, der von dem dortigen Parkplatz aus abgeht, aber Schilder finde ich nicht. Vielleicht bin ich zu müde oder vielleicht ist es einfach zu dunkel. Ich setze mich auf eine Bank und warte frierend auf den Sonnenaufgang. Der kommt aber nicht, sondern es wird einfach nur heller. Also noch mal auf Schildersuche. Nix. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als die Bundesstrasse 500 entlang zu laufen. Das ist ein abenteuerliches Unterfangen, weil es hier keine Radweg oder ähnliches gibt und sich im Morgengrauen einige Autos bereits durch lautes Reifenquietschen ankündigen und kurze Zeit später mit sehr hoher Geschwindigkeit an mir vorbeirauschen.

Am Morgen bin ich dann um 06:00 Uhr am Mummelsee. Dort gibt es ein Hotel und versuche hier an einen Kaffee zu kommen. Leider noch geschlossen. Dann treffe ich auf einen Bäcker aus dem acht Kilometer entfernten Seebach. Er bietet mir an, mich dorthin mitzunehmen. Es gäbe dort den besten Kaffe der Welt, mit Quellwasser aufgebrüht. Ich fahre mit und stelle fest: Ich muss mich festhalten. Die scheinen hier alle zu fahren wie die Henker.  Und: Es geht stetig bergab. Das bedeutet, ich muss da gleich wieder hoch. Egal, für einen guten Kaffe (oder auch zwei) lohnt sich die Mühe. Von dem dortigen Kaffee würden sich  einem normalerweise die Fußnägel hochklappen, aber in meinem Fall ist es tatsächlich der beste Kaffee der Welt. Obgleich ich beim Trinken immer an den Werbespot mit der Faust, die aus der Kaffeetasse kommt denken muss.

So, und nun wieder acht Kilometer und 600Hm zurück zum Westweg. Es wird immer wärmer. Und schon am Vormittag sind es über 30°C. Ich nutze jeden Brunnen zum Erfrischen und tauche Trikot und Kopf  ins Wasser. Kurz vor Hausach werden die Trails fieser. Kurze felsige Anstiege, die genauso kurz und steil wieder herunterführen. Ich bin genervt von der Strecke, aber ich muss da durch. Und dann ein echt steiler und ewig  langer Abstieg. Das erste und einzige Mal spüre ich hier schmerzhaft meine Knie. Wieder rauf über die Wilhelmshöhe und Neueck. Der Rucksack wird immer schwerer und die Schultern tun bei jedem Schritt weh. Hätte ich bloß weniger Zeug eingepackt.

Die Konzentration kann ich mittlerweile aus äußerst mangelhaft beschreiben. Ich laufe, wandere und versuche nicht an meine Füße oder Schultern zu denken. Ich hatte zwischenzeitig immer wieder überlegt, meine Schuhe und Socken zu wechseln. Aber erstens hatte ich keine Lust auf diesen „Wahnsinns-Aufwand“ und zweitens hatte ich Angst mir meine Füße anzuschauen. Also lieber alles so lassen. In der Nacht setze ich mich irgendwo im Wald in eine Schutzhütte und nicke kurz ein. Als ich aufwache, zittere ich am ganzen Leib und es bleibt mir nichts anderes übrig, als mich wieder warm zu laufen.

Als es wieder hell und sehr warm wird, ist Titisee schon ausgeschildert. Und weil es heute bis zu 38°C werden sollen, hoffe ich, dass der Weg direkt am See vorbeiführt und nicht 400m oberhalb verläuft. Ich habe Glück und springe mitsamt Klamotten in den See. Nach zwei Tagen ohne Dusche ist das genau das Richtige. Schuhe und Socken will ich jetzt eh wechseln, der Rest bleibt an. Ich erhoffte mir allerdings vom Titisee das, was sich eine Berglaie wie ich unter einem Bergsee halt so vorstellt: frisches, klares, kaltes Wasser. Leider war es lauwarme Brühe.

Egal, Hauptsache einmal komplett nass und wenigstens ein bisschen erfrischt. Beim Schuhwechsel stelle ich fest, dass meine Trinkblase nicht völlig dicht hält und so ist mein Paar Ersatzschuhe ebenfalls nass. Und klebrig. Na toll. Jetzt werfe ich doch noch einen Blick auf meine Füße. Uhhhh….schnell mit Pflaster versorgen, trockene Socken und klebrige Schuhe an und weiter.

