18. Februar 2010
von Thomas Ehmke
Die diesjährigen Wetterbedingungen haben die Brocken Challenge zu einer wirklichen Challenge werden lassen. Aber nun erstmal zurück zum Anfang. Schon die letzten Nachrichten des Veranstalters auf der Webseite (www.brocken-challenge.de) ließen es erahnen – dieses Mal wird es eine harte Nummer. Auf der Webseite war auch vielfach von Abbruch und Streckenverlegung die Rede. Der letzte Stand bei der Vorbesprechung am Vorabend des Starts ist dann folgender: Es wird ein kurzes Bus-Shuttle für alle Teilnehmer über ca. 2km und eine Streckenverlegung um ca. 6km geben. Das bedeutete ein Plus von 200 Höhenmetern. Grund für die Streckenverlegung: Schnee, Eis sowie Baumbruchgefahr. Bei der Frage, welche Teilnehme das erste Mal bei der Brocken-Challenge dabei sind, hoben 80% der Anwesenden die Hände. Ich muss sagen: Das erste Mal bei der BC und dann unter solchen Bedingungen – Respekt!
Nach der Einweisung gab es dann wie immer ein leckeres Nudelbüfett im Jägerhaus am Kehr. Als Schlafplatz hatte ich wieder meinen Stammplatz in der Reithalle. So ging ich also bepackt mit meinem Renngepäck und ausgerüstet mit Spikes um 6:00 Uhr an den Start. Die Spikes haben sich die ersten 40 km wirklich mehr als bewährt. Damit konnte ich bis Kilometer 20 in der Spitzengruppe mitlaufen. Nach den ersten 25 km kommen dann aber die Kilometer, die einen Vorgeschmack darauf geben, was mich im Harz erwartet wird: Tiefer Schnee und dicke Eisplatten machen ein schnelles Laufen fast unmöglich.
Nach 42km in Barbis, dem letzten großen Verpflegungsstelle vor dem Harz, treffe ich Hauke König, der meint ich sehe nicht gut aus. Meine Antwort ist nur: „Das täuscht.“ Und nach dem Wechseln der Handschuhe und dem Auffüllen der Vorräte geht es weiter. Ab diesem Zeitpunkt wird das Laufen immer schwerer und die Schneehöhen steigen immer weiter an. Unsere Wege sind zwar vielfach geräumt auch tief in den Wäldern, aber das Vorankommen ist immer noch sehr schwer, sodass meine angestrebte Zielzeit immer weiter nach hinten rutscht. Ich hoffe nur noch, dass es nicht stockdunkel ist, wenn ich auf dem Brockengipfel ankomme. Mit meinem Mitläufer Uwe Herzig quäle ich mich durch den Teil der Strecke, der durch die Streckenverschiebung hinzu gekommen ist. Den Bus-Shuttle genießen wir beide, aber nach ca. 5 Minuten ist die Fahrt auch schon wieder vorbei und wir müssen die 200 Höhenmeter, die wir vorher runter gelaufen sind, jetzt wieder rauf.
Die letzten 15km sind sehr beschwerlich. Wir versuchen neben zwei Langlaufloipen zu laufen oder zu gehen, was bedeutet, dass wir ständig im Schnee einsinken und nicht mehr sonderlich schnell vorankommen.
Im Licht unserer Stirnlampen kommen wir dann nach 11h50min auf dem Brockengipfel an. Die Strecke ist statt der sonst üblichen 81km dieses Mal 87km lang gewesen, das behauptet das GPS in meiner Uhr.
Für uns beide bedeutet das Platz 43 von 145 gestarteten Teilnehmern. Ins Ziel sind allerdings nur 113 von ihnen gekommen, was bei diesen harten Bedingungen eine wirklich nicht zu erwartende Finisherquote ist.
Nach diesem Wochenende freue ich mich noch mehr auf den Sommer, aber wer tut das nicht……
Kategorie Ultramarathon | 0 Kommentare »
11. Februar 2010
von Jose Aguilar-Riedl
Ich befinde mich gerade im Endstadium meines grippalen Infekts, gefühlte 70 Prozent meiner Leistungsfähigkeit sind zurück in meiner sterblichen Hülle. Soweit zu meiner Befindlichkeit.
