29. Mai 2013
von Thomas Ehmke

Okay, dieses Jahr bin ich nicht die 100 Meilen Variante des Eulenburgtrails gelaufen. Letztes Jahr habe ich 162km mit 5555Hm+ auf drei Runden gefinished. Dort habe ich mir vorgenommen, dass ich das erstmal nicht noch mal mache. Das habe ich auch durchgehalten und war in diesem Jahr nur auf der 96 Kilometer Distanz am Start.
Das sind drei Runden aus Osterode am Harz, über Leerbach, Buntenbock, die Sösetalvorsperre zur Hanskühnenburg und wieder nach Osterode. Auf jeder Runde 1111Hm+ mit ordentlichen Anstiegen und tollen Trails.
Dafür war ich in einem kleineren Startfeld mit dabei. Bis kurz vor dem Start dachte ich, dass ich mich mit Silvan Basten um den ersten Platz streiten müsste. Dann aber die Nachricht, dass Frank Kleinsorg aus Göttingen auch die 96km Distanz läuft. Okay, dann halt nicht und einfach locker durch die Nacht und Kilometer machen. Außerdem habe ich dann die Chance eine guten Freund, Jens Wackerhagen, auf seinen ersten 100 Kilometern zu begleiten.
Die einzige Maßgabe für dieses Rennen für mich war, dass ich bis morgens um 9 Uhr im Ziel sein musste. Jetzt fragt ihr euch: warum nur 14 Stunden. Weil Inge dann auf ihre 32 Kilometer Runde startet und ich sie begleiten wollte.
Ich bin dann mit Jens zusammen angereist. Inge erst am nächsten Tag, so dass sie sich zuhause vorbereiten konnte und auch Ruhe hatte. Immerhin war es ihr erster Wettkampf über 32km und Traillauf.
Jens und ich vereinbaren zusammen die erste Runde zu laufen. Vom Start weg machen Silvan und Frank soviel Gas, dass sie ziemlich schnell weg sind. Ich lasse es langsam angehen, was etwas schneller ist als das, was Jens sonst laufen würde. Aber er bleibt gut dran. Noch mehr als wir merken, dass die Streckenmarkierungen nicht mehr ausreichend vorhanden sind. So stürmen wir die Trails rauf und runter. Uns kommen dann auch so einige Läufer der 100 Meilen Distanz entgegen. Die sind schon um 6 Uhr morgens gestartet und befinden sich in ihrer zweiten und dritten Runde.
Den letzten Trail zum einzigen Verpflegungsposten auf dieser Runde laufen wir mit einem 4:40min/km Schnitt runter. Es macht einen solchen Spaß und läuft einfach sehr gut. Dann setzt die Dämmerung ein, so dass wir beim Aufstieg zur Hanskühnenburg die Stirnlampen rausnehmen müssen. Als ich Jens auf unseren nächsten steilen Trail aufmerksam mache, kommt nur: „Das darf doch nicht wahr sein!“ Er kennt die Strecke nicht und der Trail beginnt im Dunkeln mit Felsstufen. Dann sehen wir im Dunkeln das erste Mal die Hanskühnenburg. Unter den Läufern des Eulenburgtrails auch als Sarumans Turm bekannt.
Eine kurze Pause zum Foto machen und schon geht es weiter ins Hochmoor. Das Hochmoor ist eine drei Kilometer lange und fast ebene Strecke mit Gras und Matschlöchern. Der Trail ist dort übersät mit spitzen und unregelmäßig großen Steinen. Dadurch muss ich mich sehr konzentrieren beim Laufen. Wir überholen dort wieder einige 100 Meilen Läufer, die nur noch gehen. Jens sieht in dem Gelände auch nicht wirklich glücklich aus. Mir fällt auf, dass ich noch nie dort im Dunkeln gelaufen bin. Aber es funktioniert gut und wir kommen ohne einen Sturz wieder im Tal in Osterode an.
