29. April 2013
von Thomas Ehmke

The Spinerace – Teil 5

Nach einer mal wieder kurzen Nacht (ca. 4 Stunden), aber in einem Bett mit normaler Decke und Laken, geht es weiter. Nicht ohne ein Frühstück. Dieses fällt mal wieder sehr spartanisch aus. Langsam ist mir das auch egal. Ich mache noch schnell ein 30 Sekunden Video für Hansi und die restliche Facebook-Welt und schreibe meiner Freundin eine Guten-Morgen-Mail. Beim Drehen des Videos stelle ich fest, dass ich von Morgen zu Morgen aufgedunsener bin. Außerdem habe ich immer mehr Schwierigkeiten wach zu werden und kaum noch Lust weiter zu machen. Aber egal, muss ja.

Wir werden noch von Stu eingewiesen, kurz hinter dem Hadrianswall nicht in die BOGS zu fallen. Das sind Schlammlöcher die hüfttief sind. Stu hat es uns mal auf ein Blatt gemalt. Sieht ein bisschen wie eine Schatzkarte aus.

Dann geht es los. Nach 5 Kilometern stelle ich fest, dass ich meine Stöcke nicht in der Hand habe. Ein kurzer Anruf bei Scott und meine Stöcke kommen mit einem anderen Teilnehmer hinterher.

Mittlerweile sind wir drei alle sehr still geworden. Wir traben nur noch hintereinander her, die Strecke ist aber auch nicht sehr aufregend. Wir überqueren ein paar Schafweiden, dann mal wieder ein gefrorenes Hochmoor. Langsam ist alles nicht mehr wachhaltend. Selbst der Schnee ist hier zurückgegangen. Die Berge und alles was geht laufen wir, um mal wieder ein bisschen Distanz zu machen. Außerdem wollen wir die Stelle mit den Bogs bei Helligkeit machen und den Hadrianswall besichtigen. Pünktlich zum Mittag überqueren wir die letzte Autobahn vor Schottland. Autobahnen überquert man dort oben einfach, indem man drüber läuft. Eine spannende Sache. Dann kehren wir zum Mittag in ein Pub ein. Es gibt mal wieder
eine große Cola, Kaffee und einen Burger, außerdem auch Wärme und einen Moment Pause. Der Wirt berichtet, dass schon Läufer da waren, die die Nacht im B&B verbracht haben. Ich denke nur: Achja, aber über uns erst mal lachen!

frubi_Blog_290413_5Kurze Zeit später sind wir am Hadrianswall. Ein Wall, gebaut durch den Kaiser Hadrian, als Schutz vor den wilden Horden aus dem Norden. Wirklich beeindruckend!

Wir laufen ca. 35km auf dem Wall lang. Eine tolle Strecke. Sehr einfach und wir kommen gut voran. Ich lasse es mir nicht nehmen, am obersten Punkt auch für ein Foto auf den Stein zu klettern. So etwas muss halt sein, obwohl es sehr stürmisch ist.

Dann kehren wir dem Wall im Halbdunkeln den Rücken und laufen direkt über eine Wiese mit Highland-Rindern. Die finden den nächtlichen Besuch nicht witzig, rotten sich zusammen und verfolgen uns mit großem Gebrüll. Wir sind später sehr froh, wieder von der Weide zu sein. Dann kommt das Gebiet mit den Bogs. Michael führt uns in Zeitlupe und Meter für Meter durch das Gebiet. Alles ist vereist und knackt bei jedem Schritt. Jin und Michael sind vor mir und überall, wo es bei denen knackt, kann ich nicht mehr hin treten, denn ich würde einbrechen. So springe ich von Grassode zu Grassode. Dann sind wir das erste Mal in einem Wald. Der Weg dort ist nicht viel besser. Tiefe Schlammlöcher, Matsch und Schnee. Aber wir kommen schnell voran. Jin und Michael sagen, dass sie sehr müde sind. Also gibt es für uns alle Salzkapseln mit Koffein.