Andreas Niedrig war ja bei uns in der JVA. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen derart grundehrlichen und authentischen Menschen kennengelernt zu haben (dürfen). Ich lebe in einer Welt, in der diese Werte keine Chance haben und auch wirklich niemand sie vermisst. In unserer Gesellschaft wird die grundlegende Ehrlichkeit oft schon im Kern erstickt oder missbraucht. Als ich Andreas getroffen habe, habe ich die Begegnung als sehr hoffnungsvoll und motivierend empfunden.
Was ich persönlich für mich erkannt habe ist, dass das Leben gar nicht so kompliziert ist, und dass Glaube, Liebe und Disziplin individuell gestaltet mit Entscheidungskraft mir Ruhe in meinem Leben geben wird.
Am Freitag nehme ich wieder mein Training auf, um einen Teil meiner Ziele zu erreichen.
Danke Andreas Niedrig!
Ciao Jose
Kategorie Knastmarathon | 0 Kommentare »
9. Februar 2010
von Hauke König
Ich gebe zu – am Anfang der Reise dachte ich: „Naja, ne Insel im Atlantik, mit ein paar Bergen. So wild kann das ja nicht sein und Laufen geht immer und überall.“
Dann kam der Moment, an dem ich die Fähre verließ und massive 700 Meter empor schaute. „Ok, Laufklamotten hätte ich zu Hause lassen können“, war dann der erste Gedanke „Da kommt man nie hoch, zumindest nicht von der Seeseite.“
Aber nix da. Schon am ersten Tag entdeckte ich einen Trail, der in einem Tal beginnt, das schließlich am Meer endet. Von dort zieht er sich auf etwa 840 Meter hinauf. Ein erster Versuch ergab, dass es von Haustür zum Gipfel und zurück etwa 5km (!) sind und ich diese beim ersten Versuch in 1 Stunde 20min machte. Nur mal, um zu verstehen worum es sich da handelt. Danach war ich fix und fertig – Berge boah!!
In Deutschland eisige Temperaturen und hier 24°C im Schatten. Die Sonne brennt mit ganz anderer Intensität, aber ich mach mir da mal einfach nichts draus. Das hat den einfachen Grund: Es ist mein Klima. So kam ich also nach einem ersten Antesten zu dem Schluss:
Jau, ist machbar. Gleich am nächsten Tag gab es eine Klettertour mit meiner Tochter (10 Monate), die es sich während ich ging und kletterte, in dem Rucksack auf meinem Rücken gemütlich gemacht hatte. Der Weg war dann nach 7 Km und etwa 465 Hhm weggespült und aus Gründen, welche nur ein Vater versteht, der seine Tochter auf dem Rücken trägt, drehte ich um und trat den Heimweg an. Aber zurück zum Training: In den nächsten Tagen fand ich „meine“ Strecke dort. Insgesamt 16,4 Km und etwa 1050 Hhm.
Im Hinblick auf die anstehende Brocken Challenge (http://brocken-challenge.de/) tat es mir sehr gut auch endlich mal in den Bergen zu üben. Der Tribut meiner Haltung „Eigentlich bin ich ja ganz gut trainiert“ war eine dreitägige Trainingspause. Grund: Muskelkater. Und ich gebe frei zu, dass mir meine Oberschenkel seit meinem ersten 24 Stunden Lauf nicht mehr sooo wehgetan haben. Klar, es war das Bergablaufen. Nach etwa einer Woche hatte sich dann aber sowohl meine Muskulatur, als auch meine Optik an die hiesigen Verhältnisse angepasst und ich konnte relativ frei lange Strecken mit großen Höhenunterschieden laufen. Und damit meine ich, dass es irgendwann selbst mir möglich war nach einigen Stunden noch Teilstecken zu laufen, die berauf gingen. Und nicht wie sonst solche zu wandern. Coool, ein ganz persönlicher Erfolg.
Das Wichtigste an diesem Trainingsprogramm und seiner Wirksamkeit ist auf jeden Fall die Schönheit der Gegend dort. Für einen Norddeutschen wie mich ein fast unfassbar magisches Erlebnis: Alpen ohne Schnee mit anschließendem Bad im Meer. Für Trailläufer unglaublich viele, krasse Touren, die in einer Art Vegetation und Geografie liegen auf die ich näher gar nicht eingehen möchte. Es ist warm und sonnig, es gibt Eidechsen, Kakteen, Palmen, Berge, Täler, nette Menschen, gegrillter frischer Fisch (Thunfisch), Avocados, Papayas, Bananen, Meer, Strand……
Ich wünschte Hamburg läge dort. Abgesehen vom Laufen kann man dort natürlich auch noch andere Sportarten treiben. Aber psssst!