Jetzt geht es auf den Feldberg. 1493m ü.n.N. Ein wunderschöner Aufstieg, der erstaunlich leicht für mich zu wandern ist. Was mir allerdings schon ab etwa 15 Kilometer vor Neustadt auffällt: Hier wandert die Welt. Die Wanderwege sind total voll mit Menschen. Fast sehnsüchtig denke ich da an die zurückliegende Strecke zurück, bei der ich kaum Menschen begegnet bin. Einmal sehe ich ein paar ältere Herrschaften an einem Wanderparkplatz aus dem Auto steigen und folgendes sagen: „Boah, hast du dir das auch gut überlegt? Wollen wir wirklich da ganz hinwandern?“ „Ja, laut Karte sind es acht Kilometer.“ „Was? Acht Kilometer? Bist du wahnsinnig?!“  Ich sag mal nix und laufe breit grinsend vorbei. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen nur noch die geraden Streckenteile zu laufen und sowohl hoch, als auch runter zu wandern. Das liegt am Zustand meiner Füße. Auf dem Feldberggipfel sind es  26°C. und wolkenloser Himmel. Ich fotografiere und stolpere weiter über Notschrei und Wiedener Eck in Richtung Bällchen (mit 1414m die zweithöchste Berg im Schwarzwald).

Ich blicke in höheren Lagen immer wieder zurück und versuche mir klar zu machen, dass ich all diese Berge überquert habe. Aber es ist für mich nicht fassbar. Völlig surreal. Und gleichzeitig kehrt eine totale innere Stille ein. Fast schon Melancholie. Aber eben ohne Melancholie. Ich bin leer, keine Gedanken mehr an Höhenmeter, schmerzende Schultern oder Füße. Das schnelle Bergaufwandern macht mir jetzt immer weniger Schwierigkeiten. Ich habe mein Tempo und kann das problemlos durchziehen. Es ist schon wieder dunkel, als ich nach etwa 248 Km, weit über 7000 positiven Hhm und 59 Stunden auf der Strecke mein Wohnmobil in der Nähe von Müllheim (zwischen Freiburg und Basel) erreiche. Eigentlich fühle ich mich jetzt wieder ganz gut. Ich versuche mir vorzustellen, dass ich jetzt gerade wirklich den Schwarzwald durchquert habe. Aber irgendwie ist das noch nicht bei mir angekommen. Zwar fühle ich mich nicht wirklich müde, schlafe aber sofort ein.

Fazit:  Ich kann nur zu sehr, sehr wenig Gepäck raten. Ersatzschuhe hätte ich zuhause lassen können und die meisten meiner Textilien ebenfalls. Der Weg ist gut beschildert und es gibt immer wieder Quellen und Brunnen am Wegesrand. Die Landschaft ist teilweise bizarr bis atemberaubend und dazwischen abwechslungsreich. Würde ich das noch einmal machen? Ein ganz klares JA! Allerdings in Etappen.

Zum Schluss noch ein Dankeschön an Tante Asics, die wieder einmal ganz tolle Sachen für mich gestrickt und gebastelt hat ;-)

Und wie gesagt: Vom Elbelauf hört Ihr nächste Woche.

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18. August 2010
von run4miles

Das war der Ironman 70.3

Es ist geschafft, der Ironman 70.3 ist für mich Geschichte und stößt mir das Tor für Hawaii auf. Denn erst durch ein erfolgreiches Finishen in Wiesbaden, darf ich auch nach Hawaii zum legendären Ironman. Ein gewisser Druck lastete dadurch vor dem Rennen auf meinen Schultern. Man weiß ja nie, was so passieren kann in einem Ironman Rennen. Nun aber zu meinem Wochenende:

Check-in

Am Samstag fuhr ich mit einem Freund um 10 Uhr los in Richtung Wiesbaden (145km). Daniel war leider nicht dabei, da er mit einer Erkältung zu kämpfen hatte. Der erste Stopp war das Kurhaus in Wiesbaden. Hier holten wir unsere Startnummern ab und liefen noch einmal kurz über die Triathlon- Messe. Nach Abholung der Unterlagen ging es ab zum Schiersteiner Hafen, zum Rad Check-in. Dort war alles super organisiert und es gab keine langen Wartezeiten. Ich platzierte mein Rad an der vorgesehenen Stelle und deckte es mit einer Regenplane ab. Nach dem Check-in fuhren wir nach Frankfurt zu unserer Unterkunft (Eine Freundin von meiner Schwester überließ uns Ihre Wohnung für die Nacht. VIELEN DANK NOCH MAL!)

Race Day

Um 5:50 Uhr klingelte der Wecker. Och Gott war das früh :-(   Wir zogen unsere Race-Outfits an und gingen geschätzte 18 Mal auf die Toilette, hehe:-)  Während der Autofahrt, schob ich mir dann noch Toastbroat mit Marmelade zwischen die Kiemen. Am Schiersteiner Hafen angekommen, gingen wir noch mal zu unseren Rädern. Auf einmal ging es so was von ab und es regnete wie aus Eimern. Alles nass, das komplette Zeug: Helm, Schuhe, Handschuhe, wirklich alles nass. Der Boden wurde auch immer weicher und weicher. Viel Zeit blieb aber nicht, um sich drüber zu ärgern.