Dann sind wir wieder raus aus dem Wald und kurz vor dem letzten Checkpoint. Michael führt uns noch ein paar Hänge rauf, wo der Trail gar nicht mehr zu erkennen ist. Wir stellen dabei fest, dass wir uns immer mehr Schottland nähern. Der Checkpoint ist sehr klein und der Trockenraum ist kalt. Kein W-Lan oder Telefonempfang und eigentlich auch nicht genügend Betten. Zu allem Überfluss kündigt sich jetzt auch noch schlechtes Wetter für die letzte Etappe an. Die Organisatoren sind sich noch nicht sicher wie es weitergehen kann.

Wir werden trotzdem ins Bett geschickt und für ein Briefing wieder geweckt. An Schlaf ist kaum zu denken. Es ist sehr warm und laut im Zimmer und die Gedanken an die letzte Etappe lassen mich nicht schlafen. Aber für mich steht fest, dass ich so lange weitermache, bis irgendjemand sagt, dass ich aufhören soll –  oder ich im Ziel bin.

Beim Briefing wird uns die Startzeit mitgeteilt und dass wir zu einer 6er Gruppe zusammengefasst werden. Zusätzlich bekommen wir auch einen GPS-Tracker mit. So werden wir ab jetzt permanent überwacht. Dann treffen wir uns draußen und es geht los auf die letzte Etappe. Zu Jin, Michael und mir sind jetzt noch Brian, Ian und Annabell hinzugekommen. So werden wir von Stu aus dem Ort gebracht und auf die Strecke gelotst.

Auf geht’s zur letzten Etappe … Immer in Richtung Ziel.

Beim Packen des Rucksacks für die letzte Etappe habe ich mich mit zusätzlicher Ausrüstung ausgestattet: GPS- Gerät, Biwakzelt, 1l Wasser zusätzlich. Immerhin soll das Wetter richtig schlecht werden. Angesagt sind über 60mpH Schneesturm.

An der letzten Straße kurz vor dem absoluten nirgendwo, sagt Michael plötzlich, dass er nicht mehr kann und aufhört. Wir haben 400 Kilometer gemacht und nur noch 38 Kilometer sind offen. Trotzdem fragt keiner und niemand versucht, ihn von seiner Entscheidung abzubringen. Er sagt, er wäre jetzt nur noch langsam und würde uns aufhalten. Michael telefoniert mit der Organisation und hält das nächste Auto an. Der Fahrer bringt ihn zurück zum Checkpoint. Das ganze dauert gefühlt nur ein paar Minuten. Dann ist er weg und Jin und ich sind das erste Mal ein Zweier-Team.

Brian und Annabell übernehmen erstmal die Führung. Als klar wird, dass sie mit ihrem GPS nicht so gut umgehen können, teilen Ian und ich uns das Führen. Ian orientiert nach Karte und ich mit GPS.

Die Sonne kommt raus und wir kämpfen uns über super schlammige Trails. Ich breche teilweise mehr als knietief ein und ich fluche eigentlich nur noch vor mich hin. Dann kommen wir auf einen Forstweg und können wieder Geschwindigkeit aufnehmen. Jin und ich sind schneller als die anderen drei. Wir überlegen, Stu beim nächsten Kontrollpunkt zu fragen, ob man wieder Zweier-Teams machen kann.

Beim Wasserauffüllpunkt angekommen, ist nur ein minimaler Abstand zwischen uns. Darum ersparen wir uns die Frage. Dann geht es nach oben auf den Bergkamm. Jetzt ist es nur noch etwas mehr als ein Halbmarathon. Das Wetter ist klasse, die Sonne scheint und wir kommen gut voran. Jin und ich laufen mittlerweile trotz tiefem Schnee nahezu alles was geht.