Kategorie Ultramarathon | 4 Kommentare »
5. Februar 2010
von Thomas Ehmke
Am Wochenende (06.02.2010) ist es mal wieder soweit: Es ist wieder Brocken-Challenge! Das heißt ich stehe mit vielen Bekannten und Freunden, wie Hauke König zum Beispiel, am Start in Göttingen, um von dort aus auf einer ca. 82km langen Strecke zum Brockengipfel in den Harz zu laufen.
Nachdem schon im letzten Jahr auf der Strecke viel Schnee lag (ist im Winter ja auch so zu erwarten;-), hat der Veranstalter schon vor Tagen die Strecke auf der Internetseite (www.brocken-challenge.de) als sehr schwierig bezeichnet. Es ist sogar kurzfristig überlegt worden, ob es die Bedingungen überhaupt zulassen im Harz zu laufen. Zum jetzigen Zeitpunkt scheint es aber so zu sein. Zwar sind die Wege vielfach mit Eisplatten bedeckt und nur mit Spikes oder ähnlichen Hilfsmitteln zu belaufen. Außerdem ist richtig viel Schnee angesagt und der fällt auch jetzt schon.
Es ist halt eine Challenge, diesmal sogar richtig. Denn vermutlich ist das Laufen stellenweise nur noch unter größten Anstrengungen möglich.
Hier noch mal das Höhenprofil der Strecke:

Also auch wenn es schwierig wird und mit Sicherheit diesmal richtig lange dauern wird – ich freu mich drauf und Ihr werdet hier erfahren wie es war.
Bis dahin nicht hinfallen und immer schön dran denken: Es gibt kein schlechtes Wetter nur schlechte Kleidung
Kategorie Ultramarathon | 0 Kommentare »
4. Februar 2010
von Franco Vitale
eine ziemlich kalte Trainingswoche liegt hinter uns mit Trainingseinheiten bis hin zu 120 Minuten. Ich muss zugeben, dass ich nicht so gerne im Schnee laufe, für die Atmung ist diese kalte Luft aber optimal.Eine schöne aber trotzdem schweißtreibende Angelegenheit war die Veranstaltung mit Dieter Bremer. Er zeigte uns Möglichkeiten auf, wie man sich richtig warm macht und sich richtig stretcht sowie Gymnastikübungen. Alles Dinge, die zwar schweißtreibend waren, wir aber trotzdem 2,5 Stunden Spaß hatten. Mein Dank und meine Hochachtung gilt Herrn Bremer, der sich diese Zeit für uns hier drin genommen hat. Ich bin zwar mit 46 Jahren auch nicht mehr der jüngste, aber Herr Bremer hat mit seinen 60 Jahren so manch einem von uns seine Grenzen aufgezeigt, Die kommenden zwei Wochen geht es für uns ans Eingemachte. Von den jetzt erreichten 120 Minuten, geht es bald auf 135 und dann auf 150 Minuten. Bin echt gespannt. Ich bin ja schon mal etwas über zwei Stunden (2h, 6min.) gelaufen und ich traue mir auch ohne weiteres die 150 Minuten zu.
Na ja, Stück für Stück und so lange es Spaß macht – und es macht wirklich Spaß – bin ich stolz darauf, jede Woche etwas besser zu werden. Ohne jetzt überheblich zu klingen, aber ganz egal, ob in 4,5 Stunden oder in 5 oder 6 Stunden – ich werde auf jedenfall am 24. April ins Ziel kommen. Um endlich etwas in meinem Leben zu Ende zu bringen, dafür trainiere ich. Dabei habe ich mit dem Rauchen aufgehört und habe 8 Kilo abgenommen. Abnehmen und eine gesündere Ernährung, das sehe ich als Belohnung für die letzten Monate.
Doch das, was allem die Krone aufsetzen wird, ist wenn ich dann kaputt aber glücklich am 24.04.2010 durchs Ziel laufe, krieche oder schwanke, ganz egal Hauptsache ins Ziel.
Mit diesem Gedanken sage ich für heute Ciao, bis bald
Franco
Kategorie Knastmarathon | 0 Kommentare »