Swim (31:25 Minuten)

Pünktlich zum Einschwimmen war ich am Schwimmstart im Hafenbecken. Das Wasser war dreckig und man konnte kaum seine eigene Hand sehen. Ich fühlte mich zu diesem Zeitpunkt richtig fit und beschloss, ganz nach vorne an die Startlinie zu schwimmen :-) Um 8:30 Uhr fiel der Startschuss.

Die ersten 100m schwimme ich immer ein recht hohes Tempo, damit ich mich von    den Schlägen und Tritte meiner Mitstreiter distanziere. Nach ca. 100m blickte ich kurz aus dem Wasser und sah, dass vor mir niemand war. Daher drosselte ich das Tempo, um nicht zu schnell anzugehen. Ich fand aber schnell meinen Rhythmus. Bei der Wendemarke (950m) überholte ich bereits Leute aus der Gruppe, die zehn Minuten vor mir gestartet waren. Nach ca. 1.500m zog ich das Tempo noch mal kurz an und dann kam auch schon die erste Wechselzone.

Während dem ersten Wechsel regnete es wieder wie in Strömen. Ich dachte mir, EGAL einfach locker angehen, Hauptsache finishen. Ich zog mein Neo aus und die nassen Radschuhe, Helm und Handschuhe an und ab die Post.

Bike (3:18 Stunden)

Die ersten 10km auf dem Rad waren zum Einfahren. Aber nach exakt 10km kommt schon der erste Knaller. Es geht ungefähr  4km mit einer durchschnittlichen Steigung von 8% durch ein Waldstück. Wer hier zu schnell fährt, hat für die komplette Radstrecke verloren.

Die erste Abfahrt war die Hölle. Nur Regen, neuer Asphalt und überhaupt keine Sicht durch die Brille. Daher beschloss ich, meine Brille abzuziehen und ohne weiter zu fahren. Nach der zweiten Abfahrt (65 km/h) konnte ich nicht rechtzeitig bremsen und schoss in einer Kurve gerade aus in eine Wiese. Zum Glück konnte ich mich auf meinem Rad halten. Wenn ich hier gestürzt wäre, dann hätte ich mich ernsthaft verletzt und ein Weiterfahren wäre nicht möglich gewesen. Das Problem lag an der nassen Fahrbahn, die war so glatt, dass man ständig berg ab bremsen musste. Zudem regnete es immer noch ziemlich stark – Sicht gleich Null. Der Freund von mir, musste leider nach 60km aufgrund von Unterkühlung aufgeben. Er wurde mit dem Krankenwagen zum Ziel gefahren.

Nach 80km kam die schnellste und längste Abfahrt. Sie betrug 10km und führt direkt zum Ziel. Die letzten 10km habe ich kein einziges Mal getreten. Ich zog lediglich an der Bremse, um nicht schneller zu werden. Bei dieser Abfahrt wurde mir richtig kalt und ich fing an zu zittern. Aber zum Glück war das Radfahren danach beendet.

Run (1:51 Stunden)

Der Wechsel verlief problemlos. Nach 2 Minuten und 41 Sekunden war ich bereits auf der Laufstrecke. Die Laufstrecke hatte es ebenfalls in sich. Es mussten vier Runden à 5 km gelaufen werden. Der Belag war purer Schlamm und Matsch. Ich sah bereits nach kurzer Zeit aus wie Christian Brenner beim Strongman Run :-)

Ich fühlte mich richtig gut und konnte mein Tempo locker durchlaufen. Ich war zwischendurch noch auf dem Klo und habe mich nach jeder Runde kurz mit meinen Eltern unterhalten. So viel Zeit muss sein :-)

Nach 1:51 Stunden erreichte ich schließlich das Ziel und war froh, dass ich heil angekommen war. Das Radfahren war echt ein Höllenritt.

Ziel – Fazit (Gesamtzeit: 5:48:32 Stunden)

Meine Laufschuhe habe ich erst gar nicht mehr mitgenommen. Die waren sooooooo dreckig. Man konnte kaum erkennen, dass es sich hier um Laufschuhe handelte.

Insgesamt betrachtet, bin ich sehr zufrieden, obwohl bei besserem Wetter eine Zeit um die 5:30 Stunden möglich gewesen wäre. Ich habe aber bei der Radstrecke so oft gebremst, was mir wohl ziemlich viel Zeit kostete. Aber egal, finishen war das Hauptziel und das habe ich geschafft. Meine Zielzeit habe ich gerade schon nach Hawaii gemailt und somit steht mir für den Start am 9.Oktober 2010 nichts mehr im Wege. Ich freue mich schon riesig drauf.