Das schlechte Wetter ist jedoch schon zu sehen und es wird stürmischer. Im zunehmenden Sturm mit Schnee kommen wir an die erste von zwei Schutzhütten. Eine Holzhütte mit Tür, die Wände ungedämmt. Wir machen uns schnell fertig für die Nacht, obwohl es erst in ca. 2 Stunden dunkel wird. Aber allen ist klar, dass das die letzte gute Möglichkeit wird, an die Sachen zu kommen. Dann steigen wir zu dem Berg „Windy Gyll“ auf. Dieser macht seinem Namen auch alle Ehre. Es ist so stürmisch, dass wir kaum noch vorankommen. Der Schnee nimmt zu und verdeckt oft den Trail.

frubi_Blog_290413_9Jedes Mal wenn wir über ein Gatter steigen, sind wir entweder in Schottland oder wieder in England. Die Grenzlinie liegt so nah. Dann wird es Dunkel.

Der Sturm nimmt so zu, dass eine Sicht nicht mehr möglich ist. Der Schnee hat den Trail komplett verdeckt. Ich habe nur noch die Wahl nach GPS zu gehen oder einen Zaun rechts von mir als Orientierung zu benutzen. Wobei im Laufe der Zeit von dem Zaun auch nur noch die Spitzen zu sehen sind. Ich spure also den Schnee für die anderen. Häufig sind jetzt Rinnen am Zaun, die so voller Schnee sind, dass ich mich nur noch mit Mühe befreien kann. Es ist unglaublich anstrengend. Mein GPS zeigt 18 Kilometer zum Ziel an. Bei einem Blick zurück fällt mir auf, dass die Szenerie an den K2 erinnert. Diffuses Licht der Stirnlampen von bepackten Gestalten im Schneesturm. Ich mache mir Gedanken darüber, was wohl passiert, wenn jetzt einer der anderen sagt, dass er nicht mehr weiter kann. Dann müssen wir hier bleiben. Ein Notfallbiwak im Schneesturm. Ich schätze, das würde sogar Bear Grylls nicht wollen.

Für mich selber stelle ich fest, dass es mir gut geht und ich nicht friere. Die Kleidung, die ich trage, ist wohl genau für diesen Zweck hergestellt worden.

frubi_Blog_290413_10Das Vorankommen wird immer schwerer, der Schnee immer höher und ich spure so lange es geht. Manchmal bis es mir schwarz vor Augen wird. Dann muss ich die anderen spuren lassen und ich wanke im Abstand von 25 Metern hinterher. Mal spurt Ian, mal Jin und mal Annabell. Brian ist zu geschafft, um das übernehmen zu können. Wenn Annabell den Schnee spurt, dann ist sie schnell am Limit. Der Schnee ist mittlerweile so tief, dass sie steckenbleibt und Hilfe braucht, um wieder herauszukommen. Wir verlieren kurzzeitig den Zaun als Anhaltspunkt. Das bedeutet für mich: GPS in der einen Hand und Stöcke in der anderen Hand während ich den Schnee spure. Das geht drei Schritte lang gut, dann stürze ich in den Schnee und muss mich wieder ausgraben. Es schneit jetzt so stark, dass das Display meines Garmin schneller voll ist mit Schnee, als dass ich es erkennen kann. Zu meinem Glück meldet das Garmin auch noch, dass die Batterien fast leer sind. Wir navigieren kurzzeitig nach Karte. So finden wir die Ruine einer alten Hütte. Eigentlich suchen wir eine Schutzhütte und meinen Schreck beim Anblick dieser Ruine könnt ihr euch nicht vorstellen. Im Schutz der Ruinen versuchen wir uns zu orientieren. Mein GPS sagt mir klar wo es lang geht. Nur Ian ist anderer Meinung und die anderem folgen ihm. Verzweiflung kommt in mir hoch, denn zuzusehen, wie die anderen einen steilen Abhang hinabsteigen, kann ich auch nicht. Ich also hinterher und versuche Ian zu überreden. Genau in diesem Moment stürze ich erneut. Ich kann noch sehen, dass dort eine Steinkante ist. Ich treffe sie natürlich genau und ein stechender Schmerz ist am Schienenbein. Ich kann im Schnee und mit Stirnlampenlicht erkennen, dass die Hosen kaputt sind. Ich trage eine warme Unterhose, eine Softshell und eine wasserdichte Hose. Der Schnee färbt sich rot und mir ist klar, dass ich mich verletzt habe. Aber genauer drauf schauen geht nicht. Es ist zu kalt und zu windig. Also weiter….

