Zum Jahreswechsel nehmen wir uns ja immer jede Menge guter Vorsätze vor oder wir holen noch schnell nach was im letzten Jahr versäumt wurde. Vor 15 Jahren habe ich das erste Mal einen Silvester- und Neujahrslauf über je 50 km absolviert. Vor fünf Jahren hatte ich die Idee, über den Jahreswechsel zu laufen. Doch wer würde für einen Silvester-Marathon in der Nacht kommen? In diesem Herbst kam mir beim Training die Idee, einen 100 Meilen-Lauf zu veranstalten sein. Nur zwei Verpflegungspunkte bedeuten maximale Versorgung der Aktiven und minimalen Aufwand bei den Helfern. Ich hatte ein Limit von 25 Aktiven gesetzt. Dabei waren natürlich Lauffreunde aus der Region.
Für den 100-Meilen-Lauf kamen wir auf neun Meldungen. Kurz vor dem Start sagten aber noch zwei Aktive ab. So standen wir am 31. Dezember mit sechs Männern zwischen 19 und 61 Jahren am Start. Lilienthals Bürgermeister Willy Hollatz schickte uns um 6:23 Uhr ins Rennen. Der Prolog des Rennens war ein Runde von zwei Meilen durch den Lilienthaler Ortskern. Entlang der Wörpe ging es an der Klosterkirche vorbei. Nun begann der Weg in die Truper Blänken und in das St. Jürgensland. Dichtes Schneetreiben und eine steife Brise ließen schon ahnen, was uns erwarten sollte. Doch wir waren alle guter Dinge. Vom Start lief ich mit dem Sportfreund Hauke König vorne weg. In der ersten Runde lief auch unser Bürgermeister mit, der seinen Silvesterlauf auf 19 km ausdehnte.
Jede Runde trugen wir uns auf Höftdeich und am Truper Kunstcafe in das Rundenprotokoll mit der aktuellen Uhrzeit ein. Eigentlich war ich bislang zufrieden, doch Hauke nicht. Wir hatten ja erst 19 km schon und noch nicht mal 10 Meilen. Kleiner Irrtum bei Hauke:-) Von nun an pendelten wir auf der 8 km langen Strecke hin und her. Positiv war für mich war, dass wir das Feld sehen konnten. Und mir wurde nicht so langweilig wie bei den üblichen „Kreisläufen“. Als Veranstalter konnte ich auch sehen, wie es den einzelnen Startern ging. Ein bisschen Gedanken machte ich mir um Martin Traeder, dem jüngsten Starter. Nach 50 km entschied er sich zu einem vorzeitigen Ende des Rennens. Größe wird auch oft dadurch gezeigt, seine eigene Leistungsfähigkeit richtig einzuschätzen und dann die notwenige Konsequenz zu ziehen. Martin fuhr nach Hause
Thore und Erik Mattejiet bei dem Depot
in Trupe
Um 10 Uhr starteten die Marathon- und Halbmarathonläufer, auch zwei Frauen waren darunter. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 35km absolviert, alles lief nach Plan. Am Truper Cafe warteten nun für die kommenden vier Stunden meine drei Kinder und meine Frau. Anke und Frenja hatten den Ablauf der beiden Rahmenwettbewerbe übernommen. Außerdem wollte die übersichtliche Menge von Interessierten informiert werden. An dem Pit-Stopp hatten Hauke und ich noch ein paar Sätze mit dem Redakteur der lokalen Zeitung gewechselt.
Wir spulten gemeinsam unsere Kilometer ab, mal ging der eine in Führung, mal der andere. Doch es setzte sich keiner wirklich ab. Langsam wurde die Strecke wieder einsamer und durch das Dorf Trupe war die Straße richtig schwierig zu laufen. Da war es fast ein Segen, dass es wieder anfing zu schneien, denn der Schnee stumpfte die glatte Strecke ab. 80 Kilometer waren wie im Fluge gelaufen, ich lief auf die 100 km zu und ich schloss wieder zu Hauke auf.
Als wir die 100 Kilometermarke erreichten, setzte Hauke neue Energie frei und sicherte sich die 100 km Wertung mit drei Sekunden Vorsprung. Nun begann für mich das Rennen. Auch wenn auf der Kilometerbilanz mehr auf der Haben-Seite stand als auf der Soll-Seite, war es für mich erst die Halbzeit.
Hauke König und ich nach 113 Kilometern
Es kam die Dunkelheit, aber dank des schneereichen Winters war es hell, und der Vollmond sorgte für Beleuchtung. Eulen und Füchse waren jetzt unterwegs. Ich war erstaunlich locker, das lag auch an meiner optimalen Kleidung. Warme Muskeln hatte ich, das war gut so. Hauke hatte sich einen Vorsprung von einer guten halben Meile erarbeitet. Ich lief jetzt erst einmal im „Auto Run Modus“ – spulte weiter Kilometer für Kilometer ab.
Irgendwann lief ich zu Hauke auf, der auf einmal gar nicht mehr gut unterwegs war. Mich als Veranstalter machte es traurig, dass er sein Rennende mitteilte. Er wollte auch schnell nach Hause zu seiner kleinen Tochter und seiner Frau. Jetzt waren wir also noch vier Aktive im Rennen. Alle brachten ihren Lauf zu Ende.
Zum Jahreswechsel kam ich am Kunstcafe an, traf meine Frau und meine Tochter und meinen Freund aus Dänemark. Ich freute mich sehr, die drei zu treffen. Meine beiden Jungs, Erik und Thore, schliefen bereits. Wir wünschten uns ein gutes Neues Jahr und dann musste ich weiter – zehn Meilen warteten noch.
Michael Eilers auf dem Weg in die
Truper Blänken
Es wurde die zehn längsten Meilen. Ein wunderbarer Panoramablick über das ganze Sankt Jürgensland, Bremen und Bremen- Nord entschädigten mich aber. Ich wusste, dass ich beide Zehennägel der Großzehen verloren hatte, doch Schuhe ausziehen wollte und konnte ich nicht. Doch laufen war sehr schwer. Auf Höftdeich machte ich eine längere Pause, die erste. Ich kam früh morgens in Trupe an, das Dorf war ganz ruhig, die Lichter in den meisten Häusern aus. Ganz still und leise war es, es hatte angefangen zu schneien und um 2:41 beendete ich den 1. X-Bionic-St.Jürgensland.
Im Ziel nach 161 Kilometern in der
Silvesternacht
Gegen 6:00 Uhr kam der Zweite, Heiner Schütte, ins Ziel. Kurz vor 9:30 Uhr am Neujahrsmorgen erreichten Helmut Rosieka und Michael Eilers gemeinsam als dritte das Ziel. Der Lauf fand seien Abschluss im Kunstcafe, bei Kaffee und Kuchen. Bürgermeister Willy Hollatz war mit seiner Frau vorbeigekommen und jeder Aktive bekam einen Kunstkalender geschenkt.