Zur Vorbereitung stehen noch zwei Wettkämpfe an. Am 5. September werden Daniel und ich in Frankfurt bei der Olympischen Distanz beim City Triathlon an den Start gehen. Und am 19. September bestreite ich dann noch den Halbmarathon in Karlsruhe, um meine Laufform abzuchecken, bevor es dann am 30. September nach Hawaii geht.

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13. August 2010
von Carsten Alfred Mattejiet

Self-Transendense Race Kladno

Kladno, eine Industriestadt in der Tschechischen Republik, liegt 25 km vor Prag. Am 30. Juli wurde dort in einem Sportpark der 48 Stunden Self-Transendence Race durch das Sri Chinmoy Team ausgerichtet. Genau vor 15 Jahren, stand ich das erste Mal bei einem 48 Stunden-Lauf an der Startlinie.
Die Laufstrecke verlief zwischen Leichtathletik Stadion, Hochwald –Kletterwald, Reitplätzen, Kinderspielplätzen, Schwimmbad und Fußballplätzen. Zu 80 % lag die Strecke im Schatten, im weiteren Verlauf der drei Tage waren wir Aktiven sehr froh darüber :-) Lediglich an der Tribünengeraden, dies war auch das einzige Stück Verbundpflaster, war kein Schatten. Naja, es war ja schließlich die Tribünengerade, es wäre ja sonst wenig Sicht auf das Leichtathletik-Stadion :-) Hier waren die Zählerzelte, alle vier Stunden wechselten sich diese ab, eine große Tafel mit dem aktuellen Kilometerständen der besten sieben Männer und Frauen und die lange Versorgungsgasse. Das Sri Chinmoy Team hatte zwei Sanitätszelte, eine Küche und ein Esszelt aufgebaut. Dazu noch Zelte für die individuelle Betreuung. Kurz dahinter habe ich mein Zelt aufgebaut – meine drei Kinder und meine Frau haben mich betreut.

Freitag um 12 Uhr ging es los. Es war schwierig für mich, das richtige Tempo zu treffen. Nach 1,5 h war ich aber an der Führung. Nach genau vier Stunden erreichte ich die Marathonmarke, nach sechs Stunden hatte habe ich 62 km. Die 100 km beendete ich nach 10:18 h. Das war eigentlich alles zu flott. Doch es lief…
12 Stunden und der erste Richtungswechsel stand an. Der Stand der Zählertafel: 111 Kilometer. Klasse, also eine neue persönliche Bestleistung über 12 h. Mein Schweizer Mitläufer lag zu diesem Zeitpunkt eine Runde hinter mir. Wir verabredeten nach 101 km etwas ruhiger zu laufen. Gesagt, getan.
In der Nacht wollte ich mich kurz für eine Pause hinlegen, dumm nur, dass ich keinen Wecker stellte. Denn erst nach zwei Stunden wurde ich wieder wach. Doch relativ erholt ging es wieder auf die Kilometerjagd. Mittlerweile war ich auf dem siebten Platz gerutscht. Andere waren eben auf der Strecke geblieben. Doch das ist Nebensache, es ist ja ein Rennen gegen den inneren Schweinhund. Ein jeder hat da so seine eigene Motivation zu. Ich teilte mir die Zeit in „Arbeitstage“ ein. Acht Stunden war eine Schicht, darin ist eine kurze Pause und eine längere Pause. Beim zweiten Richtungswechsel zeigte die Tafel an, dass ich auf dem vierten Platz lag und 185 km auf dem Tacho habe. Sehr gut!

Die Verpflegung war einfach Klasse: viele verschieden Sorten Tees, von anregend bis magenberuhigend war alles dabei. Brote, Kuchen, Kekse. Softdrinks und anderes. Nudeln, Reis, Pfannkuchen und zu meiner Überraschung auch Sushi. So kam ich zu meinem ersten Genuss von Sushi bei diesem 48 Stunden Lauf in der Tschechischen Republik.
Es ging in die zweite Nacht. Alles fiel mir jetzt sehr viel schwerer, das System Magen, Darm, Kopf waren irgendwie an der Grenze. Maximum! Doch es geht ja irgendwie weiter. Viele kleine Pausen stellten sich ein. Erschöpfung und Müdigkeit.
Mit dem Sonnenaufgang am dritten Tag wurden wieder alle Lebensgeister geweckt. 5,4,3,2,1 Stunden. Die Zeit fing an zu fliegen.

Sonntag 12 Uhr, Stille im Sportpark. Das Rennen ist beendet. Gemeinsames Mittagessen, wer möchte, und danach die sehr würdige Seigerehrung. Ich durfte die Medaille und den Pokal für den dritten Platz in Empfang nehmen. Dazu ein großes Präsent und die Urkunde. 297,807 Kilometer habe ich erlaufen. 20 Kilometer mehr als vor 15 Jahren.

Herzliche Grüße
Carsten

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