Nachdem es Ian die Karten zerfetzt und er  auf meinem GPS sieht, dass wir falsch sind, darf ich die Führung übernehmen. Irgendwann kommt im Licht der Stirnlampe die Hütte zum Vorschein. Keiner kann sich vorstellen wie glücklich wir waren.

Wir also rein. Kurz nach dem Hinsetzten macht mein Körper schlapp, Schwindel, Schüttelfrost, Übelkeit. Mir ist sofort klar: Das wird ein Schock.  Also Beine hoch und die anderen kümmern sich sofort um mich. Meine Wunde, ein Cut von 10cm Länge auf dem Schienenbein, wird versorgt. Ian macht mit dem Kocher heißes Wasser und setzt Kaffee auf.

Der Organisation wird mitgeteilt, dass wir in der Hütte sind und dort bis zum Morgen bleiben. Achja…und dass ich verletzt bin. Nach dem Essen holen alle die Schlafsäcke raus und wir entledigen uns unserer nassen und vereisten Kleidung. Ich simse mit Inge um ihr die Angst zu nehmen. Eigentlich will ich nur noch weg aus dieser blöden Hütte. Zurück nach Hause. Meine Nerven liegen blank und ich bin so erschöpft, dass ich beim Tippen einschlafe.

Morgens so gegen 7 Uhr werde ich wach. Alle Kleidung, die ich anfasse ist nass oder vereist. Im Schlafsack ist es sehr schön warm und mir graut davor, raus zu müssen.

Meinen Cut tape ich noch mal extra, da beim Spuren des Schnees sonst die Wunde jedes Mal wieder auseinander gezogen wird. Als Annabell das sieht wird sie blass. Dann essen wir alle etwas und beraten wie es weitergeht. Aber der einzige Weg der bleibt, ist zum Ziel nach Kirk Yetholm. 14 Kilometer! Also wir alles verpackt, die Schnürsenkel mit einer Butangaskartusche vom Eis freigeschlagen. Ein kurzes Telefonat mit Scott und weiter geht es. Draußen ist es immer noch stürmisch, aber es hat aufgehört zu schneien. Der Trail ist ab und an zu erkennen. Darum kommen wir gut voran. Irgendwann kommen die ersten Schilder und dann sehen wir die Bergwacht, die uns entgegen kommt. Sie fragen uns, ob alles okay ist. Wir antworten, dass alles gut ist und dass wir ankommen werden. Meine Verletzung ist kaum zu erkennen im Gangbild und so fragt auch keiner nach. Irgendwann sind wir dann auf einer Straße und das gesamte Organisationsteam kommt uns entgegen. Die Anspannung löst sich bei mir. Ich muss weinen, aber vor Freude. Selbst Michael ist da und so gehen wir alle zusammen die letzten Kilometer bis zum Pub, denn dieser ist das offizielle Ende des Pennine Way.

Dort angekommen werden wir gefeiert. Wir hören, dass die Läufer hinter uns nur 18km vor dem Ziel aus der anderen Hütte evakuiert werden mussten.

Mein Schienenbein wird noch im Pub auf dem Tisch genäht. Tja, alles etwas anders in England. Aber richtig klasse!

Nach der Siegerehrung geht es dank Michael fast direkt zurück nach England. Schnell weg aus den Bergen. Nur zwei Stunden später wäre das nichts mehr geworden, denn es ist schon wieder schwerer Schneefall angesagt worden.

Ein irrer Lauf auf dem wir sehr viel Glück hatten und ich viel über Freundschaft lernen konnte. Außerdem habe ich gelernt, dass Trail in England noch viel direkter ist und einfacher. Auch interessanter, denn mal ganz ehrlich: die meiste Zeit schleppen wir auf dem Kontinent unsere Wettkampfausrüstung umsonst mit.

Nun geht es weiter und ich muss mal schauen, was ich als nächstes laufe. Denn die Grenze war das noch nicht… (vom gleichen Veranstalter gibt es 2014 im Übrigen erstmalig: www.frostskade500.com)


22. April 2013
von Florian Angert

10 km Lauf in Rodgau und Brühl

Ein kleines Update aus der Saison­vor­bereitung.

