15. Mai 2012
von Thomas Ehmke
Heiß – lang – schön – Hexenstieg Ultralauf
Eigentlich müsste es heißen: Sehr heiß – sehr lang (Zeit) – sehr schön (einfach alles, Trail Orga, Wochenende). Was für ein Wochenende: Der Hexenstieg, hat vermutlich jeder gelesen, ist mittlerweile ist ein Premium Wanderweg der von Osterode nach Thale führt. Er verläuft von West nach Ost durch den Harz, wahlweise mit Brockenüberschreitung (1142m) oder ohne. Die Idee einen Ultralauf auf dem Hexenstieg durchzuführen, hatte Michael Frenz; Nonstop von Osterode nach Thale und direkt auf der Südroute zurück nach Osterode; 200 Kilometer mit 4400 Höhenmetern und einem Zeitlimit von 48 Stunden. Seinen Ruf (Einladung) folgten dann doch 28 Läufer und Läuferinnen in das schöne Osterode im Harz. Das Hotel Harzer Hof wurde mal kurz komplett für diesen Lauf bebucht und Stephan Zirbus und seine Crew kümmerten sich um alles was das Läuferherz begehrt. Ich bin mit Inge am Freitagnachmittag angereist und wir bekamen gleich ein tolles Zimmer für uns allein unter dem Dach. Inge ist kurz entschlossen zur Helfercrew mitgebucht worden und hatte so die Möglichkeit mich und andere bei einem solchen Lauf zu erleben. Dass das Ganze für die Helfer ebenso wenig Schlaf wie für die Läufer bedeutet weiß sie jetzt auch. Helfer müssen ja bekanntlich ähnlich belastbar sein wie Läufer.
Die Teilnehmer Schar las sich wie das „Who is who“ der Ultratrail Läufer. Ebenso gespannt waren wir alle, wer wohl nach wie vielen Stunden ins Ziel kommen würde. Klar war schon früh, dass es wohl Rene Strosny sein würde. Er ist amtierender deutscher Meister über 24 Stunden und Gewinner des Deutschland Laufs. Wer es danach werden würde, darüber wurde dann noch spekuliert. Mein Plan war das Ziel zu erreichen und schön wäre, wenn es unter 40 Stunden ist. Also bei der Pastaparty viel Essen und beim Vorstellen der Strecke gut zuhören. Mein GPS und die Karte, sowie der Spaß an tollen Trails erledigen den Rest. So war der Plan.
Am Start nachts um 0.00 Uhr am Samstagmorgen regnet es leicht. Wir werden verabschiedet von so einigen Zuschauern und los geht es noch in der Gruppe durch die Stadt bis zum Anfang des Hexenstieges. Alle machen Späße! Bis zur ersten Rampe raus aus Osterode. Dann geht es los: Wir laufen wellig ständig bergauf. Mir kommt die Strecke bekannt vor, der Eulenburgtrail bildet Teilbereiche der Strecke. Dann merke ich, das an dritter Stelle laufen keine gute Idee ist, bei einer Streckenlänge von 200 Kilometer. Also nehme ich einen Gang raus und lasse mich etwas zurückfallen. Irgendwann an irgendeinem Dammgraben tief im Wald in Richtung Torfhaus …. beginnen Magen und Darm Problem zu machen. So dass ich ständig in die Büsche muss. Das Tempo der Mitläufer ist für mich nicht mehr zu halten. Ich muss selbst am Dammgraben, der nicht steil ist, gehen. Meine Beine werden schwer und auf eigentlich schönen Trailpassagen, wie dem Magdeburger Weg, muss ich mich sogar mehrfach setzen weil ich nicht mehr die Beine hoch bekomme.
Ich bin sehr froh, schließlich am Torfhaus bei Stephan zu sein und mich bei seinem VP verpflegen zu können. Mein Körper ist total geschlaucht vom Durchfall. Ich werde auf dem Weg zum Brocken rauf dann noch von so einigen Läufern überholt. Die Läufer, die mir vom Brocken entgegenkommen, machen sich Sorgen und fragen, was den los sei. Ich sage, dass es nicht geht und dass ich langsam machen muss. Nach dem obligatorischen Foto am Brockenstein trinke ich beim Brockenwirt einen Kamillentee. Zugegeben, so verzweifelt war ich wohl noch nie bei einem Ultra. Ich bin damit auf dem vorletzten Platz. Das sollte während des Rennens aber noch häufiger passieren.
Michael, der dort oben den VP macht, sieht mich sorgenvoll an. Ich rufe noch kurz Inge an und sage ihr, dass ich später als erwartet in Könighütte sein werde. Dann laufe ich los und lasse mich ins Tal rollen.
Nach etwa drei Kilometern fühle ich mich das erste Mal wieder besser und es rollt so schön, dass ich die ersten Läufer wieder einhole. Ich mache ein Foto am Trudenstein und überquere die Strecke der Harzquerung kurz vor Königshütte. Da treffe ich Jürgen Baumann, der nach Könighütte humpelt, da er umgeknickt ist. Eine Stunde früher als erwartet, treffe ich so gegen 10 Uhr dann am großen VP in Königshütte ein und werde von meiner Inge umsorgt. Sie hat sich natürlich noch mehr als alle anderen Sorgen um mich gemacht. Aber es wird langsam wieder besser. Ich wechsele jetzt auf kurze, leichte Kleidung und meine bequem ausgelatschten S-Lab 4.
Frisch gestärkt geht es dann, natürlich wieder als Vorletzter, auf den nächsten Streckenteil …. Ziel diesmal Thale, die Halbzeit!
….. Teil II folgt.