Im Start/Ziel Bereich verpflegen wir uns und ich ziehe mir ein trockenes Shirt an. Dann geht es weiter. Dieses Mal die Runde gegen den Uhrzeigersinn und die zehn Kilometer, die wir eben runter sind von der Hanskühnenburg wieder rauf.
Geschätzt hatte ich die Zeit auf zwei Stunden, wir sind aber schon nach einer Stunde und 45 Minuten oben. Ich muss jetzt immer wieder auf Jens warten. Für ihn scheint mein Tempo zu hoch. Was aber auch okay ist. Ich wäre auch zurückhaltender wenn es mein erster 100 Kilometer Lauf wäre. Wir verabreden, nur noch bis Leerbach zusammen zu laufen. Gesagt getan. Kurz hinter Leerbach trennen wir uns.
Ich setzte meine Kopfhörer auf und gebe Gas. In Osterode am Verpflegungspunkt habe ich 20 Minuten Vorsprung und verlasse ihn wieder als Jens dort ankommt. Er sagt mir noch mal, dass alles okay bei ihm ist und er seinen Rhythmus jetzt gefunden hat. Ich sehe auf die Uhr und ich habe jetzt noch vier Stunden und fünf Minuten für die nächste Runde und bis zum Start von Inge. Also gebe ich Gas. Leider muss ich kurz vor der Hanskühnenburg dann erkennen, dass ich den Start verpassen werde. Ich komme guter Stimmung nach 14 Stunden und 21 Minuten ins Ziel.
Meine Uhr zeigt sogar 101 Kilometer. Zu meiner Überraschung bin ich auf Platz 2. Silvan musste das Rennen vorzeitig beenden. Frank Kleinsorg war nach knapp über zehn Stunden im Ziel und der Gewinner des 100 Meilen Rennens nach 20 Stunden und 17 Minuten.
Mein Lauf ist aber noch nicht zu Ende. Jetzt kommt das für meinen Körper und meinen Kopf Interessante. Ich gehe mich verpflegen und umziehen. Währen dieser Zeit kommt ca. eine Stunde nach mir Jens überglücklich ins Ziel seines ersten 100 Kilometer Laufes. Was für eine harte S…. Ich hätte mir einen einfacheren Lauf gesucht, um so etwas das erste Mal zu machen.
Silvan fährt mich dann eine Stunde später zum Verpflegungsposten an die Sösetalvorsperre. Von dort laufe ich Inge entgegen. Natürlich bergauf. Die sprintet mir oben entgegen und freut sich riesig, dass ich da bin. Dann laufen wir zusammen wieder runter zum Versorgungspunkt und es geht wieder rauf zur Hanskühnenburg. Für Inge das erste und einzige Mal und für mich das vierte Mal. Dann geht es ins Hochmoor. Meine größte Sorge ist, dass Inge fällt weil sie schon müde erscheint. Aber weit gefehlt. Sie legt an Tempo zu und läuft technisch einwandfrei durch das schwierige Gelände. Ich komme kaum noch hinterher und sehne mich insgeheim nach einer Gehpause.
Aber sie läuft und läuft und sprintet ins Tal. Wir sind die Runde im Training schon mal gelaufen und sie versucht die Zeit zu unterbieten.
Nach fünf Stunden und 21 Minuten sind wir im Ziel. Sie hat die Zeit um über 40 Minuten verbessert. Aber stellt auch fest, dass sie nicht zwei oder mehr Runden auf der Strecke machen wollen würde. Nächstes Jahr aber auf jeden Fall wieder 32 Kilometer.
Für mich geht es dann endlich unter die Dusche und ein wenig lang machen. Wobei meinem Körper das Rennen nicht so viel ausgemacht hat. Abends nach der Siegerehrung geht es für Inge und mich dann nach Hause. Ein rundum gelungener Wettkampf mit vielen tollen Freunden und einer tollen Organisation. Was ich sehr schön fand ist, dass ich die Chance hatte selbst zu laufen und im Anschluss noch mit Inge.