Nachdem ich den Schwimm­wett­kampf (siehe letzter Eintrag) sehr gut verkraftet hatte, stand eine Woche später auch schon der nächste Lauf auf dem Plan. 10km in Rodgau-Jügesheim.

Nette Strecke, ganz flach, die zweite Hälfte leicht abschüssig, Bestzeit garantiert.

Das Wetter war am 3. Februar eher suboptimal. Starttemperatur 6° Grad und natürlich hat es pünktlich mit dem Startschuss angefangen zu regnen. Zum Glück ging es durch den Wald. Zwei nette Waldwege inklusive, die vom Regen so aufgeweicht waren, dass alles eher einem Crosslauf ähnelte. Mit „Augen-zu-und-durch“ (wie auch sonst) konnte man aber genau dort ein paar Sekunden auf die Verfolger gut machen.

Es kam nach ca. 2km zur Grüppchenbildung. Von der ersten Gruppe konnte ich mich bei Kilometer 5 zusammen mit zwei weiteren Leuten lösen. Nach weiteren 3km mehr oder weniger alleine laufen, kam dann die nächste Gruppe vor mir. 500 Meter „ausruhen“ und nochmal all out die letzten Meter. Endtemperatur: 2° Grad und Graupelschauer.

Das ganze wurde mit dem 11. Gesamtplatz und einer persönlichen Bestzeit von 35:57 belohnt. Ziel vor dem Start: Unter 36 Minuten :) … Mission accomplished

Lauf Nummer 2, vier Wochen später in Brühl.

Ziel: Unter 36 Minuten und damit etwa die Zeit von Rodgau. Gleiche Distanz, besseres Wetter. Statt Graupelschauer ein unglaublicher Wind, dafür aber Sonnenschein und 10° Grad. Also Warmlaufen, an die Startlinie und los. Etwas erstaunt schaute ich, als nach 500m ein Läufer barfuß neben mir lief. Allerdings nicht lange. Mit „Windschattenfreigabe“ ging’s dann aus der Stadt hinaus aufs Feld. Da mein Kollege und ich leider nur zu zweit waren, wechselten wir uns die ersten 5km mit der Führung ab. Nach 6km zog er ganz allmählich davon…im Nachhinein war es eine gute Entscheidung, dass ich ihn habe ziehen lassen. Sonst wäre ich nach 8km „hochgegangen“, wie man so schön sagt. Also bin ich mein Tempo so gut es ging weitergelaufen…einsame 5km waren das.

Fazit im Ziel: 35:42 und damit neue Bestzeit. Ein wenig besser einzuschätzen als die alte Bestzeit vier Wochen vorher, da der Wind wirklich stark geblasen hat und einige kleine Dämme im Feld überquert werden mussten. Und jeder kleine Anstieg oder jede scharfe Kurve zieht einem am Ende einfach den Zahn….

Alles in allem waren es zwei sehr zufriedenstellende Läufe. Zweimal Bestzeit in vier Wochen macht Hoffnung auf mehr.  Zumal schließlich erst März war.

Jetzt geht’s erstmal acht Tage nach Frankreich Radfahren und dann im April nochmal den letzten Schliff geben.

Der Saisonstart am 1. Mai kommt schneller als man denkt. Ich melde mich davor mit einem letzten Update bevor die Post abgeht ;-)

LG Flo


15. April 2013
von Robert Wimmer

6-Stunden-Lauf in Lassee/AUT am 23.03.2013

Am 23.03.2013 fand in Lasse/AUT der zweite 6-Stunden-Benefizlauf statt.

 

 

 

 

 

 

Mitveranstalter ist mein Facebook-Freund Rainer Predl aus Lassee.

 

 

 

 

 

 

 

Rainer ist ein 23 Jahre junger Ultraläufer mit hohem Potential in den nächsten Jahren.

Der freundliche junge Herr hat meinen Laufbandweltrekord über 100 KM 2011 verbessert und letztes Jahr meine Laufband-Weltbestleistung über 12 Stunden auf 149 KM gesteigert.

Ich wollte ihn unbedingt einmal persönlich kennen lernen, zumal wir eventuell zusammen einen 24-Stunden-Laufbandweltrekordversuch als jeweiligen Sololauf veranstalten werden. Entweder in Wien oder in Nürnberg. Dann gilt es, in 24 Stunden mehr als 247 KM alleine zu laufen.

Der „verrückte Rainer“ hat den 6-Stunden-Lauf genutzt, um direkt davor einen 7-Tage-Trainingslauf zu absolvieren und die letzten 6 Stunden im offiziellen Wettbewerb zu laufen. Wahnsinn!

 

 

 

 

 

 

Ich begleitete ihn am Vorabend des 6-Stunden-Laufes selbst mehrere Stunden und sprach ihm Mut zu. Er schaffte insgesamt in 7 Tagen 642 KM für den guten Zweck für den „Sternthalerhof“. Die Spende dürfte ca. 1000 Euro erreicht haben.

 

 

 

 

 

 

Selbst nutzte ich den 6-Stunden-Lauf in Lassee als lange Trainingseinheit für meinen 24-Stunden-Lauf in Basel/SUI Anfang Mai und erreichte mit müden Beinen 70.6 KM.

Bei sonnigen, aber kalten Minusgraden liefen wir auf einer 1,9 KM langen Runde in einem Wohnviertel und wurden von den fleißigen Helfern mit Bananen und Wasser versorgt. Stimmungsvoll begleitet wurden die Läufer mit Rockmusik von Nachwuchskünstlern.

 

 

 

 

 

 

 

Alles in allem eine liebevolle Veranstaltung und für mich mal eine Abwechslung, um aus Deutschland rauszukommen. Fast wie ein Kurzurlaub.


5. April 2013
von Thomas Ehmke

The Spinerace – Teil 4

Ich falle also in mein Hochbett mit einem Plastikbezug über der Matratze. Ist zwar nicht gemütlich, aber zugedeckt mit meinem Daunenschlafsack geht es schon. Ich schlafe schnell ein. Natürlich nicht ohne mein Telefon an das Notfall-Ladegerät zu hängen. Steckdosen gibt es mal wieder nicht genug, außerdem kann ich das Telefon dann auch als Wecker benutzen, denn immerhin wollen wir um 2 Uhr morgens wieder los.

Einen Wecker brauche ich eigentlich nicht. Hunger und Durst wecken mich sehr zuverlässig immer mal wieder. Ich stehe auf und hole mir etwas zu essen. Michael geht es genauso, nur Jin schläft durch –  zumindest erinnere ich mich nicht, ihn mal gesehen zu haben. Im Laufe des Nachmittags sehe ich viele Teilnehmer, die ankommen und das Rennen vorzeitig beenden. Auch höre ich oft Anrufe mit, die bei der Organisation eingehen, mit der Bitte um Evakuierung. Häufig sagen die Teilnehmer, dass ihnen die Kraft fehlt, um weiter zu kommen. Daraufhin wird ihnen gesagt, sie sollen ein Notfallbiwak machen und etwas essen. Sie würden evakuiert werden, allerdings wird das vermutlich ein paar Stunden dauern. Das führt mir mal wieder vor Augen, warum ich so viel Ausrüstung mit mir herum schleppe.

Pünktlich um 2 Uhr nachts machen wir uns wieder auf den Weg in die kalte Nacht.
Dass es kalt wird, wussten wir. Nur wie kalt, das konnten wir uns zu diesem Zeitpunkt nicht ausmalen.
Stu, einer der Organisatoren, weißt uns darauf hin, nicht zu nah an dem kommenden Wasserfall hochzuklettern. Die Strecke läuft dort so nah, dass wir reinfallen könnten.
Also machen wir uns wieder auf. Die Strecke geht flach an einem Fluss entlang. Es ist ein toller, einfacher Trail und wir laufen richtig schnell. Wir haben auch viel Spaß. Irgendwann kommen wir in ein riesiges Ablaufbecken, das sich unterhalb der Staumauer befindet. Zu sehen ist sie nicht, denn dafür ist es zu dunkel. Hören können wir nur das Wasser. Wir stellen fest, dass es sehr kalt ist und unsere Wasserflaschen langsam einfrieren bzw. es sogar schon sind. Darum packen wir unsere Flaschen unter die Jacken, sodass das Wasser trinkbar bleibt. Unserer Trail führt immer näher am Wasser entlang und durch die vereisten Steine wird es immer schwieriger, nicht zu stürzten oder ins Wasser zu fallen.

Teil 4_4_050413Darum  entscheiden wir, den Hang neben uns hochzuklettern. Er besteht nur aus Blockgelände mit Schnee bedeckt. Viele oder besser alle Löcher sind nicht mehr zu sehen. Es wird zu einer Qual. Außerdem bemerke ich, dass meine Zehen so kalt sind, dass ich vermute, sie könnten bei den Temperaturen Schaden nehmen. Mein Schuh ist schon zu Eis gefroren. So bitte ich die anderen beiden um eine kurze Pause, um meine Innensocken zu tauschen. Dabei stelle ich fest, dass die wasserdichte Socke am Schuh festgefroren ist. Nach dem Sockentausch lege ich noch ein Heizkissen mit in den Schuh und binde ihn nicht mehr so fest. Dann geht es weiter durch das Blockgelände, das irgendwie nicht enden will. Michael stürzt in ein Loch und verliert darin seinen einen Stock. Nach einer Ewigkeit kommen wir drei völlig entkräftet an der Staumauer an.

Wir beschließen, dass wir eine Pause brauchen. An dem nächsten Gehöft schaue ich, ob wir dort eine Pause machen können. Leider keine Chance. Das Gebäude ist offen und völlig verdreckt durch die Schafe, die dort wohnen. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als mehr Kleidung anzuziehen und weiter zu machen. Ich ziehe das erste Mal meine Notfall Daunenjacke an und benutze die Sturmhaube
gegen die Kälte.
Ich bekomme meine Krise. Sie äußert sich dadurch, dass ich super müde bin. Erinnern kann ich mich nur noch an drei Schritte mit Augen auf und zwei mit geschlossenen Augen. Dann wieder aufwachen. Michael bleibt bei mir, so dass ich nicht völlig allein bin. Auf Toilette gehen ist schwierig. Meine feuchten Toilettentücher sind zu einem Block gefroren. Die Spitzen meiner Black Diamond Stöcke sind zu Klumpen geworden. Abschlagen des Eises ist bei einem Carbon-Stock eine schlechte Idee. Also muss es so gehen.

Dieses eindrucksvolle Panorama sehen wir nachts!

Dieses eindrucksvolle Panorama sehen wir nachts!

So torkeln wir durch die Nacht. Ich warte auf Michael, der nun seine Krise hat, und schlafe prompt im Sitzen ein. So etwas sollte bei ca. 20 Grad unter Null besser nicht passieren. Als es anfängt zu dämmern sehen wir den Ort Dufton.
Michael ruft die Organisation an und gibt Bescheid, dass wir am Ende unserer Kräfte sind. Von der Organisation kommt die Frage zurück: „Und welche Frage habt ihr nun?“ In England ist das alles halt etwas anders. Vor allem im Vergleich zu Deutschland, wo der Veranstalter wohl sofort gekommen wäre.
In Dufton angekommen überlegen wir, wo wir uns hinlegen können. An einem Bed & Breakfast ist Licht an und wir sehen gedeckte Tische. Also klingeln wir und nach kurzer Diskussion mit der Betreiberin bekommen wir für zehn Pfund ein Frühstück und einen Schlafplatz für drei Stunden. Michael legt sich ins Wohnzimmer und Jin und ich bekommen ein noch nicht gereinigtes Zimmer von zwei Gästen, die gerade abreisen. Wir sind mehr als glücklich und legen uns gleich hin zum schlafen. Was für ein Glück! Eine halbe Stunde früher in Dufton und wir hätten die Frau nicht gesehen, eine halbe Stunde später und sie wäre auch schon weg gewesen.
Nach dem Essen machen wir uns gestärkt und ausgeruht daran, den höchsten Berg Englands zu besteigen: Scarfell. Das geht auch einfach und wir genießen es sogar.

Kurz danach werden wir in Gregs Hut empfangen. Dort bewirtet uns John Chamber. Die Hütte ist eine Schutzhütte und nur für das Spinerace bewirtet. Danach fegen wir die restlichen Kilometer ins Tal. Ein paar Kilometer über gefrorene Schafwiesen. Dann ist die Etappe geschafft und wir sind in einem Youth Hotel mit Duschen und W-Lan, tollem Essen und Betten mit Bettdecke. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie glücklich wir waren.

 

 

 


18. März 2013
von Dr. C. Lukas

Plantarfasziitis im Laufsport

Plantarfasziitits ist eine Entzündung der bindegewebigen Platte der Fußsohle der sog. Plantaraponeurose. Diese setzt am Fersenbein an und erstreckt sich über die Fußsohle zu den Zehen. Wenn das Fußgewölbe abflacht, so bei Senk- und Plattfüßen, kommt es zu einer verstärkten Zugbelastung der Aponeurose, wodurch diese anfälliger wird. Da die Plantarfaszie häufig stark verkürzt ist, kommt es auch dadurch zu einer vermehrten Belastung.
Bei der Plantarfasziitis besteht eine Druckschmerzhaftigkeit des Fersenbeins sowie ein ausstrahlender Fußsohlenschmerz. Öfters geben die Patienten an, dass der Schmerz morgens nach dem Aufstehen am Schlimmsten sei, oder auch in der Anfangsphase beim Gehen. Oft ist z.B. Laufsport die Ursache, aber auch Schuhe ohne Unterstützung des Fußgewölbes können die Ursache sein, v.a. auch Flip-Flops, die die Fußsohle schnell überfordern können. Die Schmerzen können das Auftreten teilweise unmöglich machen.

Speziell im Laufsport können neben den  genannten Gründen auch ausgelatschte Schuhe, Schuhe mit ungenügender Fußbettung, plötzlich und intensiv gesteigerte Trainingsumfänge oder Muskeldysbalancen (Ungleichgewichte) die Ursache sein.

Die Diagnose ist primär klinisch, also durch befragen und untersuchen. Ergänzend kann man im Ultraschall ein Ödem als Zeichen der Entzündung sehen. Im Röntgen sieht man teilweise eine knöcherne Ausziehung am Fersenbein, den sogenannten Fersensporn. Dieser ist allerdings Folge und nicht Ursache der Entzündung.

Therapeutisch beginnt man mit anti-entzündlichen Medikamenten, Ibuprofen, Diclofenac u.ä, aber auch Traumeel oder Phlogenzym. Begleitend sollte eine Einlagenversorgung erfolgen, um die Fehlstellung auszugleichen und damit die Ursache zu beseitigen. Zudem wird der gereizte Bereich mit einer Weichbettung versehen.

Bei anhaltenden Schmerzen zeigt die Stoßwellentherapie sehr gute Erfolge, auch Spritzen können die Entzündung hemmen. Neuere Ansätze sehen Botox-Spritzen vor, um die Muskulatur zu schwächen und damit die Überlastung zu reduzieren. Im schlimmsten Fall kann auch eine Operation nötig werden, vorher sollten aber alle konservativen Möglichkeiten ausgereizt worden sein.

Die Verkürzung der Faszie kann man gut selbst behandeln. Beim Dehnen sollte neben der Plantarfaszie auch die Wade gedehnt werden, da die Faszie über das Fersenbein direkt in die Achillessehne und die Wadenmuskulatur übergeht. Sehr effektiv sind auch Eigendehnung/Massage der Wade und der Plantarfaszie mit der Blackroll, besser noch mit der Miniblackroll (www.blackroll.com). Alternativ kann man auch einen Tennisball o.ä. verwenden.


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